Wie finde ich die zu mir passende Akkugröße?

Wie finde ich die zu mir passende Akkugröße?
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 5 min

Eine Analyse von Daniel Krenzer

Höher, schneller, weiter, größer – vor allem wenn es um die Reichweite von Elektroautos geht, schauen viele Elektromobilitäts-Neulinge sehr genau auf die Zahlen. Wer große Benziner oder Diesel gewohnt ist, ist oft geneigt, sich auch einen sehr großen Akku für ein E-Auto zu wünschen, damit möglichst genauso selten „getankt“ werden muss wie bisher. Das ist aber ein Trugschluss, denn die Elektromobilität erfordert ein gewisses Umdenken. Wer das verinnerlicht hat, kommt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einem viel kleineren Akku aus – und spart dadurch nicht nur Geld, sondern auch in den Batterien enthaltene wertvolle Ressourcen.

Doch wie findet man den für sich passend skalierten Akku? Dazu sollte man sich vorab folgende Fragen stellen:

Was sind die alltäglichen Wege?

Durchschnittlich fährt der Deutsche weniger als 40 Kilometer am Tag, wobei es eine breite Spanne gibt. Manche sind täglich dienstlich oder für den Weg zur Arbeit viele Kilometer auf der Autobahn unterwegs, andere fahren zwei, drei Mal pro Woche nur wenige Kilometer. Überlegen Sie einmal: Wie viele Kilometer lege ich mit dem Auto in einer ganz normalen Woche zurück? Sind es etwa die durchschnittlichen 250 bis 300 Kilometer? Oder sind es deutlich mehr oder weniger? Die alltäglichen Fahrten dienen uns als Basis auf dem Weg zur richtigen Akkugröße.

Können Sie zuhause oder am Arbeitsplatz nachladen?

Wer sein Elektroauto regelmäßig dort aufladen kann, wo es sowieso parkt, kommt in der Regel mit kleineren Fahrzeugbatterien aus. Neben dem Laden zuhause oder an der Arbeit kann dies auch die Schnellladesäule sein, die sowieso am Einkaufszentrum oder dem Fitnessstudio der Wahl steht. An einer normalen Ladesäule sind stündlich in der Regel gut 50 Kilometer nachgeladen, an einer Schnellladesäule können es je nach Ladeleistung und Modell in nur wenigen Minuten mehrere Hundert Kilometer sein. Für den Akku schonender und den Geldbeutel günstiger ist aber das Normalladen.

Wie ist Ihre Fahrweise?

Sind Sie eher rasant unterwegs und wollen auch mit dem Elektroauto Reisegeschwindigkeiten von um die 150 Stundenkilometer beibehalten? Oder sind sie ohnehin gerne gemütlicher unterwegs? Fahren Sie vor allem auf der Autobahn oder vorrangig im Stadtverkehr? Bei Elektroautos macht das einen größeren Unterschied als bei Verbrennern. Wer viel schnell und überwiegend Autobahn fährt, sollte tendenziell eher zu einem größeren Akku greifen. Wer vor allem gemütlich sowie im Stadtverkehr und über Landstraßen unterwegs ist, profitiert auch von der Energierückgewinnung (Rekuperation genannt) besonders stark und braucht deutlich weniger Energie.

Wie oft geht es in die Ferne?

Zwar plant der Deutsche seinen Autokauf meist nach dem GAU-Prinzip (Größte Anzunehmende Urlaubsfahrt), doch in Wahrheit sind seltene Langstrecken nur sehr bedingt ein Kriterium für die passende Akkugröße. Wie oft fahren Sie wirklich weiter als 200 Kilometer am Stück? Passiert das mehrmals wöchentlich, wird ein 40-kWh-Akku vermutlich irgendwann nerven – außer Sie machen sowieso gerne häufiger Pausen. Passiert das aber nur ein, zwei Mal im Monat, dann ist das auch mit einem kleineren Akku gut handhabbar. Wichtig ist für weitere Strecken neben der reinen Akkugröße nämlich in besonderem Maße die Ladeleistung. Also der Wert, wie schnell neue Energie ins E-Auto geladen werden kann. Das variiert stark, je nach Modell und Ladesäule. Ein kleiner Akku mit vergleichsweise hoher Ladeleistung ist aber für gelegentliche Fernfahrten in der Regel und aus eigener Erfahrung völlig ausreichend.

