Graz wird Drehkreuz für XPeng nach Europa

Graz wird Drehkreuz für XPeng nach Europa
Copyright:
Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Chinesische Autohersteller treiben den Markteintritt in Europa voran. Lokale Produktion rückt deshalb in den Mittelpunkt. XPeng setzt dabei auf Magna in Graz. Zwei neue Modelle, der G6 und G9, für den europäischen Markt entstehen dort. Die Serienproduktion ist bereits im September gestartet. Beide Seiten verbinden die Zusammenarbeit mit einer längeren Perspektive, wie aus der Pressemitteilung von Magna hervorgeht.

Magna bringt Erfahrung aus fast zwei Jahrzehnten Arbeit mit chinesischen Marken ein. Das Unternehmen betreut komplette Projekte von der Entwicklung bis zur Montage. Mit XPeng entsteht nun erstmals eine vollständige Endmontage eines chinesischen Herstellers in Graz. Dieser Schritt passt zu XPengs Plan, Strukturen vor Ort aufzubauen und Lieferketten zu verkürzen. Kurze Wege senken Kosten und verkürzen Anläufe.

XPeng meldete zugleich den Beginn einer lokalisierten Fertigung in Österreich. Erste G6 und G9 liefen in Graz vom Band. Weitere Baureihen stehen bereits auf der Liste. Geplant sind Limousinen auf reiner Elektro-Plattform, mittelgroße SUVs, kompaktere SUV-Varianten sowie Hybride. Die Marke will ihr Angebot für hiesige Kunden verbreitern und so schneller wachsen.

Infrastruktur und Know-how zählen zu den Stärken von Magna. Das Netzwerk in Europa ist groß und eingespielt. Graz fungiert als größter Standort der Gruppe. Die Bänder und Prüfanlagen stammen aus bewährten Programmen. Dadurch sinken Risiken und Anläufe gelingen planbar. Magna verweist auf über 125 Jahre Industrieerfahrung, mehr als 40 entwickelte Komplettmodelle und über vier Millionen produzierte Autos.

Mit der lokalen Produktion umgeht XPeng die Strafzölle der EU

Die Partnerschaft liefert beiden Seiten handfeste Vorteile. XPeng erhält Zugang zu einem europäischen Werk mit vorhandenen Linien. Magna sichert sich neue Programme und bindet eine aufstrebende Marke. Politische Rahmenbedingungen erhöhen den Druck zur Lokalisierung. Die EU hatte Ende Oktober 2024 die Anti-Subventionsuntersuchung zu Importen aus China abgeschlossen und zusätzliche Zölle verhängt. Diese Abgaben gelten fünf Jahre und kommen auf den bestehenden Zoll von zehn Prozent obenauf.

Die Sätze unterscheiden sich je nach Hersteller. Tesla zahlt 7,8 Prozent. BYD liegt bei 17,0 Prozent. Nio und XPeng zahlen jeweils 20,7 Prozent. Produktion auf dem Kontinent kann die Wirkung solcher Maßnahmen mindern. Montage in Österreich verringert zudem Logistikkosten und Lieferzeiten.

Strategisch betrachtet passt Graz in XPengs Globalisierungsfahrplan. Im Juli nahm das Unternehmen bereits ein Werk in Indonesien in Betrieb. Mit Europa folgt nun der nächste Baustein. Zwei Standorte außerhalb Chinas teilen Risiken und erhöhen die Anpassungsfähigkeit.

Quelle: Magna – Magna Awarded Vehicle Assembly Business with Chinese OEM XPENG / CnEVPost – Xpeng begins local production in Europe to help mitigate high tariffs

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Deutsche Autobauer fordern härteren Kurs gegen China

Deutsche Autobauer fordern härteren Kurs gegen China

Tobias Stahl  —  

Jahrelang stemmte sich vor allem die deutsche Autoindustrie gegen China-Zölle – doch angesichts wachsender Marktanteile überdenken Autobauer nun ihre Haltung.

Festkörperbatterie: Warnung an US- und EU-Hersteller

Festkörperbatterie: Warnung an US- und EU-Hersteller

Sebastian Henßler  —  

Laut Factorial-Chefin Siyu Huang müssen US-amerikanische und europäische Hersteller jetzt handeln, um im Wettlauf um Festkörperbatterien nicht zurückzufallen.

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Michael Neißendorfer  —  

Die deutschen Automobilzulieferer stecken tiefer in der Krise als bislang vielen bewusst war. Wie es wieder Aufwärts gehen kann.

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

Arun Niemann  —  

Chinesische Hersteller setzen Europas Autobauer zunehmend unter Druck. Jetzt prüft auch der VDA, ob sein bisheriger Freihandelskurs noch trägt.

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.