Kann Ford seine CO2-Ziele mit Plug-in-Hybriden einhalten?

Kann Ford seine CO2-Ziele mit Plug-in-Hybriden einhalten?
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Michael Neißendorfer
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Vor einigen Jahren hatte Ford tatsächlich mal ein reines Elektroauto im Programm – das Batteriemodell des Focus. Der war nur mit gut 40.000 Euro etwas teuer und trotz seines hohen Preises technisch nicht ganz auf dem Niveau der damaligen Verkaufsschlager Nissan Leaf, Renault Zoe und BMW i3. Den Focus Electric gibt es schon länger nicht mehr, und auch bei seiner anstehenden Elektrifizierungs-Strategie setzt Ford zunächst vor allem auf Hybride statt auf reine Elektroautos.

Dennoch will Ford es schaffen, innerhalb der von der EU vorgegebenen Grenzwerte für CO2 zu bleiben. Ab 2021 sind nur noch 95 Gramm des klimaschädlichen Abgases bei der Neuwagenflotte erlaubt, im Fall einer Überschreitung sind Strafzahlungen fällig, die sich nach der Schwere der Überschreitung richten. Die Geldbuße beträgt 95 Euro pro Gramm CO2 über dem Grenzwert, multipliziert mit der Anzahl der verkauften Autos.

Ford geht also eher den Toyota- als den Volkswagen-Weg. Während VW mit viel Tamtam den Marktstart seines ID.3 zelebriert und den schon in den Fußstapfen von Käfer und Golf als Vorreiter einer neuer Erfolgsgeneration sieht, zeigt sich Ford bescheidener. Dass dieser Weg, geht es allein um die Vermeidung von Strafzahlungen, der richtige sein kann, zeigt Toyota: Berücksichtigt man nur die Hybridfahrzeuge des Herstellers, so bleibt diese Neuwagenflotte schon seit Jahren unter dem Grenzwert von 95 Gramm.

Ford wird aufgrund seiner Offensive bei Hybridfahrzeugen keine große Anzahl vollelektrischer Fahrzeuge benötigen, um das neue EU-Ziel zu erreichen, ist dementsprechend auch Steve Armstrong überzeugt, der Europa-Chef des Autoherstellers, in einem Gespräch mit Automotive News Europe.

Der Kuga wird der nächste Plug-in-Hybrid von Ford

Einen besonderen Schwerpunkt legt Ford, anders als Toyota mit seinen vorrangig steckerlosen Hybriden, auf Plug-in-Fahrzeuge wie dem neuen Kuga Compact Crossover, der 2020 debütiert und laut Angaben des Herstellers im Rahmen des auslaufenden NEFZ-Testzyklus 29 g / km CO2 ausstößt. Im Rahmen des EU-Kreditsystems für Plug-in-Fahrzeuge zählt jedes Auto, das weniger als 50 g / km CO2 ausstößt, 2020 als zwei Fahrzeuge, 2021 als 1,67 Fahrzeuge, 2022 als 1,33 Fahrzeuge und bis 2023 als eines. Ford rechnet damit, dass 40 Prozent des Kuga-Absatzes auf die Plug-in-Variante entfallen werden.

Vor der Veröffentlichung der Emissionsdaten des Kuga-Plug-in-Hybrids hatte das Beratungsunternehmen PA Consulting geschätzt, dass auf Ford Europa im Jahr 2021 Geldbußen in Höhe von etwa 430 Millionen Euro zukommen, berechnet auf Basis der Überschreitung der durchschnittlichen Emissionen um 4,4 Gramm. Es ist allerdings fraglich, ob Ford diese Lücke nur mit Plug-in-Hybriden schließen kann.

Michael Schweikl, Kfz-Experte bei PA Consulting und Autor des Jahresberichts des Unternehmens über die Fortschritte der Autohersteller bei der Erreichung der Emissionsziele, ist der Meinung, dass der Kuga-Plug-in diese Lücke immerhin geringfügig verkleinern kann.

Der Kuga ist Teil einer Plug-in-Hybridoffensive von Ford in Europa, die auch einen Plug-in-Hybrid für den großen SUV Explorer und den Van Tourneo Custom vorsieht. „Der Plug-in-Hybrid ist eine sehr teure Technologie, daher ist sie bei schwereren, größeren Fahrzeugen mit höherem CO2-Ausstoß sinnvoller, da sie die CO2-Emissionen stärker reduziert und der Aufschlag beim Kaufpreis weniger relevant ist als bei einem Kleinwagen“, so Roelant de Waard, Fords Leiter Vertrieb und Marketing für Europa gegenüber Automotive News Europe.

Ford will aber auch reine Elektroautos

Ford wird auch Mild-Hybride und Hybrid-Varianten für gängigere Modelle wie den Fiesta und den Focus anbieten. Ford verkauft bereits Vollhybridversionen seiner Mondeo-Limousine und dessen Kombi-Version.

Das nächste vollelektrische Auto von Ford soll ein SUV mit dem Namen Mach E werden, der nächstes Jahr in den Handel kommt und gut 600 Kilometer Reichweite bieten soll. Es dürfte ein dem Tesla Model Y oder Model X vergleichbares Auto werden, Premium, aber nicht Luxus, mit viel Power und Reichweite. Der Transporter Transit soll ab 2021 vollelektrisch erhältlich sein.

Quelle: Automotive News Europe – Ford counts on hybrids to comply with stricter European emissions targets

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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