Neuartiger Akku soll E-Autos mehr als 1000 km weit bringen

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 4 min

Eine neuartige Akkutechnologie mit der Bezeichnung „Spatial Atom Layer Deposition“ (SALD) soll Elektroautos künftig weit mehr als 1000 km und möglicherweise sogar mehr als 2000 km Reichweite verschaffen. Das Verfahren ist von den deutschen Fraunhofer-Instituten, der größten Organisation für angewandte Forschung in Europa, und der staatlichen niederländischen Forschungseinrichtung The Netherlands Organisation (TNO) gemeinsam entwickelt worden. Die Vermarktung zur industriellen Massenfertigung obliegt der eigens dazu gegründeten Firma SALD BV in Eindhoven. Die Firma will eigenen Angaben zufolge in letzter Zeit „unzählige Anfragen“ von Investoren erhalten haben, die sich an dem Unternehmen beteiligen wollten.

„Spatial Atom Layer Deposition“ bezeichnet ein patentiertes Verfahren, im industriellen Maßstab Beschichtungen aufzutragen, die so dünn sind wie ein einziges Atom. SALD-Akkus sollen auf ähnlich großem Bauraum nicht nur dreimal mehr Reichweite für Elektroautos als heutige Batteriezellen ermöglichen, sondern auch fünfmal schneller geladen werden können, teilt die SALD BV mit. Damit könnte ein E-Auto binnen zehn Minuten zu etwa 80 Prozent und in 20 Minuten vollständig geladen werden. Das Unternehmen will eigenen Angaben zufolge bereits Gespräche mit mehreren Automobilherstellern führen, konkrete Namen werden allerdings noch nicht genannt. Die neue Akkugeneration soll frühestens um 2022/23 in E-Autos eingesetzt werden können, erklärt CEO Frank Verhage.

Leichtere, sicherere und leistungsstärkere Batterien

SALD-Akkus stellen eine Weiterentwicklung der heutigen Lithium-Ionen-Technologie dar. Durch die Nanobeschichtung entsteht eine so genannte „Artificial Solid-Elektrolyte Interphase“ (A-SEI), die gegenüber bisherigen SEI über eine deutlich bessere Leistungsfähigkeit verfügen soll. In Folge dessen sollen die Langlebigkeit, die Sicherheit und die Kapazität deutlich zulegen. „Dadurch kann ein E-Auto entweder mit kleineren Batterien weit über 1000 Kilometer oder mit größeren Akkupacks in Zukunft sogar über 2000 Kilometer ohne Nachladen fahren“, sagt SALD-CEO Frank Verhage.

„Es geht nicht darum, einen theoretischen Reichweitenrekord aufzustellen. Sondern wir reden selbst im ungünstigsten Fall davon, dass der Akku in einem E-Auto bei sportlich-dynamischer Fahrweise und Klimaanlage oder Heizung nach 1000 Kilometern noch mindestens 20 bis 30 Prozent Restladung besitzt.“ – Frank Verhage, CEO SALD

Die SALD-Technologie funktioniert den Angaben zufolge sowohl mit den heute noch üblichen Flüssigelektrolyten als auch mit künftigen Feststoffbatterien (Solid State), die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Als ultimatives Ziel nennt der SALD-Chef „3D Solid State SALD Batteries“, die „deutlich leichter, sicherer und leistungsstärker“ sein sollen.

Die SALD-Technologie steht nach seinen Ausführungen im Einklang mit der von Tesla-Chef Elon Musk auf dem Batterie Day im September 2020 vorgestellten Batterie-Entwicklungsrichtung: „Es ist dieselbe Erkenntnis, dass die Batteriezellen grundlegend weiterentwickelt werden müssen, indem der Ionenfluss zwischen Kathode und Anode deutlich verbessert wird, um bahnbrechende Fortschritte zu erzielen“, erklärt SALD-CEO Verhage. So harmoniere die Technologie beispielsweise mit den neuen Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die Tesla für sein jüngstes günstiges Model 3 in China angekündigt hat. Den Angaben zufolge soll die atomdünne dreidimensionale Oberflächenbeschichtung mit allen Kathodenmaterialien funktionieren, die sich derzeit bei Batterieherstellern in der Überlegungs-, Erprobungs- oder Produktionsphase befinden, darunter Lithium Nickel Cobalt Manganese Oxide LiNiCoMnO2 (NCM), LiCoO2 (LCO), LiMnNiO2 (LMNO) und LiMn2O4 (LMO).

Wir sind im engen Austausch mit beinahe allen namhaften Batterieherstellern, um das industrielle Potenzial unserer Technologie zur Anwendung zu bringen“, versichert Frank Verhage weiter. SALD verfügt nach seiner Darstellung über alle notwendigen Patente und hat bereits Fertigungsmaschinen für Kleinserien in Betrieb. Der großindustrielle Einsatz stünde allerdings erst noch bevor.

Smartphones könnten eine Woche lang halten

SALD-Batterien könnten nicht nur in Elektroautos, sondern beispielsweise auch in Smartphones und Smartwatches zum Einsatz kommen. „Stellen Sie sich ein Smartphone vor, das eine Woche lang hält, und eine Smartwatch, die nur einmal im Monat geladen werden muss“, gibt Verhage einen Einblick in die Zukunft.

SALD hat mit „Spatial Atom Layer Deposition“ ein weltweit einzigartiges, patentiertes Verfahren entwickelt, im industriellen Maßstab Beschichtungen aufzutragen, die so dünn sind wie ein einziges Atom. Diese Atombeschichtungen sollen ganze Industrien revolutionieren, darunter die Herstellung von Batteriezellen für Autos und Smartphones, die Textilwirtschaft, die Polymerelektronik (organische Computerchips), die Solarenergiebranche und die Verpackungsindustrie für Consumer Goods und Convenience Food.

