Iveco Ulm produziert Wasserstoff-Lkw Nikola Tre

Iveco Ulm produziert Wasserstoff-Lkw Nikola Tre
Copyright:

CNH Industrial

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Das deutsche Iveco-Werk in Ulm wird die Produktionsstätte für den Nikola Tre, der sowohl als Elektro- als auch Wasserstoff-Lkw auf die Straße kommt. Der Batterie-/ Brennstoffzellen-Schwerlaster wird im Rahmen eines europäischen Joint-Ventures von den Unternehmen Iveco, FPT Industrial, die Nutzfahrzeug- und Antriebssparte von CNH Industrial und der Nikola Motor Company gemeinsam hergestellt.

In dieser strategischen und exklusiven Truck-Partnerschaft beteiligte sich die niederländisch-britische CNH Industrial, der neben Iveco eine ganze Reihe anderer bekannter Marken wie Case IH, Steyr, New Holland, Heuliez Bus oder Magirus angehören, mit 250 Millionen US-Dollar (etwa 228 Millionen Euro) als Hauptinvestor an Nikola. Dieser Partnerschaftsankündigung auf dem CNH Industrial Capital Markets Day im September 2019 folgte im Dezember die Vorstellung des Nikola Tre, eines Schwerlast-Elektro-Lkw mit Batterieantrieb, der den ersten Schritt in Richtung Brennstoffzellen-Lkw darstellt.

Heute ist der Standort in Ulm das Chassis Engineering Hub von Iveco, in idealer Lage im Herzen Süddeutschlands, das sich auch dank qualifizierter Mitarbeiter und Forschungslabors zum führenden Hub für Brennstoffzellenmobilität entwickeln will. Die Region hat erhebliche Investitionen in die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten in dem Gebiet mit einer starken Automobilindustrie und strategischen Projektpartnerschaften geleistet, sodass der Standort Ulm auch von der Nähe zu wichtigen Zulieferern profitieren wird.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung kürzlich den Entwurf einer Nationalen Wasserstoffstrategie veröffentlicht, mit dem die Vorreiterrolle von Unternehmen in der Wasserstofftechnologie ausgebaut werden soll. Im Rahmen dieser Strategie werden insgesamt zwei Milliarden Euro zur Finanzierung des Wasserstoff-Innovationsprogramms inkl. der Entwicklung der notwendigen Vertriebsinfrastruktur fließen.

„Unser europäisches Joint Venture mit Nikola und die heutige Ankündigung sind ein echter Beweis dafür, dass emissionsfreier Fernverkehr Realität wird, was zu spürbaren Umweltvorteilen für die europäischen Fernverkehrsunternehmen und ihre Bürger führt. Die Entscheidung für den Bau des Nikola Tre in Ulm — einem Kompetenzzentrum für Schwerlast-Lkw — unterstreicht die strategische Lage des Standorts im Herzen des deutschen Brennstoffzellen-Technologie-Clusters.“ — Hubertus Mühlhäuser, Vorstandsvorsitzender CNH Industrial

In der ersten Phase des Projekts investiert das Joint-Venture-Unternehmen 40 Millionen Euro in die Modernisierung der Fertigungsstätte, die sich auf die Endmontage des Fahrzeugs konzentriert. Der Produktionsstart ist für das erste Quartal 2021 vorgesehen. Die Auslieferung des Nikola Tre soll noch im selben Jahr beginnen.

„Der Nikola Tre erweist sich als der fortschrittlichste Sattelschlepper der Welt, und wird auch in Zukunft Maßstäbe für emissionsfreie Fahrzeuge setzen. Die Entscheidung, den Tre in Ulm zu produzieren, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Arbeitsplätze geschaffen, Innovationen gefördert und Null-Emissions-Zulieferern Sicherheit gegeben werden kann. Die Welt ist bereit für den emissionsfreien Güterverkehr. Das Joint Venture zwischen Nikola und Iveco wird das erste sein, welches das auch liefert. Ich freue mich darauf, die ersten Fahrzeuge vom Band laufen zu sehen.“ — Trevor Milton, Chief Executive Officer der Nikola Motor Company

Die ersten Modelle, die in Produktion gehen, sind batterieelektrische 4×2 und 6×2 Lkw mit modularen und skalierbaren Batterien mit einer Kapazität von bis zu 720 kWh und einem elektrischen Antriebsstrang, der eine Dauerleistung von bis zu 480 kW / 653 PS liefert.

