Schwierige Zeiten für Audi in Brüssel: Was passiert als nächstes?

Schwierige Zeiten für Audi in Brüssel: Was passiert als nächstes?
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Audi | Audi Produktionsvorstand Gerd Walker

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Im Audi-Werk in Brüssel könnten diese Woche erstmals wieder Autos vom Band rollen. Nachdem der Standort zuletzt vor großen Herausforderungen stand, wurden die Beschäftigten am vergangenen Mittwoch teilweise zurück zur Arbeit gebeten. Der Fokus liege nun darauf, die Produktion des Audi Q8 e-tron wieder aufzunehmen, wie die Automobilwoche berichtet. Trotz dieses Neuanlaufs bleibt Audi bei seinen Plänen zur Umstrukturierung des Werks. Falls sich kein Käufer für die Fabrik findet, die seit 2007 zum Audi-Produktionsnetzwerk gehört, steht eine Schließung des Standorts im Raum. Diese Entscheidung könnte eine der schwersten für Produktionsvorstand Gerd Walker sein, der erst vor Kurzem den Werksleiter in Brüssel austauschte.

Thomas Bogus übernimmt nun als neuer Werksleiter die Aufgabe, gemeinsam mit seinem Team Lösungen für die Zukunft des Standorts zu erarbeiten. Walker äußerte sich dazu: „Mit seiner umfangreichen Erfahrung bringt er wertvolle Impulse in den Prozess ein.“ Bogus soll im laufenden Informations- und Konsultationsprozess mit den Sozialpartnern mögliche Szenarien für das Werk und die Mitarbeitenden ausloten. Eine schnelle Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Audi informierte die Belegschaft, dass derzeit keine neuen Modellproduktionen des VW-Konzerns in Brüssel geplant sind. Walker verteidigte diese Entscheidung und betonte die Notwendigkeit, in volatilen Zeiten flexibel zu bleiben und auf Veränderungen in der Nachfrage reagieren zu können.

Die schwache Nachfrage nach der Audi Q8 e-tron Modellreihe ist laut Walker ein wesentlicher Grund für die aktuell schwierige Lage in Brüssel. Die Zurückhaltung der Käufer habe die Volumenplanung und die Produktionszahlen stark beeinflusst. Anfang Juli wurde deshalb bekannt gegeben, dass das Werk geschlossen wird, sollte es keine neuen Nutzungskonzepte geben. Audi hatte daraufhin den Unternehmensrat über die geplante Umstrukturierung informiert.

Audi-Werk Brüssel braucht einen Neustart

Walker betonte, dass Audi in dieser Situation größtmögliche Transparenz für die Mitarbeitenden schaffen wolle. Er erklärte, dass man sich der emotionalen Belastung der Situation bewusst sei und die Belegschaft so offen wie möglich über die weiteren Schritte informiert werde. Regelmäßige Besuche in Brüssel und ein kontinuierlicher Austausch mit dem Vorstand seien für Walker dabei selbstverständlich.

Wie es in Brüssel weitergeht, bleibt offen. Die rund 3000 Mitarbeitenden sollen seit Montag wieder arbeiten. Ein Streik ist nicht ausgeschlossen, und auch eine Besetzung des Werks wird von einigen Gewerkschaftern als mögliche Maßnahme in Betracht gezogen. Der Produktionsvorstand erklärte in Richtung der Mitarbeitenden: „Die Ankündigung vom 9. Juli hat unsere Belegschaft hart getroffen. Auch für mich ist es eine schwierige Situation. Ich appelliere an alle, sich konstruktiv einzubringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“ Die Wiederaufnahme der Produktion des Elektro-SUV Q8 e-tron sei geplant, obwohl die Nachfrage derzeit gering sei. Audi bereitet derzeit einen stufenweisen Neustart im Zweischichtbetrieb vor, um die Abläufe möglichst geordnet zu gestalten.

Quelle: Automobilwoche – Audi-Vorstand Walker über Brüssel: „Wir müssen flexibel bleiben“

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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