Quelle: SALD – Pressemitteilung vom 10.11.2020 // Automobilwoche – Niederländische Firma SALD verspricht Revolution: E-Autos mit mehr als 2000 Kilometern Reichweite

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Ahlers Marek:

1000km Reichweite ??? Dann würde ich ohne Bedenken auf E Autos zurückgreifen, bzw. eins kaufen.

Andreas E.:

Das wäre auch egal, da viele Innovationen über das Premiumsegment den Weg in den Kleinwagen gefunden haben. Mit den Batterien wird es nicht anders sein.

Andreas E.:

Letztendlich hat aber nur das Freigeben des mp3-Codes zu dessen Durchbruch geführt. Sowie das auch bei Linux oder dem darauf basierenden Android-Betriebssystem der Fall ist. Alles was kostenlos ist setzt sich durch und es wird dazu oder dafür Hardware entwickelt.

KaiGo:

Es gibt immer so Wellen mit neuen Meldungen. Aber hier ist der Unterschied dass die ersten Akkus angeblich 2022/23 in Autos eingebaut werden sollen. Man darf durchaus Zweifel daran haben. Aber träumen ist ja auch erlaubt.

Ich bin bislang der Überzeugung, dass vor 2025 keine großen Würfe zu erwarten sind. Einige meinen eher 2030. Aber Potential ist da und das ist wichtig.Und so lange ist das dann auch nicht mehr hin.

KaiGo:

Zum Preis wollten sie sich bislang noch nicht äußern. Bin auch gespannt. Ich befürchte aber, das wird zuerst in Premium-Autos jenseits der 100T€ kommen (siehe Model S Plaid, Lucid Air etc). Aber die Erfahrung zeigt, dass das nach ein paar Jahren dann ins Massensegment durchsickern wird. Wir warten es ab.

KaiGo:

Wir brauchen einen neuen Anschluss. CCS 2.0 ist bei maximal 500A und 1000V spezifiziert (ob das Tesla am Ende juckt ist ne andere Frage). Heißt da sind maximal 500kW möglich. Spezifiziert sind aber sogar nur 350kW.

KaiGo:

Es könnte auch sein, dass sich die aktuelle Situation umkehrt. Aktuell können HPC Säulen 350kW, was jedoch kein momentan auf dem Markt verfügbares Auto schafft. Vielleicht dreht sich der Spieß irgendwann um und die Ladesäulen müssen nachziehen.

Ich bin jetzt auch kein Ladesäulenexperte, aber ich glaube nicht, dass die 350kW direkt aus dem Stromnetz gezogen werden. Neben den Ladesäulen stehen dicke Trafo-Häuser die das ganze meine ich puffern, sodass das Stromnetz nicht überlastet wird. Die ziehen Strom konzinuierlich nach, aber der Puffer sorgt dafür, dass am Ende nicht 1MW from Stromnetz gezogen wird.

KaiGo:

Ich finde was diese Meldung von vielen anderen aus den Laboren dieser Welt unterscheidet ist, dass verkündet wurde ab 2022/23 die ersten Elektroautos mit dem Akku ausgestattet werden sollen. Kann ich noch nicht so richtig glauben, aber wenn die das hinbekommen wäre das der Wahnsinn.

Auch sollen sie in Gesprächen mit diversen Herstellern sein. Und da Fraunhofer da mit drin hängt, würde ich fast davon ausgehen, dass auch deutsche Autohersteller mitmischen werden.

KaiGo:

Rechnen wir doch mal kurz. Wie viel verbraucht ein Auto bei 160km/h auf der Autobahn? Sagen wir mal wenn es nicht gerade ein dicker SUV wie eine Schrankwand ist sind das maximal 30kWh/100km. Heißt 1000km Reichweite entsprechen 300kWh Verbrauch. Aktuelle Ladesäulen liefern bis zu 350kW. Das ganze aber nicht bei 400V wie hier angenommen sondern bei 800/900V. Also 1020A sind schonmal totaler Quatsch. Ein Taycan lädt mit bis zu 270kW weil er 800V hat und nicht nur 400V wie die anderen Autos.
Generell ist der CCS 2.0 Anschluss auf 500A und 1000V spezifiziert. Heißt ich kriege bis zu 500kW damit hin. Jetzt kann man sich leicht ausrechnen, dass ich einen 300kWh Akku bei den aktuellen HPC Chargern in 51min (oder 100km in 5min) voll aufladen kann. Wenn es Säulen mit 500kW gäbe, wären es 36min. Wie gesagt: 350kW sind Stand der Technik.

Davon mal abgesehen: wenn ich 1000 km ohne Nachladen fahren kann, ist das Nachladen sowieso fast egal. Dann fahre ich von Hamburg bis nach Österreich ohne Pause wenn ich das will/ möchte. Ein bei einer etwaigen Pause kann ich mich kurz an eine 350kW HPC Säule anstecken und nachladen. Dann schaffe ich das auch Problemlos bis nach Italien.
Da habe ich das Problem eher zu Hause über Nacht den Akku voll zubekommen. Selbst ein 22kW AC Lader (den schon nicht jeder zu Hause einbauen kann/ darf) braucht 15 Stunden.

KaiGo:

Fusion ist dann doch wirklich noch sehr sehr sehr weite Zukunftsmusik. Der aktuell größte Fusion-Reaktor ITER wird mit internationalen Anstrengungen in Frankreich gebaut. Und wenn ich mich recht erinnere ist selbst der noch zu klein um am Ende Energie zu produzieren. Das kann ein Fusion-Reaktor erst ab einer gewissen Größe. Darunter frisst er mehr Energie als er produziert.

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