Klimaneutrale E-Fuels aus Frittenfett

Klimaneutrale E-Fuels aus Frittenfett
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Daniel Krenzer
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Klimaneutrale synthetische Treibstoffe, sogenannte E-Fuels, sind aufgrund ihres extrem hohen Energiebedarfs in der Herstellung massiv umstritten. Hamburger Forscher wollen nun aber eine energieeffiziente Alternative gefunden haben, angeblich klimaneutralen Treibstoff herzustellen. Allerdings scheint das Mengenpotential vergleichsweise überschaubar: Die Wissenschaftler der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) stellen E-Fuels aus Altspeisefetten her, berichtet Welt online unter Berufung auf eine Meldung der Deutschen Presseagentur.

Das besondere des neuen Verfahrens im Vergleich zu bereits praktizierten sei die Effizienz: Lediglich eine Kilowattstunde Strom werde für die Produktion von einem Liter Treibstoff aus Altspeiseöl benötigt, berichten die Wissenschaftler. Demnach beträgt der Stromverbrauch pro 100 Kilometer lediglich um die fünf Kilowattstunden gegenüber 15 bei einem Elektroauto, rechnet Prof. Anika Sievers vor. Laut Projektleiter Prof. Thomas Willner können mit dem Endprodukt herkömmliche Pkw und Lkw betankt werden.

Wasserstoff wird bei Produktion benötigt

Das Projekt mit dem etwas sperrigen Namen READi-PtL (Reactive Distillation Power to Liquid) habe eine kommerzielle Nutzung zum Ziel. Das Unternehmen Nexxoil will laut Bericht eine Produktionsstätte in Hamburg errichten, zudem sei eine weitere in Bayern geplant. Geliefert würden die Altspeisefette derzeit von Krebs Brüggen Sekundärrohstoffe (KBS). Auch eine Verwendung von Plastikabfällen sei perspektivisch zur Ölgewinnung angedacht, heißt es weiter.

Bei der Umwandlung des Speisefetts zum Treibstoff muss Wasserstoff zugeführt werden. Allerdings handelt es sich dabei offenbar um eine eher geringe Menge, denn dessen Energiebedarf sei in der Kilowattstunde pro Liter bereits mitberücksichtigt, erklären die Forscher auf Anfrage.

Die Gewinnung von Kraftstoffen aus Abfällen ist nicht neu. So wird an mehreren Hundert Tankstellen in Deutschland Biogas (CNG) verkauft, das aus Stroh und organischen Abfällen hergestellt wird. In einigen Ländern Europas ist Kraftstoff aus Pflanzenölen bereits an Tankstellen erhältlich, in Deutschland jedoch noch nicht.

Insgesamt ist die Verwendung von Abfällen, wie im Hamburger Projekt, positiver zu bewerten als beispielsweise die Nutzung direkt von Speiseölen. Gerade der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass selbst in Europa Lebensmittel knapp sein können – und daher im Tank eher nichts zu suchen haben. Das Projekt aus Hamburg kann offenbar einen diesbezüglich unbedenklichen Beitrag dabei leisten, den Bestand an Verbrennerfahrzeugen zumindest in Teilen klimafreundlicher werden zu lassen.

Quelle: Welt online – „Klimaneutraler Kraftstoff aus Altspeisefetten produziert“, Hochschule für Angewandte Wissenschaften

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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