Hohes Plus bei Solarenergie kann Einbußen bei Windkraft nur bedingt abfedern

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 stammte beinahe die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen. Trotz dieses hohen Anteils verzeichneten die erneuerbaren Energien im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang bei der Stromproduktion. Hauptgrund dafür war das Wetter – insbesondere der windarme Februar und März.

Insgesamt produzierten Wind-, Solar-, Wasser- und Biomasseanlagen 63,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das waren rund 16 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Während die Sonne stärker schien und damit für mehr Solarstrom sorgte, blieb der Wind vielerorts aus. Das wirkte sich besonders auf die Windkraft aus, die normalerweise einen großen Anteil am Ökostrom liefert.

Die Erzeugung durch Windenergieanlagen an Land sank auf 26,5 Milliarden Kilowattstunden – ein Minus von etwa 22 Prozent. Auf See fiel der Rückgang mit 31 Prozent noch stärker aus. Zusammen lieferten Windräder 33,3 Milliarden Kilowattstunden und damit rund ein Viertel des Stromverbrauchs. Wäre der Wind kräftiger gewesen, hätte der Ausbau von über 870 neuen Anlagen mit zusammen 4,3 Gigawatt Leistung für eine deutliche Steigerung sorgen können.

Auch die Wasserkraft musste Einbußen hinnehmen. Wegen geringer Niederschläge in den Monaten Februar und März kam sie nur auf 4,2 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht dem Wert von Anfang 2023, liegt aber etwa 26 Prozent unter dem Vorjahreswert, der durch außergewöhnlich hohe Regenmengen begünstigt war.

Solarenergie verzeichnet starken Zuwachs im ersten Quartal

Dagegen legte die Solarenergie deutlich zu. Der Zuwachs bei den installierten Anlagen sowie ein sonniger März trugen dazu bei, dass Photovoltaikanlagen 13,3 Milliarden Kilowattstunden lieferten – ein Plus von rund 32 Prozent. Damit deckte die Sonnenenergie etwa zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs in diesem Zeitraum.

Trotz dieser positiven Entwicklung im Solarbereich reichte der zusätzliche Strom nicht aus, um die Rückgänge bei Wind und Wasser vollständig auszugleichen. Der Bedarf an flexiblen Stromquellen und Speichern wächst daher weiter. Neue gesetzliche Regelungen sollen dafür sorgen, dass kurzfristige Stromüberschüsse aus Solarenergie besser integriert und gesteuert werden können.

Stimmen aus der Branche betonen die zentrale Rolle, die Wind- und Solarstrom heute bereits spielen. Um auch bei schwankenden Wetterbedingungen verlässlich Strom liefern zu können, braucht es neben dem Ausbau der Erzeugung auch Investitionen in Infrastruktur. Dazu zählen Speicher, steuerbare Kraftwerke sowie ein Strommarkt, der flexibles Verhalten belohnt.

Ein wichtiges Element soll dabei auch grüner Wasserstoff sein. Er kann überschüssigen Strom speichern, in Zeiten niedriger Erzeugung aushelfen und langfristig als klimaneutraler Energieträger dienen – etwa in Industrie und Verkehr. Fachleute sehen in ihm ein verbindendes Glied zwischen Energieerzeugung, Speicherung und Nutzung.

Im ersten Quartal 2025 wurden insgesamt 132,4 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt – etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Stromverbrauch lag nahezu unverändert bei 135,3 Milliarden Kilowattstunden. Aus erneuerbaren Quellen stammten 63,5 Milliarden Kilowattstunden. Darunter entfielen 26,5 auf Wind an Land, 6,8 auf Wind auf See, 13,3 auf Photovoltaik, 11,1 auf Biomasse und 4,2 auf Wasserkraft. Konventionelle Energieträger wie Gas oder Kohle lieferten 68,9 Milliarden Kilowattstunden – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Je nach Berechnungsart ergibt sich ein leicht unterschiedlicher Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstrom. Bezogen auf den Verbrauch lag der Anteil bei 46,9 Prozent. Wird stattdessen die erzeugte Strommenge als Basis genommen, ergibt sich ein Wert von 47,9 Prozent. Beide Kennzahlen geben Orientierung – und zeigen: Der Weg zur Energiewende bleibt wetterabhängig, aber planbar.

