Warum fertige Ladeparks oft ohne Strom bleiben

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In Deutschland stehen immer mehr Schnellladeparks bereit, ohne jedoch in Betrieb zu gehen. Der Hauptgrund dafür ist das Stromnetz, das dem schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur Grenzen setzt, wie Welt.de in einem aktuellen Artikel ausführt. Anbieter und Netzbetreiber kämpfen demnach mit Herausforderungen, die in anderen Ländern leichter zu bewältigen seien.

Bereits aufgebaute Ladesäulen, wie die zwölf Anschlüsse von Ionity auf einem Autohof in Nörten-Hardenberg an der A7 oder die zwanzig Säulen in Parsdorf bei München, stehen ungenutzt. Ein Beispiel für die Ladesituation in Deutschland. Obwohl sie bereit sind, Elektroautos mit bis zu 350 Kilowatt zu laden, fehlt es am entscheidenden Punkt: dem Stromanschluss. Diese Situation frustriert sowohl Kund:innen als auch Unternehmen.

Verzögerungen bei Netzanschlüssen bremsen E-Mobilität

Marcus Groll, Co-Chef von Ionity, beschreibt das Problem: „Wir haben mehrere Standorte, an denen die Ladesäulen und Parkplätze fertig sind, der Trafo steht, aber wir warten noch auf den Netzanschluss.“ Besonders im vergangenen Jahr hat sich die Lage verschärft. Die Frage ist nicht mehr, wie lange der Anschluss dauert, sondern ob er überhaupt zustande kommt. Diese Klagen hört man branchenweit.

Alexander Junge, Member of the Executive Board of Aral AG sowie General Manager BP pulse, Central Europe, hatte sich hierzu bereits im November 2023 gegenüber Elektroauto-News geäußert: „In Nordrhein-Westfalen warten zurzeit um die 40 ultraschnelle Ladepunkte, die wir errichtet haben, auf ihre Inbetriebnahme. Warum? Weil die Netzanschlüsse zu lange dauern. Oftmals dauern auch Baugenehmigungen relativ lange. Eigentlich wollte die Politik Ladeinfrastruktur baugenehmigungsfrei machen. … Und auch bei Netzanschlussanträgen sollte man ernsthaft eine Höchstbearbeitungsdauer durch den Netzbetreiber in Betracht ziehen. Wir haben in Deutschland über 800 verschiedene Netzbetreiber und unsere Erfahrung ist, dass die tatsächlich auch sehr unterschiedlich schnell vorankommen bei der Bearbeitung von Netzanschlussanträgen.“

Herausforderung für Netzbetreiber

Keine gute Entwicklung, denn der Ausbau des Ladenetzes ist essenziell für die Elektromobilität, wird aber durch das Stromnetz gebremst. Nur eine begrenzte Anzahl von Ladestationen kann an die bestehenden Leitungen angeschlossen werden. Neue Kabel zu verlegen, dauert oft Jahre. In Städten wie Berlin ist die Situation besonders schwierig. Thomas Mohnke, Chef eines großen Fahrdienstes, sucht seit Monaten nach einem Standort für Ladesäulen, aber es mangelt an Stromanschlüssen.

Stromnetz Berlin bestätigt, dass es zu Verzögerungen kommen kann, besonders wenn längere Kabelstrecken verlegt werden müssen. Der durchschnittliche Zeitraum von der Beantragung bis zur Inbetriebnahme beträgt etwa zwölf Monate, kann aber auch länger dauern. Die lokalen Stromnetze gehören 866 Unternehmen, und die Kapazität der Leitungen ist oft unklar.

Die Bundesnetzagentur beobachtet Verzögerungen beim Anschluss von Ladeinfrastruktur, abhängig von der Netzkapazität vor Ort. Der Bau einer Ladesäule geht schneller als die notwendige Netzverstärkung. Um dem zu begegnen, sind die Verteilernetzbetreiber gesetzlich verpflichtet, vorausschauend zu planen. Ebendiese stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: Wärmepumpen, Wallboxen, Solaranlagen und Ladeparks müssen angeschlossen werden. Industrieanlagen stellen von Gas auf Strom um, und Anlagen zur Rückspeisung von Strom ins Netz erschweren den Ausbau. Die Bundesnetzagentur sieht dies als große Herausforderung.

Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern

Andere Länder haben weniger Probleme mit Netzanschlüssen. In Frankreich gibt es nur einen Netzbetreiber, was den Prozess erleichtert. In Österreich und den Niederlanden kann man online sehen, wo Kapazitäten frei sind, auch wenn die Netzauslastung dort ebenfalls Herausforderungen mit sich bringt. Groll von Ionity schlägt vor, statt Ladeparks zu subventionieren, den Ausbau der Strom-Infrastruktur zu finanzieren. Ionity betreibt 80 Ladestandorte an Raststätten und möchte expandieren, braucht aber Rechtssicherheit für die Erweiterung um weitere Ladepunkte. Für zukünftige Ladestationen für Elektro-Lkw fehlt es ebenfalls an größerer Netzleistung.

