Laden von E-Autos am Arbeitsplatz kann Hälfte der CO2-Emissionen einsparen

Laden von E-Autos am Arbeitsplatz kann Hälfte der CO2-Emissionen einsparen
Copyright:

shutterstock / 2076711193

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Für eine klimafreundliche Mobilität in ländlichen Regionen haben neben dem öffentlichen Verkehr auch batterieelektrische Fahrzeuge als die effizienteste Antriebsform viel Potential. In diesem Zusammenhang hat der Institutsteil Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT untersucht, wieviel CO2 sich durch ein verändertes Ladeverhalten auf dem Land einsparen lässt. Die Studie „Elektromobilität im ländlichen Raum“ (verlinkt als PDF) im Auftrag des NABU kommt zu dem Schluss: Laden am Arbeitsplatz (Charge@work) ist die effizienteste Ladeform. Schon allein durch eine Verschiebung des Ladezeitpunktes auf die Mittagszeit, während des Arbeitens, lassen sich die CO2-Emissionen des Ladevorgangs halbieren.

Für ein Jahr mit durchschnittlichen Witterungsverhältnissen ergebe sich daraus ein Einsparpotential von etwa 3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Zum Vergleich: Der gesamte innerdeutsche Flugverkehr verursachte im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Tonnen CO2.

„Die notwendige Ladeinfrastruktur für E-Mobilität muss gerade auf dem Land von Anfang an am richtigen Ort so geplant werden, dass sie möglichst wenig Ressourcen und Fläche verbraucht. Auf dem Land wird das Auto wichtig bleiben. Die Ergebnisse der Studie kommen daher gerade rechtzeitig, um die gezielte Förderung vom Arbeitsplatzladen in den Masterplan Ladeinfrastruktur 2 aufzunehmen.“ – Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer

Die Studie zeigt, wie der Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix beim Laden maximiert werden kann und welchen Einfluss es hat, wenn beim Laden Strom direkt aus einer Photovoltaikanlage abgenommen wird. Das massive CO2-Einsparpotential ergibt sich vor allem daraus, dass beim Laden am Arbeitsplatz die Potentiale von einem hohen Anteil von Grünstrom im Netz genutzt werden. Dies geschieht vor allem zur Mittagszeit, wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung tagsüber am Arbeitsplatz aufhält. Dabei spricht sich die Studie nicht gegen Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Hausdach aus.

Das Laden am Arbeitsplatz bietet der Untersuchung zufolge zahlreiche weitere Vorteile für eine ressourceneffiziente Nutzung von E-Mobilität. So können zum Beispiel mehrere Fahrzeuge an einem Ort gleichzeitig Strom direkt abnehmen. Die Studie untersucht zudem die Potentiale von E-Mobilität für die Netzstabilität. E-Autos können selbst das Stromnetz stabilisieren, wenn sie zu bidirektionalem Laden fähig sind, also die gespeicherte Energie in ihrer Batterie auch wieder abgeben können.

„Allein über das Laden am Arbeitsplatz lassen sich bisher ungeahnte CO2-Einsparpotentiale heben“

Allein über das Laden am Arbeitsplatz im Vergleich zum Laden zuhause lassen sich bisher ungeahnte CO2-Einsparpotentiale von Elektromobilität heben. Alle Arbeitgeber sind daher in der Pflicht, ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Laden anzubieten, am besten in Verbindung mit einer PV-Anlage“, sagt Nikolas von Wysiecki, Verkehrsreferent beim NABU. „Über die Rahmenbedingungen werden derzeit verhandelt: Wenn die Verkehrsemissionen nicht weiter stagnieren sollen, muss das Klimaschutzsofortprogramm der Bundesregierung die Dienstwagenregelung so anpassen, dass sie nur noch rein batterieelektrische Fahrzeuge fördert.“

Die Studie zur Elektromobilität wurde im Rahmen des Projektes „Innovation und Vorsorge“ des Umweltbundesamts erarbeitet.

Quelle: NABU – Pressemitteilung vom 04.05.2022

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Hacker zeigen Schwachstellen bei Alpitronic-Ladern

Hacker zeigen Schwachstellen bei Alpitronic-Ladern

Sebastian Henßler  —  

Sicherheitsforscher spielten Doom auf einer Alpitronic-Ladesäule. Möglich machte das eine Schwachstelle, die während eines Updates ausgenutzt werden konnte.

Solarstrom auf Rädern für Busdepots und Autobahn-Hubs

Solarstrom auf Rädern für Busdepots und Autobahn-Hubs

Sebastian Henßler  —  

Strom dahin bringen, wo er gebraucht wird: Sven Assmuth spricht über autarke Ladehubs, DC-DC-Technik und warum das Stromnetz die größte Bremse ist.

Jolt setzt neu an: Fokus auf Städte statt Autobahnen

Jolt setzt neu an: Fokus auf Städte statt Autobahnen

Sebastian Henßler  —  

Preise, Politik, Profitabilität: Jolt will 2026 den Nachweis eines tragfähigen Modells liefern und fordert Planungssicherheit für Investitionen im urbanen Raum.

E-Autos als Stromspeicher: Eon setzt auf bidirektionales Laden

E-Autos als Stromspeicher: Eon setzt auf bidirektionales Laden

Daniel Krenzer  —  

Bidirektionales Laden soll nicht nur das Stromnetz stabilisieren, sondern E-Auto-Fahrern künftig auch ermöglichen, mit ihrem Fahrzeug Geld zu verdienen.

Studie: Bezahlen an der Ladesäule ist noch zu kompliziert

Studie: Bezahlen an der Ladesäule ist noch zu kompliziert

Daniel Krenzer  —  

Eine neue Studie zeigt: Nicht die Technik, sondern komplizierte Bezahlprozesse bremsen das öffentliche Laden von Elektroautos aus.

Brennerachse: E-Lkw laden jetzt mit bis zu 1000 kW

Brennerachse: E-Lkw laden jetzt mit bis zu 1000 kW

Sebastian Henßler  —  

An der Brennerautobahn entsteht neue Ladeinfrastruktur für E-Lkw. In Vahrn laden E-Trucks mit bis zu 1000 kW und nutzen dabei reguläre Fahrpausen effizient.

Deutschland wird Kernmarkt für Electras Schnelllade-Ausbau

Deutschland wird Kernmarkt für Electras Schnelllade-Ausbau

Sebastian Henßler  —  

Electra treibt den Ausbau seines Schnellladenetzes in Deutschland voran. Aus 15 Ladeparks sollen bis Ende 2026 mehr als 90 werden.