Und was ist mit Urlaub?

Ganz außen vor lassen wollen wir das Thema Urlaub dann doch nicht. Fahren Sie mehrmals jährlich mit vollgepacktem Wagen nach Italien, an die Nordsee, nach Frankreich, Spanien oder wo es sonst schön ist? Dann sollten Sie eher zu einem größeren Akku greifen, auch wenn es bei einer ordentlichen Ladeleistung noch lange kein Batterie-Monster mit mehr als 100 kWh Stunden sein muss. Passiert das in der Regel nur einmal im Jahr, sollten Sie Ihre Entscheidung vielleicht lieber nicht an einem singulären Ereignis festmachen – denn den schweren Akku tragen Sie das ganze Jahr inklusive Mehrverbrauch mit sich herum. Dann vielleicht lieber Geld beim eigenen Auto sparen und stattdessen einen kleinen Teil des ersparten Geldes für den Urlaub in einen Mietwagen mit größerer Batterie stecken? Manche Händler bieten das sogar gezielt und kostengünstig an. Und auch die Bahn ist allen Unkenrufen zum Trotz oft eine Alternative.

Und welche Größe passt nun zu mir?

Ein Elektroauto benötigt in der Regel im Schnitt 20 kWh, im Sommer eher etwas weniger, im Winter etwas mehr. Wer eher flott oder mit schwerem E-SUV unterwegs ist, kann sich an 25 kWh orientieren, wer es gemütlich angehen lässt und mit einem kleinen E-Auto klarkommt, der kann sich auch mit um die 15 kWh Verbrauch bewegen.

Schritt eins ist es nun, sich die alltäglichen Wege anzuschauen. Wer nicht zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, für den ist es besonders komfortabel, in normalem Wochen nur einmal öffentlich laden zu müssen. Pro 100 Kilometer in einer normalen Woche sollten es also bei Normal- bis Wenigfahrern demnach 15 bis 25 kWh Akkugröße plus kleinem Puffer sein. Wer ohnehin ständig nachladen kann, kommt locker mit der Hälfte aus, sofern die täglichen Wege nicht zu weit sind.

Wer häufiger weite Strecken fährt, der sollte sich überlegen: Wie viele und wie lange Pausen sind für mich in Ordnung? Wer gern häufiger und auch länger pausiert, der kommt mit einem normalen Akku von 50 oder 60 kWh klar. Wer aber gerne lange Strecken durchfährt und nur mal kurz für den Toilettengang oder einen Kaffee einen Halt einlegt, der sollte tendenziell einen etwas größeren Akku wählen, vor allem aber ein Auto mit einer möglichst hohen Ladeleistung. Je seltener man weite Strecken fährt, desto spannender werden aber Autos mit weniger großer Batterie, sondern entsprechend hoher Ladeperformance – das sind dann häufig Modelle mit 800-Volt-Technik an Bord, aber dem kleineren der meist zwei angebotenen Akkugrößen.

Mit einem schweren Akku an Bord steigt in der Regel auch der Verbrauch, sodass ein doppelt so großer Akku noch lange nicht auf eine doppelt so hohe Reichweite kommen muss. Riesige Akkus von um die 100 kWh oder mehr kommen eigentlich nur für diejenigen infrage, die sich dies zum einen leisten können und sehr viel und sehr schnell mit wenig Pausen auf der Langstrecke unterwegs sind. Laut Social Media ist das gefühlt fast jeder, wer aber die oben gestellten Fragen für sich ehrlich beantwortet, wird zu mehr als 90 Prozent auf eine kleinere passende individuelle Akkugröße kommen.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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