Die Bundesregierung plant, bis 2030 drei Viertel der installierten Leistung an High Performance Chargern bereitzustellen. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur rechnet mit 23,3 bis 32,4 Gigawatt installierter Ladeleistung bis 2030. Der erfolgreiche Aufbau der Ladeinfrastruktur hängt maßgeblich vom rechtzeitigen Ausbau der Stromnetze ab.

Quelle: Welt.de – Die Säule steht, der Strom fehlt – das wahre Problem des Ladenetz-Ausbaus

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Hans aus Österreich:

Deutschland ist leider der Bremsklotz Europas geworden, seit Corona blockiert die zunehmend unflexible Bürokratie ein Weiterkommen.
Rückschritt macht D kaputt.
Leider erkennen viele Leute das nicht.

Wachet auf!!!

Europa braucht mehr Schnelligkeit!!!

Peter Tomczyk:

Ich sehe darin ein sehr kurioses Argument. Wo, bitte, gibt es Förderungen von 20.000€. Diejenigen Autofahrer, die sich um den Fortschritt kümmern und neue Technologien befürworten sollte man nicht ins Abseits stellen. ( genau so wenig wie Menschen die sich eine umweltfreundliche Heizung installieren lassen) Jeder ist für seine Lebensweise selbst verantwortlich und sollte machen was er- oder Sie- für richtig hält. Wenn unsere oberen Bestimmer nichts auf die Reihe bekommen liegt das bestimmt nicht an dem Bürger dieses Landes.

Peter Tomczyk:

Armes Deutschland. Mit dem Mund sind unsere Politiker stark, aber alles Andere siecht dahin. Trümmerlandschaft Deutschland. Es liegt nicht allein an der jetzigen Regierung. Alles Probleme die schon jahrelang vor sich hindümpeln.

Klaus:

Dein Bericht Sonbin. Ohhhh Aua…sehr, sehr einfältig!!!!!

Klaus:

Durch 16 Jahre Schwarz‘ Roter Regierung….. und jetzt meinen die Schwarzen sie kommen wieder ran, oh armes Deutschland, bitte keine Schwarze Regierung!!!!!

DoDo:

Genau das sehe ich als Problem, Hauptsache zurück zu den Stinkern und von neuen Techniken träumen. Schon nach hinten schieben. Was ist den damit gemeint? Wasserstoff, denn verschiedene Hersteller schon über 30 Jahre anpreisen, Steuergelder kassieren und nichts tun? Oder E-Fuels? Mit welchen Strom, mit Atomstrom? Schon klar, während wir hier weiter Träumen, überholen uns die die EU-Nachbarn. Aber kein Problem, wir leben auf einer Stammtischinsel, was geht uns Umwelt an, was gehen uns Tatsachen an?

Peter K:

Für mich reichen die 11kW regelmäßig aus. Ich verbrauche beim Pendeln in der Woche im Schnitt 20-40 kW. Dann alle 1-2 Wochen das Auto für ein paar Stunden an eine Ladesäule zu stellen ist kein Problem. Ich hätte hier sogar sehr gerne dynamische Tarife, dann würde ich das Auto laden, wenn Strom billig ist, weil aus Erneuerbaren im Überfluss vorhanden. Die Blockiergebühren müssen intelligenter werden, zum Beispiel das sie 15 Minuten nach Ladeende (z.B. 80 oder 100%) starten. Alle E Autos benachrichtigen den Nutzer per App, dass sie voll sind. Dann sind 15 Minuten völlig ausreichend das Auto wegzufahren. Eine Ausnahme sollte zwischen 21 und 7 Uhr morgens gelten.

Niko8888:

Einfach das Machbare machen, und sei es „nur“ ein Balkonkraftwerk, statt zu lamentieren

So eine Energiewende geht nicht über Nacht, da brauts Durchhaltevermögen und Leute, die mit anpacken und auch mal bereit sind, Gewohnheiten zu anzupassen

Niko8888:

Ja genau, die Welt ist schlecht
Aber war sie jemals besser ?
Diese rumjammern und alles und jedes auf die Politik und Andere schieben nervt nur noch.

Ionity und alle Unternehmer die anpacken dürfen die Probleme gerne benennen und auch mal drauf hauen.

Alle andern die nichts tun sollen einfach mal die Ärmel hochkrempeln und zumindest das Machbare machen

thomas:

Gründe dafür gibt es viele.
Seit Jahren.
Seit vielen Jahren.
Die will nur keiner hören.
Und die anzusprechen ist ganz sehr aua, weil: will ja keiner hören.
Und das, was keiner hören will, das ist natürlich auch dumm, im besten Fall bloß ignorant.

Aber der kleine dumme demokratieferne Ossi, so ähnlich bin ich hier ja vor kurzem in einer Diskussion tituliert worden, was weiß denn der schon….

Zurück zum Thema: ich baue und betreibe seit einiger Zeit Ladesäulen.
Leider nur 11kW, manchmal habe ich Glück: da gehen sogar 22kW.
Mehr gibt das Kabel in der Straße meist nicht her.
Schade eigentlich. Weil: die Ladesäulen können kaum rentabel sein! Wer will schon sein Auto Stunden dran hängen haben (Strafgebühr nach meist 4h!), um entweder die Strafe zu zahlen oder die Kiste trotzdem nur halbvoll zu haben?

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