Tesla reduziert China-Abhängigkeit bei LFP-Batterien

Tesla reduziert China-Abhängigkeit bei LFP-Batterien
Copyright:

shutterstock / 2538821267

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Tesla hat mit einem neuen Vertrag die Weichen für eine unabhängigere Batterieversorgung gestellt, wie Reuters berichtet. Der US-Autobauer wird künftig Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) vom südkoreanischen Hersteller LG Energy Solution beziehen – und zwar direkt aus den Vereinigten Staaten. Die Vereinbarung hat ein Volumen von rund 4,3 Milliarden US-Dollar (ca. 3,7 Mrd. Euro) und gilt für einen Zeitraum von drei Jahren. Zwar wurde der Name Tesla in der offiziellen Mitteilung von LG nicht genannt, doch eine mit dem Vorgang vertraute Person bestätigte, dass es sich bei dem Abnehmer um den kalifornischen Automobilhersteller handelt.

Bislang stammten viele LFP-Akkus von Tesla aus China. Doch durch höhere Importzölle und politische Spannungen gerät dieses Modell zunehmend unter Druck. Die neue Lieferkette über das LG-Werk in Michigan soll dem entgegenwirken. Der Standort hatte erst im Mai mit der Produktion dieser Batterien begonnen. LG gehört damit zu den wenigen Unternehmen, die diese Zellchemie außerhalb Chinas herstellen – insbesondere in den USA.

LG Energy ließ offen, wofür der Kunde die bestellten Akkus konkret verwenden wird. Beobachter vermuten jedoch, dass sie hauptsächlich in großen Batteriespeichern zur Anwendung kommen sollen. Der Vertrag zwischen LG und Tesla läuft von August 2027 bis Juli 2030. Zusätzlich besteht die Option, ihn um bis zu sieben Jahre zu verlängern. Auch eine Erhöhung der Liefermengen ist möglich, falls sich beide Seiten darauf einigen.

Im zweiten Quartal 2025 konnte LG Energy trotz eines Umsatzrückgangs einen operativen Gewinn von rund 492 Milliarden Won (ca. 307 Mio. Euro) erzielen, was einem Anstieg von über 30 Prozent im Vergleich zum Vorquartal entspricht. Die positiven Ergebnisse führt das Unternehmen auf eine verbesserte Produktmischung, geringere Fixkosten und ein günstigeres Verhältnis von Rohstoffpreisen zurück. Auch ohne Berücksichtigung staatlicher Förderungen aus Nordamerika sei das Ergebnis solide gewesen.

Tesla-Fokus auf außerhalb Chinas begründet durch strategische Neuausrichtung

Die Entscheidung, auf LG als US-basierten Lieferanten zu setzen, steht in direktem Zusammenhang mit Teslas strategischer Neuausrichtung. Finanzchef Vaibhav Taneja hatte bereits im April erklärt, dass man sich bei Energiespeichern von chinesischen Zulieferern lösen wolle. Der Schritt sei notwendig, um Handelshemmnisse und Zölle zu umgehen – auch wenn der Aufbau neuer Partnerschaften Zeit benötige.

Für Tesla bedeutet die Kooperation mit LG eine pragmatische Lösung, um das eigene Energiespeichergeschäft zukunftsfähig aufzustellen. LG selbst reagiert auf die Marktentwicklung ebenfalls mit Anpassungen. Wegen der nicht wie erwartet steigenden Nachfrage nach Elektroautos prüft das Unternehmen, einzelne Produktionslinien für Auto-Akkus in den USA auf Speicheranwendungen umzurüsten. Damit will man flexibler auf die Bedürfnisse des Markts reagieren.

Im Zuge dieser Neuausrichtung plant LG Energy, die Produktionskapazitäten für Batterien im Bereich Energiespeicherung in Nordamerika bis Jahresende auf 17 Gigawattstunden auszubauen. Bis Ende 2026 sollen über 30 Gigawattstunden erreicht werden. Parallel dazu wird in Europa der Ausbau des Standorts Polen vorangetrieben, wo ab der zweiten Jahreshälfte auch LFP-Zellen und Mittelklasse-Nickel-Zellen für den Einsatz in günstigeren E-Autos gefertigt werden sollen.

Gleichzeitig erwartet LG eine steigende Nachfrage aus neuen Bereichen wie Solaranlagen und Rechenzentren, die durch den Einsatz von KI-Technologie einen höheren Bedarf an stationären Stromspeichern haben. Die US-Gesetzgebung mit steuerlichen Anreizen wie dem Investment Tax Credit begünstigt dabei gezielt Anbieter mit lokaler Produktion, was LG zusätzliche Marktchancen verschaffen könnte.

Langfristig will das Unternehmen auch technologisch nachlegen. Für 2028 kündigte LG eine neue Generation von Akkus mit besonders kurzen Ladezeiten an. Zudem arbeitet man an sogenannten LMR-Zellen mit hohem Mangananteil sowie an der Trockenbeschichtung, einer vielversprechenden Methode zur Kostensenkung, die aktuell auf ihre industrielle Umsetzbarkeit geprüft wird. Die ersten Musterproduktionen sind am Standort Ochang in Korea geplant.

Quelle: Reuters – Exclusive: Tesla signs $4.3 billion battery deal with LGES, source says, reducing China reliance / LG Corp – LG Energy Solution Releases 2025 Second-Quarter Financial Results

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten

Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten

Sebastian Henßler  —  

Die Batterie-Pack-Produktion wechselt von der Innovationsphase in die industrielle Reife – was das für Anlagenbauer und ihre Kunden bedeutet.

Donut Lab legt nach: Neue Daten sollen Zweifel zerstreuen

Donut Lab legt nach: Neue Daten sollen Zweifel zerstreuen

Daniel Krenzer  —  

Donut Lab veröffentlicht neue Testdaten zur Ladungserhaltung seiner umstrittenen Feststoffbatterie. Die Ergebnisse sollen Zweifel am „Wunder-Akku“ ausräumen.

VW-Konzern nimmt ersten Batteriegroßspeicher in Betrieb

VW-Konzern nimmt ersten Batteriegroßspeicher in Betrieb

Michael Neißendorfer  —  

„Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen“, sagt VW-CEO Oliver Blume.

Mehr Autarkie im Betrieb: Was Batteriespeicher möglich machen

Mehr Autarkie im Betrieb: Was Batteriespeicher möglich machen

Sebastian Henßler  —  

Die Strompreise schwanken, die Netze sind ausgelastet. Hier können Energiespeicher Unternehmen helfen, Energie flexibel zu nutzen und Kosten zu senken.

E-Auto mit Akku aus entsorgten E-Zigaretten fährt überraschend weit

E-Auto mit Akku aus entsorgten E-Zigaretten fährt überraschend weit

Daniel Krenzer  —  

Ein britischer Ingenieur baut aus 500 Akkus entsorgter E-Zigaretten einen Fahrzeugakku. Ein erster Test überrascht positiv.

BYD präsentiert neue, schnellladende Blade-Batterie

BYD präsentiert neue, schnellladende Blade-Batterie

Maria Glaser  —  

BYD hat die zweite Generation seiner Blade-Batterie vorgestellt, die sich durch eine schnellere Ladegeschwindigkeit auszeichnet.

Lyten finalisiert Northvolt-Übernahme in Schweden, Heide soll folgen

Lyten finalisiert Northvolt-Übernahme in Schweden, Heide soll folgen

Michael Neißendorfer  —  

Lyten hat die Übernahme der Northvolt-Standorte in Schweden abgeschlossen. Nun soll das geplante Werk in Heide in Schleswig-Holstein folgen.