Nissan: Fokus auf Elektromobilität ohne Renault?

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Hannes Dollinger
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Nissan, Japans drittgrößter Automobilhersteller nach Verkaufszahlen, soll an unabhängigen Wachstumsplänen in den Bereichen Software und Elektroautos arbeiten. Dabei distanziere sich das Unternehmen von seinem langjährigen Partner Renault, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Laut internen Quellen soll Nissan planen, einen Partner außerhalb der Automobilbranche zu finden, um Software zu entwickeln, die Fahrzeuge mit cloudbasierten Diensten verbindet. Damit sollen Autos „intelligenter und besser vernetzt“ werden. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an einer erweiterten Strategie für Batterie- und Plug-in-Elektrofahrzeuge in Nordamerika und Asien, die ausschließlich für Nissan bestimmt sein soll. Die langjährige Partnerschaft zu Renault soll reduziert werden. im Gegenzug investiert Nissan aber in Renaults Elektrosparte Ampere.

Die aktuellen Pläne sehen vor, dass Renault seinen Anteil an Nissan von 43 Prozent auf 15 Prozent reduziert – entsprechend der Größe von Nissans Beteiligung an Renault. Nissan-Manager hatten sich in der Vergangenheit darüber beschwert, dass Renault nicht seinen gerechten Anteil an den Kosten für Innovation und Entwicklung trage. Die neue Strategie von Nissan spiegelt die Meinung innerhalb des Unternehmens wider, berichtet Reuters unter Bezug auf interne Quellen. Es scheint, dass die 23-jährige Allianz für viele der größten Herausforderungen im Wandel auf Elektromobilität an ihre Grenzen gestoßen ist.

Auf der anderen Seite plant Nissan, in Renaults neue EV-Sparte Ampere zu investieren. Die Renault Group soll künftig in fünf Geschäftsbereiche gegliedert werden: Ampere (Elektromobilität und Software), Alpine (Sportmarke), Mobilize (Finanzdienstleistungen, Ladeangebote, Abonnements, Versicherungen und Vehicle-as-a-Service), The Future Is Neutral (Third-Life-Aktivitäten und Recycling) und Power (Verbrennungs- und Hybridfahrzeuge von Renault und Dacia sowie leichte Nutzfahrzeuge von Renault). Renault hat dazu unter anderem enge Partnerschaften mit Qualcomm und Google geschlossen, um Software Defined Vehicles zu entwickeln. Der Wechsel in den Besitzverhältnissen zeigt auch den Fokus der Marke Nissan, sich zukünftig mehr auf Elektrifizierung und Software für autonomes Fahren und andere „Connected Car“-Funktionen konzentriert.

Obwohl Nissan weiterhin Einsparungen bei der gemeinsamen Beschaffung von Teilen mit Renault erwartet und sich auf Elektrofahrzeuge konzentriert, plant das Unternehmen laut der Quelle nicht, Ingenieursunterstützung für Ampere bereitzustellen. Nissan wird in das Ampere-Unternehmen investieren und Technologie zur Verfügung stellen, aber seine operative Beteiligung begrenzen, werden Insider zitiert.

In einer Stellungnahme auf seiner Website erklärte Nissan, dass der Inhalt des Reuters-Berichts stark von den eigenen Absichten abweiche und dies „äußerst bedauerlich“ sei. In einer früheren gemeinsamen Stellungnahme an Reuters erklärten Nissan und Renault, dass sie an endgültigen Partnerschaftsbedingungen arbeiteten, die sie wettbewerbsfähiger machen würden. Beide Unternehmen kündigten an, bereits geplante Kooperationsprojekte für Indien und Lateinamerika im Detail vorzustellen.

Die unabhängigen Wachstumspläne von Nissan signalisieren eine Veränderung in der Zusammenarbeit mit Renault, wobei das Unternehmen versucht, sich in den Bereichen Software und Elektromobilität stärker zu positionieren. Die Zusammenarbeit innerhalb der Allianz wird weiterhin in bestimmten Bereichen fortgesetzt, aber es ist klar, dass Nissan seine eigene Zukunft und Innovationen in den Vordergrund stellt.

Quelle: Reuters – Exclusive: Nissan takes its own road, minus Renault, in seeking tech tie-up

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Hannes Dollinger

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Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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