Erste Fahrt im Polestar 4-Prototyp

Erste Fahrt im Polestar 4-Prototyp
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Polestar

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Der neue Polestar 4 hatte schon auf der Auto China in diesem Frühjahr für viel Aufsehen gesorgt, denn der elektrische Crossover hat deutlich mehr zu bieten als sein fehlendes Heckfenster. Grund genug, sich den Wagen einmal genauer anzuschauen.

Einsteigen – leider aktuell nur auf dem Beifahrersitz oder im Fond. Das ist nicht einfach, doch dieses Mal geht es nicht um das Fahren allein. Es ist ein Prototyp und ganz offensichtlich stammt dieses Modell aus einer frühen Phase, denn einige der Ausstattungsdetails wie ein Head-up-Display fehlen. Und auch bei Spaltmaßen oder Karosseriedetails ist dieser Polestar 4 nicht im Serienstand unterwegs. Es gibt noch einiges zu tun für die Entwickler. Und doch freut sich bei den chinesischen Schweden jeder auf den ungewöhnlichen SUV mit Elektroantrieb, der ab nächsten Jahr als stylisher Zwilling des Polestar 3 auf den Markt rollt.

Testfahrer Sam drückt nahe des Flughafens von Santa Monica aufs Gas und gewohnt geräuschlos geht es auf eine kurze, aber allemal eindrucksvolle Runde in dem Crossover, der als Designclou auf eine Heckscheibe verzichtet. „Mit dem Polestar Precept hatten wir bereits einen Ausblick auf ein atemberaubendes neues Fahrzeugerlebnis gegeben, indem wir erstmalig auf die Heckscheibe verzichtet haben“, sagt Polestar-Chefdesigner Maximilian Missoni, „der hintere Kopfbereich, der eine wichtige Rolle für die Sicherheit spielt, wurde zugleich weiter nach hinten verlagert.“ Der ab Mitte 2025 produzierte Polestar 5 soll als Serienversion des Precept ebenfalls keine Heckscheibe haben.

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Sam stört das fehlende Heckfenster nicht mehr. „Man gewöhnt sich schnell daran, denn es gibt ja die Außenspiegel und den digitalen Innenspiegel.“ Darin erstrahlt tatsächlich gewohnt lichtstark der Verkehr hinter dem Probanden und ohne, dass man um die hinteren Kopfstützen herumschauen muss oder sich über das hohe Heck ärgert. Doch während der Fahrer bei anderen Autos vom digitalen Rückspiegel auf das normale Spiegelbild wechseln kann, ist der Rückblick ähnlich einem Transporter der Sprinter-Klasse allein digital möglich. Trotzdem hapert es im neuen Polestar-Modell nicht an ausreichend Lichteinfall, denn obligatorisch ist der Vierer mit einem großen Panoramadach ausgestattet, das auch die zweite Reihe gekonnt in Szene setzt. Bei Dunkelheit hilft eine variable Ambientebeleuchtung.

Technische Basis des 4,84 Meter langen Crossovers ist die von der Konzernmutter Geely entwickelte Premium Sustainable Experience Architecture. Durch den Radstand von exakt 3 Metern und der geschlossenen Rückwand bietet das Elektromodell besonders im Fond viel Raum für die Insassen. Die Sitze sind bequem und schmiegen sich leicht abgerundet in die Türelemente. Ein zweiter Bildschirm für die Medien- und Klimasteuerung ist zwischen den Vordersitzen angebracht und ermöglicht die Steuerung von der Rückbank. Im Innenraum gibt es nachhaltige Materialen, auf Wunsch ein Nappaleder-Paket mit Kopfstützen-Lautsprechern, während die Bedienung via Google über Sprache oder einen 15,4 Zoll großen Zentralbildschirm erfolgt.

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Der Fahrer blickt hinter dem Steuer auf ein 10,2-Zoll-Display. Entsprechende Updates lassen sich per Funk (over the Air / OTA) aufspielen. Angenehm ist die Fahrwerksabstimmung, denn auch wenn der Schwede stramm unterwegs ist, fehlt die bockig-sportliche Härte des Polestar 2. „Der Polestar 4 wird in der Allradversion serienmäßig über verstellbare Dämpfer verfügen“, lächelt Sam und fährt etwas flotter über die zerborstenen Straßen von Santa Monica.

Bei der Nomenklatur geht es bei Polestar nunmehr etwas durcheinander, denn im Hinblick auf Positionierung und Preis möchte sich das neue Modell zu Preisen ab 60.000 Euro weitgehend nahtlos zwischen Polestar 2 und Polestar 3 eingruppieren. Derzeit läuft die Fertigung des Polestar 4 im chinesischen Werk Hangzhou Bay hoch. Dabei soll es nicht bleiben, denn für die Märkte in Nordamerika und Südkorea kommt das Elektromodell aus der Fertigung der Renault Korea Motors Fabrik (RKM) in Busan. RKM hat mit seinem 2000-Mitarbeiter-Werk einen direkten Zugang zu Exporthäfen, entsprechende Kostenvorteile und verfügt über 23 Jahre Erfahrung in der Fahrzeugherstellung. „Da der Polestar 3 Anfang 2024 in Chengdu und im Sommer 2024 in South Carolina in Produktion gehen soll“, erläutert Polestar-CEO Thomas Ingenlath, „werden wir bald in fünf Fabriken in drei Ländern produzieren und damit unsere globalen Wachstumsambitionen unterstützen.“

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Wie gut der Polestar motorisiert ist, ist bei der kurzen Ausfahrt auf dem Beifahrersitz und im Fond kaum zu spüren. Es wird ihn mit Hinterachs- und Allradantrieb geben. Das Topmodell des Polestar 4 mit seinen beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse leistet 400 kW / 544 PS / 686 Nm, die den über zwei Tonnen schweren Crossover aus dem Stand in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen sollen.

Die Basisversion mit den 200 kW / 272 PS an der Hinterachse soll dank der 102-kWh-Batterie 600 Kilometer weit kommen, ehe es wieder an die Ladesäule geht. Die maximale Ladegeschwindigkeit liegt bei 200 Kilowatt – mehr ist aufgrund der fehlenden 800-Volt-Technik nicht drin. Erstmals ist ein Polestar für bidirektionales Laden ausgelegt; er kann demnach auch andere Verbraucher mit elektrischer Energie versorgen. Mit seinem Kooperationspartner Store Dot will Polestar ab 2025 in seinem viertürigen Luxuscoupé die sogenannte XFC-Technologie (Extreme Fast Charging) zur Serienreife zu bringen, die ein Aufladen von 160 Kilometern Reichweite in fünf Minuten ermöglicht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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