Stellantis-CEO Tavares zu Klimazielen: „Wir haben eine ethische Verantwortung“

Stellantis-CEO Tavares zu Klimazielen: „Wir haben eine ethische Verantwortung“
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Michael Neißendorfer
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Jede Sekunde, die wir warten, ist Zeit, die wir für Verbesserungen verlieren“, sagte Stellantis-CEO Carlos Tavares auf dem Pariser Automobilsalon und meinte damit Verzögerungen der EU-Emissionsziele für 2025, wie sie manche Automanager und Politiker einfordern. Doch ein Aufschub, so Tavares, würde nur bedeuten, dass die europäischen Autohersteller weiter hinter ihre Konkurrenten aus China zurückfallen, die den Europäern bei der Entwicklung und dem Verkauf von E-Autos meilenweit voraus sind. Und dann ist da ja auch noch diese Sache mit der Klimakrise.

Eine Reihe europäischer Autohersteller, darunter BMW und Renault, sowie der Lobbyverband ACEA haben die Europäische Union zuletzt mehrfach aufgefordert, die CO2-Flottenziele für 2025, die bereits 2019 festgelegt wurden und etwa 15 Prozent strenger sind als die aktuellen Vorschriften, zu überprüfen und im Anschluss auszusetzen oder zu ändern, da der Markt für Elektroautos erheblich zurückgegangen sei und die Hersteller Gefahr liefen, die neuen Grenzwerte nicht einhalten zu können.

Autohersteller, die ihre Ziele verfehlen, müssen mit einer Geldstrafe von 95 Euro pro Gramm oberhalb des Grenzwerts und pro Fahrzeug rechnen. Schätzungen des ACEA zufolge drohen der Branche Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 15 Milliarden Euro. Tavares, selbst ehemaliger Präsident des ACEA, sagte, Stellantis sei bereit für die neuen Ziele, die je nach Hersteller einem Marktanteil von etwa 20 bis 25 Prozent bei Elektroautos entsprechen; derzeit machen Elektroautos weniger als 15 Prozent des europäischen Marktes aus. Dass es auch anders geht, zeigt Volvo: Der schwedisch-chinesische Hersteller fährt eine erfolgreiche E-Auto-Strategie und war bereits 2023 unterhalb der Grenzwerte für 2025.

Wir werden die Vorschriften auch ohne den Kauf von Gutschriften einhalten“, sagte Tavares auf dem Paris Automotive Summit, der im Rahmen der Pariser Automesse stattfand. Er bezog sich dabei auf die Möglichkeit für Autohersteller, ihre Emissionen zu bündeln, was besonders für Tesla und Volvo interessant wäre, die ihren „Vorsprung“ bei den CO2-Werten so zu Geld machen könnten.

„Unser Planet steht in Flammen“

Tavares verwies auch auf die „ethische Verantwortung“ der Autohersteller, ihre Fahrzeuge klimafreundlicher zu machen: „Ja, 2025 wird ein hartes Jahr, aber was ist schon ein hartes Jahr im Vergleich zu der Tatsache, dass unser Planet in Flammen steht“, sagte er und verwies auf die jüngsten Überschwemmungen, Brände und Wirbelstürme, darunter die verheerenden Waldbrände in seinem Heimatland Portugal, bei denen 130.000 Hektar Land verbrannten, eine Fläche größer als Berlin und München zusammen.

Quelle: Automotive News – Stellantis CEO Tavares: Europe risks falling behind China by delaying emissions rules

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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