Norwegen plant neue Steuer auf schwere Elektroautos

Norwegen plant neue Steuer auf schwere Elektroautos
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 713063371

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Norwegen ist das Elektroauto-Paradies schlechthin: Etwa die Hälfte der Neuzulassungen sind dank großzügiger Subventionen, Steuererleichterungen und einigen weiteren Anreizen wie kostenlosen Parkplätzen, Mautbefreiung und freigegebenen Busspuren Elektro- oder Hybridautos, der Strom des Landes stammt fast komplett aus Wasserkraft – und ab 2025 soll es gar keine neuen Benziner und Diesel mehr geben. Die steuerliche Förderung beim Elektroauto-Kauf ist sogar so hoch, dass in Norwegen der VW e-Golf günstiger ist als der Basis-Benziner.

Ein kleiner Dämpfer steht nun allerdings wohl jenen Norwegern bevor, die sich ein größeres Elektroauto mit viel Reichweite und somit auch einem schweren Akku zulegen wollen. Medienberichten zufolge plant die Regierung, eine neue Steuer einzuführen, die bislang hauptsächlich die reichweitenstarken Modelle des US-Herstellers Tesla betrifft, da sie das Gewicht des Fahrzeugs berücksichtigt: Dem Plan zufolge soll das Basismodell der Limousine Model S beim Kauf etwa 7000 Kronen (knapp 750 Euro) teurer werden, das wäre noch verschmerzbar. Das Topmodell des Elektro-SUV Model X jedoch soll demnach satte 70.000 Kronen (etwa 7500 Euro) teurer werden.

Tesla konnte in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land Norwegen im vergangenen Jahr 3500 Elektroautos absetzen – fast doppelt so viele wie in Deutschland – und erreichte so einen Marktanteil von 2,3 Prozent. Und 2017 konnte der Elektroauto-Pionier aus Kalifornien bereits mehr als 4700 Fahrzeuge in Norwegen absetzen und den Marktanteil auf 4,1 Prozent steigern. Wie sich die neue Steuer auf die Verkaufszahlen auswirkt, dürfte spannend und Thema vieler Diskussionen werden.

Über die Gründe der Steuer lässt sich nur spekulieren. Manche meinen, es handle sich um eine Art „Strafsteuer“, damit die Norweger wieder verstärkt kleinere Fahrzeugmodelle kaufen. Betrifft die neue Steuer bislang nur Tesla, könnte sie künftig auch etlichen anderen Herstellern zum Verhängnis werden, die demnächst ebenfalls schwere Elektroautos mit hohen Reichweiten verkaufen wollen. Wie etwa Mercedes-Benz, Audi, BMW, Porsche und Jaguar, die in den kommenden Jahren vor allem Elektro-SUVs und E-Sportwagen auf den Markt bringen.

Immerhin eine gute Nachricht bleibt für Tesla: Das Mittelklassemodell Model 3, das als Massenstromer weltweit für Furore sorgen soll und bereits knapp eine halbe Million Mal reserviert wurde, bliebe von der Gewichtssteuer in Norwegen verschont. Es ist leicht genug.

Quelle: Welt.de – Tesla: Norwegen plant Steuer auf große Elektroautos

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Sebastian Henßler  —  

Drei Viertel der E-Fahrer:innen kennen EV-Reifen, aber kaum jemand fühlt sich beim Kauf gut informiert. Drei Mythen über Reifen erklären, warum das so ist.

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Daniel Krenzer  —  

China will den ruinösen Preiskampf auf dem Automarkt eindämmen. Für europäische Hersteller wird es dennoch nicht leichter – im Gegenteil.

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Daniel Krenzer  —  

Schaeffler setzt bei der Mobilität der Zukunft auf Elektromobilität, hält sich aber auch Wasserstoff und Brennstoffzellen offen.

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Daniel Krenzer  —  

Europäische Hersteller sprechen sich mehrheitlich für Einführung von Supercredits für kleine und in Europa produzierte E-Autos aus.

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

Michael Neißendorfer  —  

Neuwagen wachsen jährlich um 1,2 cm in der Länge. Allein London und Berlin drohen deshalb, jeweils über 100.000 Parkplätze zu verlieren.

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Sebastian Henßler  —  

Die Automechanika Frankfurt öffnet im September ihre Tore. 4500 Aussteller, neue KI-Formate und ein Rekord bei den Innovation Awards erwarten die Branche.