Indiens größter Autohersteller verbannt Diesel- und Benzinmotoren

Indiens größter Autohersteller verbannt Diesel- und Benzinmotoren
Copyright:

PradeepGaurs / Shutterstock.com

Iris Martinz
Iris Martinz
  —  Lesedauer 3 min

China ist der größte E-Auto-Markt der Welt, mit zahlreichen Herstellern und Einstiegspreisen weit unter 10.000 Euro. In Indien kündigt Maruti Suzuki – ein Joint Venture der indischen Regierung mit dem Autohersteller Suzuki und Indiens größter Autohersteller – an, binnen zehn Jahren nach den Diesel- auch die Benzin-Verbrenner aus dem Sortiment zu verbannen. Wenn jetzt in diesen beiden Ländern – immerhin Heimat für fast ein Drittel der Weltbevölkerung – der Strom für die vielen Elektroautos auch noch aus erneuerbaren Energien kommen würde, wäre alles gut.

Bis 2032 will Maruti Suzuki sein Portofolio auf Hybride, synthetische Kraftstoffe und reine Elektroautos umstellen. Diesel-Fahrzeuge wurden bereits 2020 aus dem Sortiment verbannt. „In der nächsten Dekade werden wir alle Fahrzeuge umstellen. Es wird keine Benzin-Verbrenner mehr geben. Diese werden entweder elektrifiziert oder auf CNG oder Bio-Kraftstoffe umgestellt„, erklärt CV Raman, CTO von Maruti Suzuki in einem Interview mit der Economic Times. Den Corporate Average Fuel Economy Standard (CAFE) müssen alle Autos im Finanzjahr 2022-2023 bereits erfüllen, den indischen BS-VI-Emissionsstandard nächstes Jahr. In den Jahren 2027 und 2032 werden die geltenden Standards noch verschärft. 2025 erfolgt der Marktstart des ersten vollelektrischen Fahrzeuges von Maruti Suzuki.

Anders als in Europa sieht CV Raman die Kostenparität zwischen Elektroautos und Verbrennern in Indien bald erreicht. Allerdings müssten Elektroautos etwa 35.000 bis 40.000 Kilometer pro Jahr gefahren werden, um sich bei den aktuellen Preisen zu rechnen. Daher geht Raman davon aus, dass die Elektrifizierung zuerst in den Flotten vorangetrieben wird. Auch weil die Ladeinfrastruktur noch eine Herausforderung sei. Mehr als 60 Prozent aller Autos in Indien werden auf der Straße geparkt, nur 20-25 Prozent haben Zugang zu Ladepunkten. „Wir müssen deshalb darauf achten, dass der Zugang zur Infrastruktur zu Hause, im Büro und auf anderen Plätzen gleichzeitig entwickelt wird„, stellt Raman klar.

Das Problem der Stromaufbringung ist Raman bewusst. 70 Prozent des Stroms wird in Indien aus Kohle produziert. Der Energiemix müsse sich ändern, um die COP26-Reduktionsziele zu erreichen. Wie das geschehen soll, darüber gibt er keine Auskunft. Die Regierung möchte jedenfalls bis 2030 den Anteil von vollelektrischen Autos von aktuell 0,005 Prozent auf 30 Prozent heben und so die Emissionen um 45 Prozent gegenüber 2005 reduzieren. CNG und Hybridfahrzeuge werden als Schlüsseltechnologien gesehen, um diese Ziele zu erreichen. Maruti Suzuki möchte noch in diesem Monat einen mittelgroßen SUV mit Hybridantrieb vorstellen. Weitere sollen folgen.

Ein großes Potential für die Elektrifizierung sieht Raman auch bei den Zweirädern. In Indien stehen die Zweiräder für 62 Prozent des gesamten Benzinverbrauchs. In diesem Segment auf Elektroantrieb umzustellen, mache daher Sinn, vor allem auch wegen der leichteren Lademöglichkeit.

Quelle: economictimes.indiatimes.com – Green Drive: Maruti to phase out pure petrol vehicles in 10 years

Worthy not set for this post
Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.