Ineos-CEO Calder: Technologiemix statt Hyperfokus

Ineos-CEO Calder: Technologiemix statt Hyperfokus
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Maria Glaser
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Lynn Calder, CEO von Ineos Automotive, votierte bei einer Konferenz im September für einen Technologiemix beim Erreichen der Kohlenstoffziele Großbritanniens und wandte sich damit gegen den ausschließlichen Fokus der Industrie und Politik auf batteriebetriebene Elektroautos. Dieser Ansatz soll Calder zufolge scheitern.

Auch Wasserstoff- und Hybridantrieb

Auf der Konferenz der „Society of Motor Manufacturers and Traders“ (SMMT) zur Elektrifizierung sprach auch Lynn Calder, die Chefin des britischen SUV-Herstellers Ineos. Sie sagte den Delegierten, dass die Konzentration auf Energiequellen wie Wasserstoff sowie auf effizientere Hybrid-Verbrennungsmotoren neben Elektroautos nötig und der beste Weg nach vorne sei:

„Wir reden die ganze Zeit über Elektroautos. Ich denke, das ist ziemlich gefährlich. Ich denke, wir brauchen einen Mix. Ich denke, wir brauchen einen Plan, denn wenn wir im Moment nur sagen, dass Elektrofahrzeuge der Weg in die Zukunft für das Vereinigte Königreich sind, und das ist alles, was wir haben werden, dann besteht die Gefahr, dass wir scheitern und dass es teuer wird.“ – Lynn Calder, CEO Ineos Automotive

Calder untermauerte ihren Standpunkt, indem sie diejenigen ins Feld führte, die in entlegeneren Gebieten arbeiten. Exemplarisch dafür seien einige Käufer:innen des Ineos-SUV Grenadier, der nur mit Verbrennermotor verkauft wird. Es gebe verschiedene Technologien und verschiedene Fahrzeuge für verschiedene Anwendungsfälle:

„Es gibt Fahrzeuge, die nicht ideal für Elektroantrieb geeignet sind. Wir glauben, dass unser Fahrzeug eines davon ist, da es in einer Weise eingesetzt wird, die bedeutet, dass es Dinge schleppt, hart arbeitet, Berge hinauffährt und mitten im Nirgendwo steht. Wenn man ihn [den Grenadier] wirklich so einsetzen will, ist die Elektrotechnologie bei der heutigen Infrastruktur keine gute Lösung.“ – Lynn Calder

Reaktionen aus Politik und Industrie

Aus dem britischen Verkehrsministerium wurde Calder, die im Dezember letzten Jahres die Leitung des von Jim Ratcliffe geführten Unternehmens übernommen hat, kritisiert. Ministeriums-Direktor Richard Bruce wies ihre Äußerungen zurück. Er sagte, dass das Vorantreiben von mehr als einer Kraftstoffoption als Ausrede für Untätigkeit benutzt werden könne.

„Angesichts des derzeitigen Zeitrahmens gibt es einen klaren Vorteil für batteriebetriebene Elektroautos. Wenn wir alternative Kraftstoffe zur Verfügung haben, sollten wir diese in anderen Bereichen des Marktes einsetzen, in denen Batterien nicht so rentabel sind, wie etwa in der Luftfahrt.“ – Richard Bruce, Direktor im UK-Department for Transportation

Auch Carlos Rodrigues, der Leiter von Renault Trucks, bekräftigte, dass batterieelektrische Fahrzeuge vor allem im Nutzfahrzeugsektor die erste Wahl sein sollten und Wasserstoff erst dann zum Einsatz komme, wenn die Batterien aus Gewichtsgründen weniger effektiv seien. Ihm zufolge seien Elektroautos hinsichtlich der Stickoxide und Gesamtauswirkungen die beste Option, auch im Vergleich zu Wasserstoff. Dies sei eine Option, aber nicht die einzige.

Der Chef von Toyota UK, Augustín Martín, pflichtete Calder jedoch bei und erklärte auf der Konferenz: „Wenn Kohlenstoff der Feind ist, kann er nicht durch eine einzige Technologie gelöst werden. Eine Auswahl kann nie schlecht sein.“ Nicht jede Region in der Welt sei an der gleichen Stelle in der Verkehrsentwicklung und einige Länder seien noch nicht bereit für Elektroautos, jedoch könnten dort andere Alternativen genutzt werden, so Martín.

„Jede Anstrengung zur Reduzierung von Kohlenstoff sollte begrüßt werden“, sagte er. „Jede Reduzierung ist großartig. Auf diese Weise bauen wir den Weg.“ – Augustín Martín, Chef von Toyota UK

Quelle: Autocar – Ineos Automotive CEO: EV-only approach will fail

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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