Sinkende Elektroauto-Subventionen in Kernmärkten setzen Tesla unter Druck

Sinkende Elektroauto-Subventionen in Kernmärkten setzen Tesla unter Druck
Copyright:

Fotografie K.J. Schraa / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der Elektroauto-Primus Tesla konnte den Absatz seiner Elektroautos mit den Jahren kontinuierlich steigern. Dies ist zuletzt vor allem auf die hohe Nachfrage nach dem Einstiegsmodell Model 3 zurückzuführen. Im vergangenen Jahr konnte Tesla weltweit bereits mehr als 360.000 Fahrzeuge ausliefern. Analysten zufolge könnte die Nachfrage nach den eher teuren Elektroautos von Tesla allerdings wieder sinken, da einige Regierungen der weltweit wichtigsten Absatzmärkte von Elektroautos ihre Subventionen nach und nach zurückfahren, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

USA

Die US-Bundesregierung subventioniert Elektroautos mit einer Vergünstigung auf die Verbrauchersteuer von 7500 US-Dollar für die ersten 200.000 Fahrzeuge, die ein Autohersteller verkauft. Sobald dieser Schwellenwert erreicht ist, halbiert sich die Steuergutschrift für alle in den nächsten sechs Monaten verkauften Fahrzeuge und halbiert sich dann für weitere sechs Monate, bevor sie vollständig ausläuft.

Der US-Kongress lehnte Ende 2019 eine Ausweitung der Obergrenze auf 600.000 Elektroautos pro Automobilhersteller ab. Bisher haben nur Tesla und General Motors die Obergrenze erreicht. Die Subventionen für Tesla endeten Ende 2019, die für GM laufen am 31. März aus.

Norwegen

Tesla verzeichnet eine besonders hohe Nachfrage aus Norwegen, wo Elektroautos im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent bei den Neuzulassungen ausmachten, ein weltweiter Rekord. Das Land hat batteriebetriebene Fahrzeuge von der Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent sowie von anderen Steuern auf den Autokauf befreit. Mit dem Ergebnis, dass der e-Golf von Volkswagen, der in Deutschland gut 35.000 Euro kostet, in Norwegen günstiger ist als der Einstiegsbenziner, der in Deutschland ab 18.000 Euro zu haben ist.

Die Regierung hatte ursprünglich in Erwägung gezogen, einige dieser Anreize bis Ende 2019 auslaufen zu lassen, sich jedoch darauf geeinigt, alle Steuerbefreiungen bis Ende 2021 zu verlängern. Einige politische Parteien haben jedoch eine schrittweise Reduzierung der Anreize ab 2022 gefordert.

China

Peking hat zuletzt ein großzügiges Fünfjahres-Förderprogramm für sogenannte neue Energiefahrzeuge (NEVs), das 2016 begann, langsam zurückgefahren. Nach 2020 werden die Subventionen womöglich ganz eingestellt werden, da einige Unternehmen zu sehr auf die Mittel angewiesen sind, so die Begründung der chinesischen Regierung. Zuletzt teilte die Regierung mit, es werde in diesem Sommer — anders als 2019 — die Subventionen nicht wieder kürzen.

Teslas in China gebaute Model 3 werden im Rahmen des staatlichen NEV-Programms weiterhin Subventionen erhalten, wie Tesla im Dezember mitteilte. Der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen in China ging 2019 zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren zurück, was unter anderem auf die Subventionskürzungen im Sommer 2019 zurückzuführen war.

Kanada

Die kanadische Regierung hat im vergangenen Jahr ein Anreizprogramm verabschiedet, bei dem Käufer Rabatte in Höhe von 5000 Dollar für Elektroautos und bis zu 2500 Dollar für Plug-in-Hybride erhalten konnten. Während diese Rabatte nur für Autos unter einem Kaufpreis von 45.000 Dollar gelten, hat die Regierung für einige Modelle eine Ausnahme von bis zu 55.000 Dollar erlassen. Das Model 3, das bei 35.000 Dollar startet, ist in Kanada derzeit das einzige Tesla-Fahrzeug, das einen Rabatt von 5000 Dollar erhält.

Niederlande

Die niederländische Regierung hat die Steuerbefreiung für Elektroautos bis 2025 verlängert. Im September beschloss das Land jedoch, ab 2020 einkommensteuerliche Anreize für die private Nutzung von Dienstwagen zurückzusetzen. Nach dem neuen Plan sollen diese Sätze im Jahr 2026 stetig steigen, um mit konventionellen Autos mithalten zu können. Gleichzeitig sinken die Preise für in Frage kommende Elektro-Firmenwagen in diesem Jahr auf 45.000 Euro und im Jahr 2021 auf 40.000 Euro.

Das Tesla Model 3, das in den Niederlanden für knapp 49.000 Euro verkauft wird, hat daher keinen Anspruch mehr auf Dienstwagenvorteile. Die Verkäufe von Modell 3 stiegen laut Angaben der niederländischen Fahrzeugbehörde kurz vor dem Incentive-Aus noch deutlich an.

Großbritannien

Die britische Regierung reduzierte Ende 2018 ihre Subventionen für Elektroautos, bietet jedoch immer noch Rabatte von bis zu 3500 Pfund (4100 Euro) für insgesamt 31 Fahrzeugmodelle an. Großbritannien ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen alle Tesla-Modelle für den Rabatt in Frage kommen.

Deutschland

In Deutschland werden Elektroautos derzeit mit 4000 Euro gefördert, wenn das Fahrzeug weniger als 60.000 Euro kostet. Damit ist Teslas teures Model S nicht mehr förderfähig, für das Model 3 hingegen kann die Umweltbonus genannte Förderung beantragt werden.

Die Bundesregierung hat im November beschlossen, die Zuschüsse für Elektroautos, die weniger als 40.000 Euro kosten, sogar auf 6000 Euro zu erhöhen. Über einem Nettolistenpreis von 40.000 bis maximal 65.000 Euro soll der Umweltbonus für rein elektrische Fahrzeuge 5000 Euro betragen. Da der Basispreis des Tesla Model 3 bei gut 44.000 Euro liegt, würde es für 5000 Euro Förderung in Frage kommen. Die Zustimmung der Europäischen Kommission zu diesen Erhöhungen steht allerdings noch aus.

Quelle: Reuters — Electric vehicle subsidies under pressure in some Tesla core markets

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

35-Stunden-Woche, Urlaub, Zulagen: Was VW jetzt neu verhandeln will

35-Stunden-Woche, Urlaub, Zulagen: Was VW jetzt neu verhandeln will

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen hat mehrere Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. Es geht um Arbeitszeit, Zulagen, Urlaub und weitere zentrale Arbeitsbedingungen.

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will mehrere Haustarifverträge kündigen. Die IG Metall spricht von einem „üblen Foul“ und kündigt Widerstand an.

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

Tobias Stahl  —  

Kurz vor Beginn der Tarifrunde hat IG Metall 175.000 Beschäftigte mobilisiert. IG-Metall-Chefin Benner wirft den Auto-Vorständen strategisches Versagen vor.

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Daniel Krenzer  —  

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern mehr Schutz für die Automobilindustrie, günstigeren Ladestrom und flexiblere CO₂-Vorgaben.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

Sebastian Henßler  —  

Der VDA erwartet bis 2035 den Verlust von 125.000 weiteren Autojobs in Deutschland und verweist auf hohe Energiekosten sowie fehlende Reformen.

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

Tobias Stahl  —  

Kurz vor einem geplanten Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sorgt US-Präsident Trump mit überraschender Offenheit für Kritik aus Reihen der US-Hersteller.