DIW-Studie empfiehlt klaren Fokus auf Batterie-Lkw

DIW-Studie empfiehlt klaren Fokus auf Batterie-Lkw
Copyright:

Volvo Trucks

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Straßengüterverkehr steht vor einer Antriebswende, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Ein aktuell laufendes Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der TU Dresden unter der Leitung des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu-Institut) kommt zu dem Zwischenergebnis, dass batterieelektrische Lkw die vielversprechendste Option für den Klimaschutz im Schwerlastverkehr darstellen, so eine aktuelle Mitteilung des DIW.

Batterieelektrische Fahrzeuge haben gegenüber Wasserstoff-Lkw nicht nur große Vorteile bei der Energieeffizienz und den absehbaren Energiekosten, sondern auch die Marktdynamik spricht klar für sie“, erklärt Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs Transformation der Energiewirtschaft am DIW Berlin. Die Forschenden empfehlen daher, den politischen Fokus klar auf den Hochlauf von Elektro-Lkw in Kombination mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur zu legen. „Batterie-Lkw können bis 2030 mit Abstand den höchsten realistisch erwartbaren Beitrag zum Klimaschutz im Straßengüterverkehr leisten“, betont Julius Jöhrens vom Ifeu-Institut.

Die Studie (verlinkt als PDF) zeigt, dass sowohl der Bestand als auch die Zahl verfügbarer Modelle von E-Lkw in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen sind, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Bei Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw sei eine solche Entwicklung hingegen nicht zu beobachten. Zudem investiere die Privatwirtschaft derzeit erheblich in den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw. Um möglichen Herausforderungen bei den Netzanschlüssen zu begegnen, könnten ergänzend auch Batteriewechsel- oder Oberleitungssysteme weiter erprobt werden.

Die Studie rät zudem davon ab, die Nutzung von Wasserstoff im Schwerlastverkehr weiter zu fördern, da dies eine gänzlich andere Fahrzeug- und Infrastrukturtechnologie erfordern würde. „Eine klare Kommunikation der Bundespolitik zu Batterie-Lkw als zentraler Technologie könnte Lkw-Herstellern und -Betreibern Sicherheit bei anstehenden Investitionen geben“, so Wolf-Peter Schill.

Die Forschenden empfehlen auch, die Regelungen der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) so anzupassen, dass sie die Energieeffizienzvorteile von Elektro-Lkw angemessen berücksichtigen. Die THG-Quote ist ein Instrument zur Verringerung fossiler Kraftstoffe im Verkehr, bei dem Unternehmen verpflichtet werden, ihre CO2-Emissionen zu senken. „Die Quote kann durch verschiedene Optionen erfüllt werden, einschließlich Elektromobilität und Wasserstoff. Allerdings berücksichtigt die aktuelle Systematik die höhere Energieeffizienz von batterieelektrischen Lkw gegenüber wasserstoffbetriebenen nicht ausreichend“, bemängelt Julius Jöhrens.

Studie-markt-elektro-wasserstoff-lkw
DIW Berlin

Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen waren 2022 für 28 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrssektors und für rund sechs Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Unter den kleinen Lkw sind derzeit rund 2,3 Prozent rein batterieelektrisch, unter den schwereren Sattelzugmaschinen sind es nur 0,3 Prozent – Tendenz seit einigen Jahren stark steigend. Wasserstoff-Lkw gibt es dagegen noch fast gar keine.

Quelle: DIW Berlin – Pressemitteilung vom 20.11.2024

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

Michael Neißendorfer  —  

Neuwagen wachsen jährlich um 1,2 cm in der Länge. Allein London und Berlin drohen deshalb, jeweils über 100.000 Parkplätze zu verlieren.

Wie es global um die Entwicklung von Lithium-Schwefel-Batterien steht

Wie es global um die Entwicklung von Lithium-Schwefel-Batterien steht

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Analyse zeigt, welche Akteure die Entwicklung prägen, wo die technologischen Schwerpunkte liegen und wie Europa international positioniert ist.

Studie: Deutsche Autokäufer werden immer wählerischer

Studie: Deutsche Autokäufer werden immer wählerischer

Tobias Stahl  —  

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Kauflust der deutschen Autofahrer bleibt hoch – aber der Weg zum Kauf wird länger. Der Gebrauchtwagenmarkt profitiert.

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Studie: China-Marken bauen Europa-Anteil 2026 stark aus

Studie: China-Marken bauen Europa-Anteil 2026 stark aus

Sebastian Henßler  —  

Gut 420.000 neue E-Autos aus China sind 2026 in Europa prognostiziert. EU-Zölle zwingen die Hersteller dabei zunehmend zur lokalen Fertigung in der Region.

E-Auto-Boom durch Ölkrise: Wie lange hält das?

E-Auto-Boom durch Ölkrise: Wie lange hält das?

Sebastian Henßler  —  

Steigende Spritpreise durch den Iran-Konflikt beflügeln Europas E-Auto-Markt. Manager sind sich uneinig, ob der Effekt von Dauer ist.

Günstiger E-Auto-Einstieg wird auf dem Gebrauchtmarkt enger

Günstiger E-Auto-Einstieg wird auf dem Gebrauchtmarkt enger

Sebastian Henßler  —  

Spritpreise über zwei Euro je Liter befeuern die Nachfrage nach günstigen Elektro-Gebrauchtwagen – doch das Angebot unter 25.000 Euro schrumpft stark.