Ferrari: PHEV, e-Fuels und Wasserstoff-Brennstoffzellen für die Zukunft

Ferrari: PHEV, e-Fuels und Wasserstoff-Brennstoffzellen für die Zukunft
Copyright:

dimcars / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Spätestens seit dem EU-Beschluss, ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen, wissen alle Hersteller, dass sie auf Elektroautos setzen müssen. Dies stellt Unternehmen wie Ferrari durchaus vor eine Herausforderung. Denn der Weg in die eigene elektrische Zukunft scheint alles andere als geebnet zu sein. Statt sich nur auf reine batteriebetriebene Elektroautos zu konzentrieren, setze man auf Plug-In-Hybride, e-Fuels sowie Wasserstoff-Brennstoffzellen.

Auf einem Investorentag in diesem Monat versprachen die Führungskräfte eine neue Ära, mit dem ersten vollelektrischen Ferrari im Jahr 2025. Doch bis dahin bleiben die Verbrennungsmotoren das laute Herzstück des Unternehmens. Eine finale Aussage zur vollständigen Elektrifizierung der Marke wurde bisweilen nicht getroffen. Was festzustehen scheint ist die Tatsache, dass man das eigene Portfolio ausbauen wolle. Bis 2026 soll dies von 12 auf mindestens 17 Modelle anwachsen. Die meisten neuen Modelle werden jedoch, zumindest anfangs, mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sein – darunter auch der erste SUV, der Purosangue. Plug-In-Hybride würden auch eine Rolle spielen.

Ferrari hat aktuell insbesondere mit dem hohen Gewicht der notwendigen Batterien zu kämpfen. Diese wirken sich entsprechend auf das Fahrverhalten und die Aerodynamik der Fahrzeuge aus. Auch der typische Klang der leistungsstarken Sportfahrzeuge geht mit vollständiger Elektrifizierung verloren. Aus diesem Grund setze man sich mit Festkörperbatterien auseinander, die theoretisch die Batterieleistung verbessern könnten, sowie an Wasserstoff-Brennstoffzellen und synthetischen Kraftstoffen, die beide einer ungewissen Zukunft entgegensehen.

Der Jefferies-Analyst Philippe Houchois beschreibt Ferraris Ansatz als maßvoll“, fügt aber hinzu, dass dies bei den Anlegern nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen dürfte, da einige Autohersteller auf eine elektrische Zukunft zusteuern. „Sie können ihr Profitcenter mit Verbrennungsmotoren länger laufen lassen und ihre Investitionen dort amortisieren“, sagte er. „Aber das ist nicht unbedingt das, was der Markt hören will, denn die Denkweise ist, dass wir uns in die E-Mobilität stürzen und nie zurückblicken sollen.“

Berichten zufolge arbeitet Ferrari auch mit vier Partnern in Europa und Asien an Batteriekomponenten, um die nächste Generation von Festkörperbatterien mit hoher Energiedichte zu erforschen, die leichter sind als die heutigen Zellen. Autohersteller wie Ford und BMW haben in Festkörperbatterien investiert, aber die Technologie ist noch einige Jahre vom Einsatz in Autos entfernt.

„Festkörperbatterien entwickeln sich ähnlich wie Wasserstoff zu einem Kraftstoff der Zukunft“, sagte Houchois von Jefferies. Er warnte davor, dass Ferraris langsames Tempo des Wandels als schleppend oder sogar als „sozial falsch“ angesehen werden könnte. „Aber vom geschäftlichen Standpunkt aus betrachtet haben sie ein großartiges Geschäft, und das muss nicht so schnell verschwinden“, fügte er hinzu.

Quelle: Automotive News Europe – Ferrari to continue to turn out gas guzzlers on its slow road to electrification

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in e Fuels: News & Informationen

EU muss ohne Verbrenner-Verbot mit deutlich mehr Emissionen rechnen

EU muss ohne Verbrenner-Verbot mit deutlich mehr Emissionen rechnen

Tobias Stahl  —  

Bei der geplanten Abschwächung des Verbrenner-Verbots muss die EU sich auf ein deutliches Plus an CO2-Emissionen einstellen, warnt Transport & Environment.

ReFuels erreichen erstmals den regulären Kraftstoffvertrieb

ReFuels erreichen erstmals den regulären Kraftstoffvertrieb

Sebastian Henßler  —  

In Mannheim startet eine Pilotanlage, die fossile, biogene und strombasierte Kraftstoffe direkt mischt und deren Klimawirkung für jede Lieferung erfasst.

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro

BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro

Michael Neißendorfer  —  

Die PtL-Forschungsanlage in Leuna soll ein Schlüsselstandort für den E-Fuel-Hochlauf werden und den Weg vom Labor in die Praxis ebnen.

Rheinmetall plant E-Fuel-Netzwerk mit Hunderten Anlagen

Rheinmetall plant E-Fuel-Netzwerk mit Hunderten Anlagen

Sebastian Henßler  —  

Europas Industrie bündelt Kräfte: Rheinmetall führt ein Konsortium an, das E-Fuels im industriellen Maßstab direkt in Europa produzieren will.

BMW füllt Verbrenner-Neuwagen ab 2028 mit E-Fuels

BMW füllt Verbrenner-Neuwagen ab 2028 mit E-Fuels

Daniel Krenzer  —  

BMW freut sich über E-Fuels in neuen Verbrennern als Erstbefüllung, der Lufthansa-Chef ist davon jedoch entsetzt.

E-Fuels erhöhen volkswirtschaftliche Belastung und Abhängigkeiten

E-Fuels erhöhen volkswirtschaftliche Belastung und Abhängigkeiten

Michael Neißendorfer  —  

Würden Autos E-Fuels tanken, würde ein Drittel der Pkw Deutschlands Volkswirtschaft so viel kosten, wie heute die gesamte Pkw-Flotte, so eine aktuelle Studie.