Bei schwachen CO2-Zielen drohen verschwendete Milliardeninvestionen in Batteriefabriken

Bei schwachen CO2-Zielen drohen verschwendete Milliardeninvestionen in Batteriefabriken
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1070556401

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Die EU und das Vereinigte Königreich laufen Gefahr, 27 Milliarden Euro an Investitionen in Batteriefabriken zu verschwenden, wenn sie es versäumen, die CO2-Emissionsnormen für Pkw entsprechend nachzuschärfen, wie Analysen des Umweltverbandes Transport & Environment (T&E) ergeben haben.

Europas aufstrebender E-Auto-Markt hat in den letzten Jahren zu Plänen für den Aufbau von 38 Batterie-Gigafabriken bis zum Jahr 2030 geführt, die insgesamt mehr als 1000 GWh an Produktionskapazität und fast 40 Milliarden Euro an Investitionen umfassen. Ein großer Teil der geplanten Investitionen in diese Fertigungskapazitäten könnte überflüssig werden, warnt T&E, sollten die EU ihre Vorgaben für die CO2-Emissionen im Verkehrssektor nicht eng genug zurren.

Konkret teilt T&E mit, dass zu schwache CO2-Grenzwerte zwischen 2022 und 2029 den Automobilherstellern wenig Anreiz geben, ihren Absatz von Elektroautos bis 2030 deutlich zu steigern. Dies würde dazu führen, dass weit über die Hälfte der erwarteten Produktion an Batterien keinen Markt finden würde, was eine verpasste Gelegenheit wäre, die europäische Wirtschaft anzukurbeln und Tausende von qualifizierten Arbeitsplätzen zu sichern, so T&E.

Mit den Milliardeninvestitionen in die Batterieindustrie dürfte Europa voraussichtlich über genügend Kapazitäten verfügen, um bis 2030 mehr als 90 Prozent aller Neuwagen mit Akkus auszustatten. Ein zu langsam steigender Marktanteil von Elektroautos allerdings würde Europas Chance gefährden, weltweit führend in einer der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts zu werden.

„Die Batterieindustrie reagiert erfolgreich auf Europas Ambitionen zur E-Mobilität, aber die EU-Politiker schafft es nicht, Regulierungssicherheit zu bieten und einen angemessenen Markt für Elektroautos zu garantieren. Die EU und das Vereinigte Königreich müssen die CO2-Standards im Laufe des Jahrzehnts anheben, um eine Verschwendung von Milliardeninvestitionen zu vermeiden und den Batterieboom nicht zu verpassen.“ – Julia Poliscanova, Senior Director für Fahrzeuge und E-Mobilität bei T&E

Laut der Analyse von T&E könnte die geplante Batterieproduktion im schlechtesten Fall fast dreimal höher sein als die Nachfrage in den Jahren 2025 bis 2030. Nach den geltenden Vorschriften würde die Batterienachfrage 2025 nur 174 GWh betragen und 2030 auf 485 GWh steigen. Dies läge weit unter der erwarteten Batteriekapazität von 462 GWh bis 2025 und 1144 GWh bis 2030. Ein Großteil der überschüssigen Batterieproduktion könne jedoch genutzt werden, wenn das CO2-Reduktionsziel für 2025 um 25 Prozent angehoben und ein zusätzliches Ziel von 40 Prozent für 2027 festgelegt würde, so T&E.

Batterieproduktion-Europa-E-Auto-Nachfrage
T&E

Bis heute haben bereits 17 der 38 geplanten Gigafabriken ihre volle Finanzierung im Wert von 25,5 Milliarden Euro sichergestellt. Weitere zehn Projekte haben eine Teilfinanzierung sichergestellt, darunter viele, die für Europas inländische Batterieautonomie von entscheidender Bedeutung seien, wie etwa Britishvolt im Vereinigten Königreich, Italvolt in Italien, Freyr in Norwegen und Basquevolt-Nabatt in Spanien. Weitere elf Projekte – darunter vier Gigafabriken von Volkswagen – wurden kürzlich angekündigt. Strengere CO2-Ziele für den Verkehrssektor würden den überwiegend europäischen Batterieprojekten direkt zugute kommen, so T&E.

Batterien sind der mit Abstand wertvollste Teil der Lieferkette in der E-Auto-Produktion, sie machen gut ein Drittel des Fahrzeugpreises aus. Der Umweltverband betont in diesem Zusammenhang die zunehmend steigende wirtschaftliche Bedeutung der Batterieproduktion und verweist darauf, dass in China und in den USA ebenfalls sehr hohe Summen in die Produktion von Energiespeichern fließen. „Europas in diesem Jahrzehnt verschwendete Investitionen werden nichts im Vergleich zu der in diesem Jahrhundert verpassten Gelegenheit sein“, gibt T&E-Direktorin Poliscanova zu bedenken.

Es wird erwartet, dass die EU im Juli neue CO2-Ziele für den Verkehrssektor vorschlägt. T&E empfiehlt, das Ziel für 2025 zu erhöhen und ein zusätzliches verbindliches Ziel für 2027 festzulegen. Alle Benzin- und Dieselmotoren sollten zudem bis spätestens 2035 auslaufen, so T&E abschließend.

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 09.06.2021

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.