NIO, Geely und Changan New Energy im Kampf um Akku-Wechselzeiten

NIO, Geely und Changan New Energy im Kampf um Akku-Wechselzeiten
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1455250148

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Ein Thema, welches vor allem den chinesischen Elektroauto-Markt beeinflusst, ist der Akku-Wechsel/ -Tausch bei Elektroautos. Bekanntermaßen soll der weltweit größte Automobilmarkt das Konzept des Akkutauschs forcieren. Ein Problem allerdings sei, dass die Batteriepakete standardisiert sein müssen, damit das Angebot effizient und wirtschaftlich betrieben werden kann. Zudem stehen „lange“ Wechselzeiten noch als Hindernis im Raum. An letztgenannten Punkt bewegt sich derzeitig einiges. So kommt es zu einem regelrechten Kampf um die schnellsten Akku-Wechselzeiten.

Erst gestern konnten wir von Geely berichten, welche den Akku-Wechsel in gerade einmal 90 Sekunden ermöglichen. Diese sind damit ungefähr doppelt so schnell unterwegs wie NIO, die derzeit noch rund drei Minuten für einen Wechsel des Akkus benötigen. Dennoch ist es so, dass NIOs Akku-Wechsel-Modell Tag für Tag mehr Nutzer findet. Gegenüber Konkurrent NIO überzeugt man bei Geely durch eine entsprechende Akku-Vorhaltung, neben der schnelleren Wechselzeit. Geely hält 39 Akkus vor; NIO an seinen Stationen gerade einmal fünf Akkus. Doch auch in diesem Bereich bewegt sich etwas.

Nichtsdestotrotz sind weder Geely noch NIO die Schnellsten im Felde, wenn es um Akku-Wechselzeiten geht. Changan New Energy hat Anfang September in Chongqing seine Batteriewechsel-Station in Betrieb genommen, welche den Akku in gerade einmal 30 Sekunden austauscht. Damit ist man noch „schneller als das Tanken von Benzin.“ Nachweislich ist der 30-Sekunden-Batteriewechsel in der Branche führend.

NIO will im Moment aufholen und verspricht, dass man mit der zweiten Generation an Batterie-Wechselstationen, die im nächsten Jahr in Betrieb genommen wird, ebenfalls schnellere Wechselzeiten ermöglich. Zudem soll das Benutzererlebnis an der Station selbst gesteigert werden. Aktuell ist die höhere Geschwindigkeit der Geely-Batterie-Wechselstation darauf zurückzuführen, dass beim Batteriewechsel zwei Roboter eingesetzt werden. Nachdem die alte Batterie von einem Roboter entfernt wurde, wird die neue Batterie sofort von einem anderen Roboter aus der anderen Richtung geliefert, wodurch die Wartezeit verkürzt wird. Dies erhöht natürlich auch die Kosten einer solchen Station.

Beim NIO-Batterieaustauschverfahren kommt derzeit nur ein Roboter zum Einsatz, der die alten Batterien herausnimmt und die neuen einlegt. Wodurch die Wartezeit etwas länger dauert. Changan New Energy setzt seinerseits, analog Geely, ebenfalls zwei Roboter ein. Bei den 30 Sekunden Akku-Wechsel wird derzeit nur der Zeitraum von Entnahme bis Einführen der neuen Batterie gemessen. Der gesamte Prozess von der Einfahrt des Fahrzeugs in die Station bis zum Batteriewechsel dauert etwa eine Minute, so das Unternehmen.

Aber auch an anderer Stelle nimmt das Thema Fahrt auf. Nicht zuletzt da 300.000 E-Autos mit Wechselakku durch Kandi in den nächsten fünf Jahren auf die Straße kommen sollen. Der Aufbau der Batteriewechselstationen wird ebenso vorangetrieben. Dabei gilt Geely als das Unternehmen mit den ehrgeizigsten Plänen zum Aufbau der Stationen. Bis 2025 sollen 5.000 Akku-Wechselstationen aufgebaut werden. Diese Geschwindigkeit ist hoch, wenn man bedenkt, dass NIO drei Jahre brauchte, um nur 130 Batteriewechselstationen in 58 Städten im ganzen Land einzurichten.

Quelle: cnTechPost – From three minutes to 30 seconds, NIO-led battery swap mode sparks race

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

Tobias Stahl  —  

T&E warnt vor einer weiteren Aufweichung der CO2-Flottengrenzwerte. Die Vorschläge der Bundesregierung würden Milliarden kosten und Arbeitsplätze gefährden.

Prognose bis 2030: Starker Einbruch der Pkw-Produktion in Westeuropa

Prognose bis 2030: Starker Einbruch der Pkw-Produktion in Westeuropa

Daniel Krenzer  —  

Deutschland und Großbritannien sind extrem stark betroffen. Ein Gewinner ist Spanien – das zuletzt Milliarden in die E-Mobilität investiert hat.

Europa braucht mehr Mut, nicht mehr Verbrenner

Europa braucht mehr Mut, nicht mehr Verbrenner

Daniel Krenzer  —  

Wegen vermeintlichen Wählerwillens klammern sich politische Kräfte zunehmend an den Verbrenner. Doch das läutet den Tod der europäischen Automobilindustrie ein.

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

Daniel Krenzer  —  

T&E warnt: Weicht die EU das Verbrenner-Aus weiter auf, könnten 34 Batteriefabriken in Northvolt-Größe verloren gehen – ein Milliardendesaster.

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Wolfgang Gomoll  —  

Allein der Gedanke, chinesische Autos in deutschen Werken zu produzieren, schlägt derzeit hohe Wellen. Allerdings überwiegen die Chancen den Risiken.

Kommentar: VDA-Alarm – legitime Sorge, fragwürdige Forderung

Kommentar: VDA-Alarm – legitime Sorge, fragwürdige Forderung

Sebastian Henßler  —  

Der VDA warnt vor 125.000 Jobverlusten und fordert Technologieoffenheit. Aber Europa und China kaufen E-Autos – wer profitiert dann von Verbrenner-Ausnahmen?

VDA: Technologieoffenheit könnte 50.000 Jobs retten

VDA: Technologieoffenheit könnte 50.000 Jobs retten

Sebastian Henßler  —  

Der VDA erwartet bis 2035 den Verlust von 225.000 Autojobs – 35.000 mehr als bisher. Neue Stellen entstehen zunehmend im Ausland statt in Deutschland.