Strombranche will weniger Ladesäulen bauen

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Wolfgang Plank
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Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wehrt sich gegen ein starres Ziel beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Das berichtet „spiegel.de“ unter Berufung auf das Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es besteht die Gefahr, dass wir ein Überangebot erzeugen und viele Ladesäulen schlicht nicht genutzt werden“, wird BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae zitiert. Als Folge würde Wettbewerb zwischen den Anbietern fehlen. Dieser aber sei nötig, um zu besten Preisen und bestem Service zu kommen.

Erklärtes Ziel der neuen Regierung aus SPD, Grünen und FDP sind 15 Millionen vollelektrische Pkw auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2030. Um den Umstieg auf E-Autos zu erleichtern, sollen bis zu diesem Zeitpunkt eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte vorhanden sein. Der Schwerpunkt soll dabei auf Schnellladesäulen liegen.

Andreae kritisierte diese feste Vorgabe. „Niemand weiß heute genau, wie die Mobilität im Jahr 2030 aussieht“, sagte sie gegenüber dem RND. Davon hänge aber entscheidend ab, welche Ladeinfrastruktur überhaupt gebraucht werde. So könnten beispielsweise eine Citymaut oder ein Fahrverbot für Verbrenner in Innenstädten die Entwicklung stark beeinflussen. Das Ausbauziel für Ladeinfrastruktur könne demnach nur ein dynamisches Ziel sein.

Wie es bei spiegel.de heißt, saß Andreae von 2002 bis 2019 für die Grünen im Bundestag und wechselte dann zur Energielobby. Mitgliedsunternehmen des BDEW wie Innogy, Eon oder EnBW zählen zu den größten Betreibern von Ladesäulen und investieren kräftig in den Ausbau – in der Hoffnung auf ein profitables Geschäft. Dem stünden mitunter politische Vorgaben entgegen. So soll die Branche den Tarifdschungel lichten, die Zahlung mit Kreditkarten ermöglichen und die Zahl der Säulen massiv erhöhen.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, will die Ampelkoalition das Angebot an Ladepunkten mit Steuermitteln ausbauen – auch ohne vorher auf ausreichend Nachfrage zu warten, mit der diese Anlagen überhaupt wirtschaftlich zu betreiben seien. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit die bundeseigene Autobahn GmbH einen Großauftrag für Ladesäulen an unbewirtschafteten Parkplätzen ausschreiben lassen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verlangt ebenfalls seit geraumer Zeit mehr Tempo beim Ausbau des Netzes. Präsidentin Hildegard Müller spricht dabei von etwa 2000 neue öffentliche Ladepunkten pro Woche. Aktuell seien es gerade mal 300.

Quelle: spiegel.de – Energiebranche bremst beim Bau von Elektroauto-Ladesäulen

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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