Wie Toyota seine Multi-Path-Strategie erklärt

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Toyota-Chefwissenschaftler Gill A. Pratt sprach mit Edison über den Strategie des japanischen Herstellers, die weiterhin stark auch an Hybridautos festhält, und wie sie dazu beitragen soll, dass der Verkehrssektor weltweit klimafreundlicher wird.

Toyota fährt bekannterweise eine Multi-Path-Strategie, bei der Hybridautos und Plug-in-Hybride eine deutlich wichtigere Rolle spielen als bei anderen Herstellern. Pratt begründet dies damit, dass Toyota Kunden weltweit bedient: „Alle Menschen sind unterschiedlich, sie leben in unterschiedlichen Umständen, in unterschiedlichen Regionen der Welt und in individuell unterschiedlichen ökonomischen Positionen“. Toyota müsse seine Kunden „letztendlich genau dort abholen wo sie sich gerade befinden“, sagt er, und ihnen je nach deren Möglichkeiten und Gegebenheiten „die Werkzeuge geben für eine Welt mit weniger schädlichem Kohlendioxid“.

Mit ein Grund, warum sich Toyota nicht stärker auf die reine E-Mobilität konzentriert, sei eine möglichst effiziente Nutzung von Rohstoffen, wie etwa das teure Lithium:Mit dem Lithium aus der Batterie eines einzigen vollelektrischen Autos können wir sechs Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge oder 90 klassische Hybridmodelle bestücken, die allesamt Kohlendioxid einsparen“, sagt Pratt.

Aus seiner Sicht gehe „es einfach darum, zu sehen, wie wir die Kohlendioxid-Belastung insgesamt senken können. Das ist das Ziel, nicht irgendeine Art von Auto: Es geht um die globale Reduzierung der CO2-Emissionen“. Außerdem müsse „am Ende der Kunde entscheiden, was er will und was er sich finanziell leisten kann. Das ist in den einzelnen Märkten sehr unterschiedlich“, so Pratt.

„Wir hinken bei Elektroautos nicht hinterher“

Toyotas Chefwissenschaftler betont allerdings auch, dass der Autohersteller „absolut im Plan“ sei, „um jährlich längerfristig auch eine riesige Anzahl von batterieelektrischen Autos zu bauen. Bis 2030 über drei Millionen, da wird dann in Europa ein Verkaufsanteil von mindestens 50 Prozent erreicht sein“, sagt er und findet nicht, „dass wir da irgendwie hinterherhinken“.

Die Fortführung und Zukunft der Multi-Path-Strategie sei „keine technologische Angelegenheit, sondern hauptsächlich eine Frage der weltweiten Entwicklung der elektrischen Infrastruktur“, erklärt Pratt. In einigen Ländern werde es mehr Elektroautos geben, in anderen Ländern werde die Antriebswende hin zum rein elektrischen Fahrennoch lange Zeit dauern, vermutlich bis zu mehreren Dekaden.

Für seine künftigen Elektroautos schaue sich Toyota „jede mögliche Batteriechemie an, um die Fahrzeuge für die Kunden günstiger zu machen, das ist ja auch eine Demokratisierung dieser Batterien“. Auch das gehöre zur Multi-Path-Philosophie, um „flexibel für die sinnvollste Lösung“ zu bleiben.

Ein „Gamechanger“ namens Feststoffbatterie

Ein „Gamechanger“ sollen Feststoffbatterien werden, die Toyota gegen Ende des Jahrzehnts einführen will. „Aber wir brauchen noch viele Voraussetzungen für eine kommerzielle Produktion“, relativiert Pratt. „Das wichtigste, woran wir da arbeiten, sind die noch zu hohen Kosten. Wir könnten sofort loslegen, aber die Produktionskosten sind im Moment noch viel zu hoch“, sagt er.

Daher werde zum Start von Elektroautos mit Feststoffakkus „nicht gleich die große Welle“ losschwappen, „sondern eine langsamere Anlaufkurve“ zu beobachten sein. Auch die Dauerhaltbarkeit befriedige Toyota noch nicht. „Und die Laderate sollte noch höher sein“, so Pratt über die noch fehlenden Voraussetzungen für einen breiten Markterfolg des „Gamechangers“.

Quelle: Edison – Toyota: „Die Fakten und die Zeit sind auf unserer Seite“

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Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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