Das Werk in Ulm wird von den spanischen Iveco-Produktionsstandorten in Valladolid und Madrid mit Modulen beliefert, um die erwartete Kundennachfrage rasch bedienen zu können. Die Brennstoffzellenversionen, die auf derselben Plattform gebaut werden, sollen im Rahmen des EU-finanzierten H2Haul-Projekts im Jahr 2021 auf eine erwartete Markteinführung im Jahr 2023 getestet werden.

Der derzeit in Entwicklung befindliche Nikola Tre basiert auf der neuen Iveco S-WAY-Plattform und integriert die Lkw-Technologie, Steuerungen und das Infotainment von Nikola. Erste Tests mit Prototypen sollen Mitte 2020 beginnen, die Fahrzeuge sollen im September auf der Nutzfahrzeug-IAA 2020 in Hannover vorgestellt werden.

Das Joint Venture der Lkw-Hersteller ist Teil einer umfassenderen Partnerschaft, um die Umstellung der Industrie auf emissionsneutrale Lkw in Nordamerika und Europa durch die Einführung der Brennstoffzellentechnologie zu beschleunigen. Das Hauptaugenmerk der Zusammenarbeit liegt darauf, das jeweilige Know-how der einzelnen Partner für den erfolgreichen Einsatz emissionsfreier Schwerlastkraftwagen zu nutzen und die Branche mit einem völlig neuen Geschäftsmodell umzukrempeln.

CNH Industrial — Pressemitteilung vom 06.02.2020

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Brennstoffzelle / Brennstoffzellenantrieb

München: Dieselpreis treibt Verkehrswende im ÖPNV voran

München: Dieselpreis treibt Verkehrswende im ÖPNV voran

Tobias Stahl  —  

Der Dieselpreis-Schock infolge des Irankriegs beschleunigt die Verkehrswende im ÖPNV: Zwei Münchener Busunternehmen wollen Millionenbeträge investieren.

Scania und Gruber testen Wasserstoff-Lkw in Italien

Scania und Gruber testen Wasserstoff-Lkw in Italien

Sebastian Henßler  —  

Im Rahmen des ZEFES-Projekts startet in Italien ein Praxistest mit dem Scania 40R FCEV. Er vereint 416 kWh und 56 Kilogramm Wasserstoff in einer Plattform.

Fraunhofer ISI fasst zusammen, wo Wasserstoff sinnvoll ist

Fraunhofer ISI fasst zusammen, wo Wasserstoff sinnvoll ist

Daniel Krenzer  —  

Obwohl Wasserstoff hohe Kosten verursacht, dürfte er der Studie zufolge einige wichtige Anwendungsfälle haben. Pkw und Lkw sind es eher nicht.

BMW setzt auf Flachspeicher für mehr Wasserstoffreichweite

BMW setzt auf Flachspeicher für mehr Wasserstoffreichweite

Sebastian Henßler  —  

Der BMW iX5 Hydrogen bekommt ein neues Tanksystem aus sieben verbundenen Druckbehältern. Der Serienstart des Wasserstoffautos ist für 2028 geplant.

Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus

Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus

Sebastian Henßler  —  

Nach Jahren der Forschung beendet Freudenberg sein Brennstoffzellen-Engagement. Hohe Kosten und regulatorische Unsicherheiten bremsten den Durchbruch.

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Daniel Krenzer  —  

Warum die erneute Förderung von Wasserstoff-Tankstellen und H2-Lkw an der Realität vorbeigeht – und weshalb Akku-Fahrzeuge effizienter und marktreifer sind.

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Tobias Stahl  —  

Das Verkehrsministerium fördert den Bau von Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von H2-Lkw mit 220 Millionen Euro. Die wichtigsten Details zur Förderung.