Stahlindustrie erwartet Nachfrageboom dank Elektroautos

Stahlindustrie erwartet Nachfrageboom dank Elektroautos
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 564750778

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Dem indischen Stahlunternehmen Tata Steel zufolge soll sich mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos auch die Stahlnachfrage erhöhen. In der Studie mit dem gelungen doppeldeutigen Titel „Charging towards a sustainable future“ (hier als PDF-Dokument, englisch) heißt es, dass der Bedarf an Stahl allein der europäischen Autoindustrie bis 2050 um 4,2 Millionen Tonnen zunehmen soll. Das entspräche einem Plus von knapp 25 Prozent gegenüber den rund 17,5 Millionen Tonnen, die aktuell für eine Jahresproduktion Autos benötigt werden.

Zu 100 Prozent teilen können wir diese Einschätzung allerdings nicht. Denn auch Verbrennerfahrzeuge bestehen aus Stahl. Wenn der Anteil von Elektroautos steigt, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass deswegen insgesamt mehr Autos produziert werden. Nur wenn insgesamt mehr Fahrzeuge auf die Straßen kommen, erhöht sich auch die Stahlnachfrage signifikant. Verstärkt wird der Bedarf an dem Werkstoff wohl auch durch den Trend zu immer größeren und schwereren Autos wie SUVs, die von Jahr zu Jahr beliebter werden.

Um die von der EU vorgegeben CO2-Ziele – ab 2021 darf die Neuwagenflotte eines Herstellers nur noch 95 g/km CO2 ausstoßen – einhalten zu können, müssten sich die Autohersteller eigentlich um das Gegenteil bemühen und die Autos kleiner, leichter und somit effizienter bauen.

Laut Tata Steel sind CO2-Einsparungen in der gesamten Lieferkette möglich, nicht nur beim Fahren allein, was die Gesamtbilanz wiederum verbessern würde. „Mit der Elektromobilität kann der Werkstoff Stahl seine Nachhaltigkeit voll ausspielen. In der Zukunft wird es zunehmend um Lebenszyklus und Ökobilanz beim Werkstoffeinsatz gehen. Stahl wird hier mit seiner umfassenden Recyclingfähigkeit punkten“, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in einem Bericht der Welt.

„Die Autos müssen bezahlbar bleiben“

Stahl als Werkstoff habe gegenüber Aluminium und Carbonfaser neben seiner Recyclingfähigkeit den Vorteil, dass er deutlich günstiger ist. „Die Autos müssen bezahlbar bleiben – dafür brauchen wir weiterhin Stahl“, sagt Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkonzern Salzgitter, der Zeitung.

Das hat auch Tesla erkannt: Setzte der Elektroauto-Pionier beim Model S aus Gewichtsgründen noch auf eine Mischung aus Aluminium, Titan und Stahl, hat er für seinen Massenstromer Model 3 die Strategie geändert – und auf reinen Stahl umgeschwenkt. Die Stahlindustrie hat Tesla diese Entscheidung erleichtert, unter anderem mit regelmäßigen Innovationssprüngen beim Leichtbaustahl.

Quellen: Welt.de – Jetzt sind Tesla & Co. die Retter der Stahlindustrie // Tata Steel – The future is electric, the future is steel

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Sebastian Henßler  —  

Drei Viertel der E-Fahrer:innen kennen EV-Reifen, aber kaum jemand fühlt sich beim Kauf gut informiert. Drei Mythen über Reifen erklären, warum das so ist.

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Daniel Krenzer  —  

China will den ruinösen Preiskampf auf dem Automarkt eindämmen. Für europäische Hersteller wird es dennoch nicht leichter – im Gegenteil.

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Daniel Krenzer  —  

Schaeffler setzt bei der Mobilität der Zukunft auf Elektromobilität, hält sich aber auch Wasserstoff und Brennstoffzellen offen.

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Daniel Krenzer  —  

Europäische Hersteller sprechen sich mehrheitlich für Einführung von Supercredits für kleine und in Europa produzierte E-Autos aus.

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

Michael Neißendorfer  —  

Neuwagen wachsen jährlich um 1,2 cm in der Länge. Allein London und Berlin drohen deshalb, jeweils über 100.000 Parkplätze zu verlieren.

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Sebastian Henßler  —  

Die Automechanika Frankfurt öffnet im September ihre Tore. 4500 Aussteller, neue KI-Formate und ein Rekord bei den Innovation Awards erwarten die Branche.