Reparatur von Elektroautos – sind Werkstätten gewappnet?

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Eine Analyse von Gastautor Bernhard Appelhoff

Immer mehr Autos auf Deutschlands Straßen fahren mittlerweile elektrisch. Im Jahr 2023 wurden insgesamt gut 524.200 E-Autos in Deutschland neu zugelassen. Damit wurde ein Höchstwert erreicht – während sich nun langsam die weggefallene Kaufprämie beim Absatz von batteriebetriebenen Pkw bemerkbar macht. Im Februar 2024 sind rund 15 Prozent weniger E-Autos zugelassen worden als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig entwickelt sich jedoch der Markt für gebrauchte Elektroautos – das Angebot wird größer und die Preise sinken. So werden sie auch “gebraucht” zur echten Alternative zum Verbrenner.

Laut einer Studie des ZDK und BBE Automotive rechnen rund 80 Prozent der freien KFZ-Werkstätten und Autohäuser in Deutschland mit einer weiterhin wachsenden Bedeutung der Elektromobilität. Und dies habe schon jetzt direkte Auswirkungen auf das Werkstattgeschäft. Viele Werkstätten sind auf diese Veränderung allerdings bisher nicht richtig vorbereitet. Ihnen fehlen spezielle Werkzeuge, sicherheitstechnische Ausrüstungen, Ladestationen und eine Hubvorrichtung zum Austauschen des Batteriepacks.

Um Elektroautos sicher zu warten und zu reparieren, benötigen sie zudem Zugang zu den erforderlichen Schulungen für Techniker, damit sie an Hochvolt-Fahrzeugen arbeiten dürfen und die Richtlinien der Berufsgenossenschaft erfüllen. Da diese häufig fehlen, wird die Qualifikationslücke bei der Reparatur von E-Autos immer größer.

Zentrales Thema: Mitarbeiter-Weiterbildung

Der klassische Kfz-Mechatroniker, der nicht eingewiesen worden ist, darf an einem Elektroauto beispielsweise nicht einmal einen Radwechsel vornehmen. Das wissen auch viele Betriebsinhaber nicht. Sie brauchen also eine entsprechend ausgewiesene Fachkraft. Diese ist verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Allerdings gibt es im Verhältnis bisher nur wenige entsprechend geschulte Mitarbeiter.

Im Rahmen spezieller Lehrgänge können Mitarbeiter für das fachgerechte und sichere Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvolt-Systemen und deren Komponenten zwar qualifiziert werden, aber bedingt durch den bereits bestehenden Fachkräftemangel in der Branche, bleibt in vielen Werkstätten nur wenig Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen. Werkstatt-Software-Tools steigern ggf. die Effizienz der derzeitigen Arbeitsabläufe, aber ohne Experten bringen auch die besten Tools nichts. Schulungen müssen für Auszubildende und erfahrene Techniker leichter zugänglich sein, und die Verantwortung dafür kann nicht allein bei den Werkstätten selbst liegen.

Investitionen in das richtige Equipment

Um an Elektroautos arbeiten zu können, ergeben sich auch Anforderungen an die technische Ausstattung der Werkstätten. Der Investitionsbedarf – maßgeblich ausgelöst durch spezielle Werkstattausrüstung und einen Quarantäneplatz für verunfallte E-Autos – fordert die tendenziell kleineren freien Betriebe in besonderem Maße heraus. Laut der e-mobil Studie Servicemarkt 2040 beläuft sich der Investitionsbedarf in Schutzausrüstung, Spezialwerkzeug und Sicherheitsmaterial je Arbeitsplatz auf rund 10.000 Euro.

So sind die Kosten für die Ausstattung von Werkstätten hinsichtlich der Ausrüstung für Elektroauto ein wesentliches Hindernis und ihre Reparatur und können besonders für kleinere freie Werkstätten eine Herausforderung darstellen. Auch wenn der Markt für E-Autos weiter wächst, machen Benzin- und Dieselfahrzeuge immer noch den größten Marktanteil aus. So betrachten Werkstattbesitzer Investitionen in Werkzeuge für Elektrofahrzeuge häufig noch als unrentabel.

Techniker sind im Vergleich zur Reparatur von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei E-Autos auch viel stärker auf Software angewiesen. Hier kann der Einsatz von Technologie helfen. Es gibt jetzt Ressourcen für Techniker, die Informationen über die spezifischen Werkzeuge bieten, die für jedes Fahrzeugmodell benötigt werden, um sowohl die Kapazitäten zu verwalten als auch die Prozesse zu rationalisieren.

Gemeinsam den Wandel meistern

Die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Branchenverbänden und den Werkstätten selbst ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass qualifizierte Arbeitskräfte bereit sind, die Nachfrage nach Wartung und Reparatur von Elektroautos zu bedienen. Nur so können wir sicherstellen, dass Kfz-Techniker über die notwendige Ausbildung verfügen, um ihre Dienste sicher und effektiv anbieten zu können. Während die Hersteller das Fahrzeugdesign für eine effizientere Produktion kontinuierlich optimieren, werden Wartungen und Reparaturen immer komplexer. Werkstätten müssen mit der sich schnell entwickelnden Technologie Schritt halten.

Die Politik kann entscheidende Unterstützung leisten, indem sie Normen festlegt und Anreize für die Ausbildung und den Ausbau der Infrastruktur bietet. So verschafft sie den Betrieben des Kfz-Gewerbes Sicherheit und Planbarkeit und kann die Transformation der überwiegend mittelständischen Kfz-Betriebe durch finanzielle Hilfen unterstützen.

Fazit

Die Transformation des Kfz-Gewerbes ist unerlässlich, geht aber mit hohen Investitionen für die einzelnen Werkstätten einher. In der heutigen Zeit müssen sie das Know-how und die Infrastruktur für Verbrenner- und Elektroautos parallel bereitstellen, was zusätzlich hohe Kosten verursacht. Ohne finanzielle Förderung, insbesondere der kleineren freien Werkstätten, drohen Insolvenzen und damit ein kleineres Service-Netzwerk für Kunden.


Über den Autor: Bernhard Appelhoff, Technischer Experte und Leiter des Qualitätsteams bei Autodata, setzt seit 30 Jahren erfolgreich Projekte in der Automobilindustrie um. International hat er weitreichende Erfahrungen gesammelt. Diese bringt er seit sieben Jahren bei Solera ein, dabei stehen Datenqualität und Datenrelevanz für ihn im Vordergrund.

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