Nissan baut Pilotanlage für Feststoffbatterien auf

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 2 min

Nissan bereitet den Weg für die nächste Generation von Elektroauto-Batterien: Im japanischen Werk in Yokohama entsteht derzeit eine Produktionsstätte für Feststoffbatterien. Die derzeit, wie im Titelbild gezeigt, im Bau befindliche Pilotanlage soll die Entwicklung der Hochvoltakkus vorantreiben – auch durch innovative Fertigungstechnologien, so Nissan in einer aktuellen Mitteilung.

Als Teil der seiner langfristigen Unternehmensvision „Nissan Ambition 2030“ will der Automobilhersteller demnach bis zum Geschäftsjahr 2028 (1. April 2028 bis 31. März 2029) Elektroautos mit Feststoffbatterien auf den Markt bringen. Langfristig geplant ist ein Einsatz in unterschiedlichen Fahrzeugsegmenten, um die Wettbewerbsfähigkeit der E-Autos zu verbessern.

Japans drittgrößter Autohersteller will die Anlage 2025 in Betrieb nehmen und zunächst Prototypentests durchführen und die Festkörperbatterien in dem Pilotwerk in Yokohama umfassend testen, bevor er eine Produktionskapazität im größeren Maßstab aufbaut. Gegenüber Reuters bestätigte Nissan, dass das Produktionsvolumen ab 2028 zunächst bei 100 Megawattstunden pro Jahr liegen soll – bei einer von uns angenommenen Akkugröße von 80 kWh könnten so nur gut 1200 E-Autos mit Festkörperakkus bestückt werden.

Ein Gamechanger für die Elektromobilität

Die sogenannten All-Solid-State-Batterien, darin ist sich die Branche weitestgehend einig, heben die Elektromobilität auf die nächste Stufe: Sie haben eine nahezu doppelt so hohe Energiedichte wie herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien, bringen somit deutlich weniger Gewicht ins Auto, weisen kürzere Ladezeiten infolge einer besseren Ladeleistung auf sowie geringere Kosten aufgrund günstigerer Materialien. Außerdem gelten sie als äußerst langlebig und auch besonders sicher, eine Brandgefahr könne so gut wie komplett ausgeschlossen werden.

Nissan führt, wie viele andere Autohersteller auch, umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten dieser Batterietechnologie der Zukunft durch. Bei den Japanern reicht die Palette von der Erforschung von Batteriematerialien auf molekularer Ebene über die Entwicklung von Elektroautos bis hin zur Entwicklung von Städten, in denen E-Fahrzeuge als V2G-Energiespeicher eingesetzt werden. Die gesammelten Erfahrungen sollen das Fundament legen für eine praktische Umsetzung im Serieneinsatz.

Nissan will zudem, wie es auch Tesla und Volkswagen bereits umsetzen, auf die Technologie des Gigacastings setzen, um große Bauteile in einem einzigen Guss zu fertigen. Konkret geplant sei, so Reuters, auf diese Weise bei der Produktion des Hecks eines Elektroautos 20 Prozent an Gewicht und zehn Prozent der Kosten einzusparen. „Wir haben uns entschieden, eine 6000 Tonnen schwere Gigacasting-Maschine zu verwenden, um die hintere Karosseriestruktur von Autos aus Aluminiumguss herzustellen“, sagte demnach Hideyuki Sakamoto, Nissans Executive Vice President für Fertigung und Supply Chain Management.

Quelle: Nissan – Pressemitteilung vom 16.04.2024 / Reuters – Japan’s Nissan bets on solid-state batteries, gigacasting for next-gen EVs

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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