Northvolt-Zellfabrik in Schleswig-Holstein rückt näher

Northvolt-Zellfabrik in Schleswig-Holstein rückt näher
Copyright:

Jeppe Gustafsson / Shutterstock / 2292074693

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Die geplante Batteriezellenfabrik in Heide (Kreis Dithmarschen) rückt näher: Der schwedische Konzern Northvolt bekennt sich klar zum Standort in Schleswig-Holstein und will den Bau der Gigafactory weiter voranbringen. Die Bundesregierung sowie die schleswig-holsteinische Landesregierung wiederum sind bereit, den Aufbau der Batteriezellen-Fabrik finanziell zu unterstützen.

Mit dieser Förderung, die noch unter dem Vorbehalt der beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission steht, will die Bundesregierung in Zeiten des wachsenden globalen Wettbewerbs direkte Anreize für die Ansiedlung von Schlüsseltechnologien, wie z.B. Batteriezellen, in Deutschland setzen. Im Fall von Northvolt soll die Förderung eine milliardenschwere private Investition freisetzen, die 3000 direkte Arbeitsplätze in Heide und Tausende weitere in der umliegenden Industrie und im Dienstleistungssektor schaffen werde.

Das jährliche Produktionsvolumen nach dem Hochlauf der Fabrik soll 60 GWh betragen und rund eine Million Elektroautos mit Batteriezellen aus deutscher Produktion versorgen.

Zusätzlich zu dem bestehenden IPCEI-Projekt werde derzeit eine Förderung auf der Grundlage des „Temporary Crisis and Transition Framework“ (TCTF) vorbereitet. Die geplante staatliche Beihilfe muss von der EU-Kommission auf der Grundlage des TCTF genehmigt werden; die Bundesregierung und die EU-Kommission befinden sich in ersten konstruktiven Gesprächen. Sollte die EU-Kommission die Finanzierung genehmigen, wird der TCTF erstmals in Deutschland zur Anwendung kommen.

Am 9. und 11. Mai haben die beiden Standortgemeinden Lohe-Rickelshof und Norderwöhrden beschlossen, in die nächste Phase des Genehmigungsverfahrens einzutreten – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum künftigen Baubeginn.

„Eines der wichtigsten Leuchtturmprojekte der Energie- und Verkehrswende“

„Mit den nächsten Schritten bei Northvolt kann sich Deutschland auf eines der wichtigsten Leuchtturmprojekte der Energie- und Verkehrswende freuen, das Tausende von Green-Tech-Arbeitsplätzen schaffen wird“, erklärt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Mit dem neuen TCTF habe die EU-Kommission einen klaren Weg zur Sicherung wichtiger industrieller Investitionen in Europa in grüne Schlüsseltechnologien eröffnet. „Wir sind seit fast einem Jahr in Verhandlungen mit Northvolt. Unser vertrauensvoller Dialog mit dem Unternehmen und allen relevanten Interessengruppen hat sich als erfolgreich erwiesen, so dass nun wichtige nächste Schritte zur Realisierung des Projekts unternommen werden können. Wir sind dabei, die nächsten Schritte, wie das notwendige Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission, vorzubereiten.“

„Die gemeinsamen Bemühungen von Region, Land und Bund um die Ansiedlung in den letzten zwei Jahren haben sich gelohnt. Alle Beteiligten in Schleswig-Holstein haben sich für das Projekt eingesetzt und gerade Robert Habeck hat es auf Bundesebene in hervorragender Weise unterstützt“, ergänz Ministerpräsident Daniel Günther. „In Schleswig-Holstein werden wir zeigen, wie wir unseren Rohstoff der Zukunft, die Erneuerbaren, in Wertschöpfung und Wachstum verwandeln und gleichzeitig unsere Wirtschaft dekarbonisieren“. Es sei „großartig“, so der Ministerpräsident, „dass die EU mit dem TCTF den Weg für die Ansiedlung von Northvolt eröffnet und damit binnen kürzester Zeit eine Antwort auf den IRA der USA gegeben hat“. In Deutschland soll nun das erste Mal dieser Weg beschritten werden. Besonders hervor hebt Günther die positiven Entscheidungen der Verantwortlichen aus der Region: „Ich freue mich sehr, dass die Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter in Lohe-Rickelshof und Norderwöhrden sich ausdrücklich hinter das Vorhaben stellen.“

Peter Carlsson, Gründer und CEO Northvolt: „Wir sind dankbar für alle Bemühungen, die bisher von der Bundesregierung, der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung, der EU-Kommission und lokal in Dithmarschen unternommen wurden. Mit diesem Engagement der Bundesregierung im Rücken hat Northvolt beschlossen, die nächsten Schritte für den Ausbau in Heide zu gehen.“

Carlsson hatte noch vor einiger Zeit verlauten lassen, dass sich der Bau verzögern könnte. Als Gründe nannte er die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland sowie die höheren Subventionen in den USA. Als Investitionsvolumen für Heide waren bis zu 4,5 Milliarden Euro genannt worden.

Weitere wichtige Schritte vor Ort seien neben dem Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission die vorbereitenden Arbeiten vor Ort für den Bau der Fabrik und die endgültige Baugenehmigung. Alle Beteiligten streben an, diese Voraussetzungen im Jahr 2023 zu erfüllen, damit die Bauarbeiten beginnen können und die Auslieferung von Batteriezellen aus Heide im Jahr 2026 starten kann.

Quelle: BMWK/ Schleswig-Holstein.de/ Northvolt – Pressemitteilungen vom 12.05.2023

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Michael Neißendorfer  —  

Das DIW legt eine detaillierte Auswertung der E-Auto-Förderung vor. Und richtet eine klare Botschaft an die Politik.

MiSpeL: Bundesnetzagentur baut Hürden für V2G wieder ab

MiSpeL: Bundesnetzagentur baut Hürden für V2G wieder ab

Daniel Krenzer  —  

Nach einiger Kritik überarbeitet die Bundesnetzagentur MiSpeL. Für bidirektionales Laden und Vehicle-to-Grid sollen wichtige Hürden fallen.

Nissan startet Forschungsprojekt zum autonomen Fahren

Nissan startet Forschungsprojekt zum autonomen Fahren

Maria Glaser  —  

Mit „ADventure“ will der japanische Hersteller in Großbritannien einen autonomen Mobilitätsdienst unter realen Bedingungen untersuchen.

Industrial Accelerator Act: Spanien schlägt Kompromiss vor

Industrial Accelerator Act: Spanien schlägt Kompromiss vor

Laura Horst  —  

In Hinblick auf die „Made in EU“-Kriterien stehen die Länder unter Druck, eine Einigung zu finden, welche Länder von Subventionen profitieren sollen.

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Daniel Krenzer  —  

Teslas FSD Supervised dürfte in der EU – wenn überhaupt – später als erwartet freigegeben werden. Der Termin am 6. Oktober scheint zu platzen.

Nun fix: Umweltplakettenpflicht für E-Autos entfällt

Nun fix: Umweltplakettenpflicht für E-Autos entfällt

Daniel Krenzer  —  

Der Bundesrat schafft die Umweltplakettenpflicht für Fahrzeuge mit E-Kennzeichen ab. Ein Beschluss des Bundestags war dafür nicht nötig.

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Daniel Krenzer  —  

Eine neue ACEA-Studie warnt: Europas Batteriefertigung dürfte die geplanten EU-Lokalisierungsvorgaben zunächst nicht erfüllen können.