Quelle: BDEW – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Philipp:

Aktuell werden vor allem in Hessen und BW die Trassen gebaut. Was hat die CSU mit diesen Bundesländern am Hut?

Philipp:

Liegt einfach daran, dass eine Planung hier Jahre braucht und im Grunde ist das auch gut so. Wäre für dich sicher auch nicht schön, wenn plötzlich über dir eine Stromtrasse gebaut wird und auf Nachfrage erklärt man dir, haben wir vorgestern entschieden und du hättest nur gestern Zeit zum Einspruch gehabt.

Philipp:

Die nördlichen Bundesländer sind zumeist SPD und von den Grünen geführt. Haben die sich darum gekümmert, den Sonnenstrom mit Stromtrassen aus dem Süden zu bekommen?
Alle Parteien haben sich um Rente, Müttergeld und Bürgergeld gekümmert, aber sicher nicht um Zukunftsinvestitionen, weil Stromtrassen nur Wählerstimmen kosten, nicht bringen.

Daniel W.:

Ich frage mich wie in Deutschland die Energie- und Verkehrswende gelingen soll, wenn die CDU verzweifelt nach fragwürdigen Alternativen zum E-Auto sucht und die CSU die Windkraft und die großen Stromtrassen fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Da kann man nur hoffen, dass uns China mit günstigen E-Autos, PV-Modulen und Speicherbatterien flutet, damit die privaten Haushalte und zahlreiche Firmen ihre eigene Energie- und Verkehrswende schaffen und der Rest mit den vorhanden Kraftwerken, Stromleitungen und Treibstoffen auskommt.

Ob es ein älterer Herr namens Friedrich Merz schafft den russischen Bären von den deutschen Grenzen fernzuhalten und eine AfD-Kanzlerin zu verhindern?

Für mich bleibt die Hoffnung, dass Donald Trump rechtzeitig scheitert und es nicht dazu kommt, dass Putin mit Alice Weidel durchs Brandenburger Tor fährt.

stueberw:

Genau , 16 Jahre CDU/CSU von Frau Merkel geführt haben Deutschland an den Abgrund gebracht und nicht die Grünen.

Gregor:

Wir brauchen endlich diesen Speicher Tsunami…dann wird das auch besser und besser werden. Aber Rückstand durch die CxU kann man nicht so schnell aufholen.

Marius:

„… braucht es neben dem Ausbau der Erzeugung auch Investitionen in Infrastruktur. Dazu zählen Speicher, steuerbare Kraftwerke sowie ein Strommarkt, der flexibles Verhalten belohnt.“
Aber irgendwie passiert hier (gefühlt) nicht viel.

Frank:

Eine Quelle sagt keine neuen Offshore Windpark in 2024 sondern 2023 und 2025 Teilbetrieb, eine andere Quelle schreibt 0,74 Gigawatt in 2024.

Frank:

“ Wäre der Wind kräftiger gewesen, hätte der Ausbau von über 870 neuen Anlagen mit zusammen 4,3 Gigawatt Leistung für eine deutliche Steigerung sorgen können “
Wo kommen den solche Zahlen her, letztes Jahr sind nicht 4,3 Gigawatt sondern nur 2,5 Gigawatt netto dazu gebaut worden, etwas weniger als 2023.
Die 132,4 Milliarden kWh sind brutto und die 135,3 Milliarden kWh Stromverbrauch ist netto ! Das Ausland muss viel mehr Leistung erzeugen für Deutschland als es hier dargestellt wird (die Magnetisierungs-, Leitungs- und Transformerverluste usw.).

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