Ladestationen für E-Autos in Polen werden teurer

Ladestationen für E-Autos in Polen werden teurer
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1289893951

EAN Redaktion
EAN Redaktion
  —  Lesedauer 3 min

Bis vor Jahresbeginn war es an Ladestationen in Polen noch vereinzelt möglich E-Autos kostenlos zu laden. Es handelte sich dabei um Promotionsangebote von Energieversorgern, wie z.B. Tauron. Die Tochtergesellschaft des polnischen Energieriesen Tauron Magenta brachte Ende 2019 ihre App eMap heraus und bot den Nutzern vom 23.12 bis zum 29.12.2019 ein kostenloses Laden an ihren Ladesäulen. Viele große Anbieter, wie PGE, Orlen, Innogy und Energa, haben ihre kostenlosen Angebote inzwischen aber beendet oder stark eingeschränkt.

Parallel zu den speziellen Promotionsangeboten haben Anbieter, wie z.B. Innogy, eine Tochterfirma des deutschen RWE-Konzerns, über Jahre Ladestrom kostenlos bereitgestellt. Innogy, das zu den größten Ladesäulenanbietern in der Hauptstadt Warszawa zählt, hat laut dem E-Mobilitätsexperten und Chefredakteur des Fachportals WysokieNapiecie Bartlomiej Derski diese Dienstleistung sogar 10 Jahre ohne Gebühren oder sonstige Kosten angeboten. Zweifelsohne hat die kostenlose Bereitstellung nicht dazu beigetragen, dass Qualität und Standards beim Laden in Polen verbessert wurden. Derski vertritt die Meinung, dass es eher dazu geführt hat die Modernisierungsmaßnahmen zu verzögern.

Die günstigste Möglichkeit bleibt aber das Laden über Nacht im eigenen Heim. Hier können bei geschickter Nachttarifauswahl Preise von bis zu 9 cent pro kwh erreicht werden.

Von den elf wichtigsten Anbietern von Ladepunkten in Polen haben inzwischen sechs ihre neuen Tarife vorgestellt. Das wichtigste Unternehmen dieses Marktsegments, GreenWay, hatte zum Jahresende 2019 175 Ladesäulen, darunter auch die schnellsten Lademöglichkeiten des Landes mit 150 kw. GreenWay verwaltet auch weitere Ladesäulen von Partnerunternehmen sowie rein gewerblich orientierte Stationen, die für privaten Kunden nicht zugänglich sind. Über 50% der Ladevorgänge bei GreenWay setzen auf CHAdeMO. GreenWay zählte Ende 2019 4300 Nutzer. Seit Anfang des Jahres können GreenWay nutzer das Angebot “roam like at home“ in Anspruch nehmen, das ihren bei Partnerunternehmen im In- und Ausland dieselben Tarife wie bei GreenWay Polska garantiert. Der Grundtarif für das Laden mit AD beträgt 0,27 Euro/kwh und für das schnelle DC 0,39 Euro/kwh. Tarife für die Nutzung des Schnellladers 150 kW liegen um bis zu 19 % höher.

In der Innogy – App “eCharge” ist bereits an einzelnen Ladesäulen in der Hauptstadt der Preis mit 0,39 Euro/kwh angegeben, während das Unternehmen auf Nachfrage mehrerer polnischer Medienvertreter betont sich preislich noch nicht endgültig festlegen zu wollen und erst die Preispolitik der Konkurrenz abwarten will. Tauron Magenta wird nach anfänglichen Einstiegspreisen ab dem 27. Januar 2020 0,55 Euro pro kwh im Schnellladeverfahren und ansonsten 0,39 Euro/kwh verlangen.

Im Durchschnitt liegen die Tarife für das langsame Laden im Bereich zwischen 25-29 Cent pro kwh, während die schnellere Variante an den meisten Ladesäulen 39 Cent pro kwh kostet.

Mit der elektrischen Energie aus der Ladesäule im Stadtverkehr dürfte ein durchschnittliches E-Auto etwa 18 kwh bei normalen Fahrbedingungen pro 100 km verbrauchen. Ausgehend von den günstigsten Tarifen würde dies einem Betrag von 4,3 Euro entsprechen. Bei den Kraftstoffpreisen in Polen ist damit der Preisvorteil eines E-Autos zwar noch gewährleistet, doch nicht mehr so markant wie bei einem kostenlosen Laden. Schlechter sieht es hingegen auf langen Strecken aus. Hier werden deutlich schlechtere Kosten für Strom im Vergleich zum fossilen Kraftstoff erreicht. Der preisliche Nachteil im Vergleich zum Diesel beträgt hier bis zu 5 Cent je 100 km.

Konkurrenzlos günstig im Vergleich zum Verbrennungsmotor bleibt hingegen das Laden aus der heimischen Steckdose. Hier betragen die Kosten für eine Fahrt von 100 km gerade einmal 1,66 Euro.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
EAN Redaktion

EAN Redaktion

Hinter dem Redaktions-Account von Elektrauto-News.net verbergen sich externe Redakteure, welche als Experten in Ihrem Bereich entsprechende Fachberichte für unser Magazin beisteuern.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Geely, ein globaler Konzern, der in China geboren wurde

Geely, ein globaler Konzern, der in China geboren wurde

Sebastian Henßler  —  

Geely ist kein chinesisches Unternehmen mit europäischen Marken und auch kein rein globaler Konzern. Was es stattdessen ist, erklärt der CCO der Geely Holding Europe.

Fahrbericht des Volvo EX60: Zurückhaltung als Stilmittel

Fahrbericht des Volvo EX60: Zurückhaltung als Stilmittel

Sebastian Henßler  —  

Volvo verspricht mit dem EX60 das Ende von Reichweitenangst, Ladestress und Aufpreis. Ein erster Test, was von diesem Versprechen im Alltag bleibt.

Ladeinfrastruktur für E-Autos: Nur Malta verfehlt die Ausbauziele der EU

Ladeinfrastruktur für E-Autos: Nur Malta verfehlt die Ausbauziele der EU

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Analyse zeigt, dass fast alle EU-Staaten beim Ausbau der Ladeinfrastruktur mit der wachsenden Zahl an E-Autos Schritt halten.

Diese 7 E-Autos haben besonders langlebige Akkus

Diese 7 E-Autos haben besonders langlebige Akkus

Daniel Krenzer  —  

Eine schwedische Auswertung zeigt, welche E-Autos nach mehr als 100.000 Kilometern noch die höchste Batteriekapazität besitzen.

EU will Elektrifizierung verdoppeln, Verbände warnen

EU will Elektrifizierung verdoppeln, Verbände warnen

Daniel Krenzer  —  

Die EU will den Stromanteil bis 2040 verdoppeln. ZVEI begrüßt den Plan, während BDEW und VDA vor neuen Vorgaben und hohen Strompreisen warnen.

So kann die Energiewende Deutschlands Industrie stärken

So kann die Energiewende Deutschlands Industrie stärken

Arun Niemann  —  

Speicherlösungen, flexible Netze und bidirektionales Laden könnten die Energiewende vom Kostenfaktor zum Standortvorteil für die deutsche Industrie machen.

Analyse: Diese fünf Anbieter dominieren den Schnelllademarkt

Analyse: Diese fünf Anbieter dominieren den Schnelllademarkt

Tobias Stahl  —  

Mehr als zwei Drittel aller Schnellladevorgänge in Deutschland entfallen auf einen von fünf Anbietern. Auf die kleineren Betreiber kommen schwierige Zeiten zu.