Experten äußern Kritik an „Lobbyistenschreiben“ von 170 Wissenschaftler aus aller Welt

Experten äußern Kritik an „Lobbyistenschreiben“ von 170 Wissenschaftler aus aller Welt
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Sebastian Henßler
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Wie groß ist der Beitrag von E-Autos für den Klimaschutz? Möglicherweise liegt er weit niedriger als seit Jahren versprochen. Zumindest haben sich 170 Wissenschaftler aus aller Welt in einem offenen Brief an die EU-Kommission entsprechend geäußert. Grundaussage „Die Politik habe sich grundlegend verrechnet“. Doch dieser Meinung sind nicht alle Experten und üben daher Kritik an den Wissenschaftlern.

Professor Christian Rehtanz von der TU Dortmund kritisierte den Brief offen: „Der Brief ist hochgradig peinlich. Es ist ein wissenschaftlich verbrämtes Lobbyistenschreiben, welches krampfhaft versucht, die Kolbenmaschinen (Lehrstuhldenomination von Prof. Koch des KIT) zu retten.“ Zur Einordnung: Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hatte zusammen mit Kollegen der EU-Kommission einen grundlegenden Rechenfehler vorgeworfen.  Der Strom-Mix sei schlicht falsch berechnet worden. „Die Frage ist nicht: Elektroauto oder Verbrenner. Die Frage ist: fossil oder nicht„, so Koch. Der Zeitpunkt der Kritik ist gut gewählt. Die EU ist gerade dabei, ihre CO2-Vorgaben für neu zugelassene Autos in Europa noch einmal zu verschärfen.

Professor Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung schrieb in einem Beitrag für das Science Media Center, Koch stelle die Frage, ob für den von E-Autos verbrauchten Strom der CO2-Ausstoß des Strommix insgesamt anzusetzen sei oder aber der CO2-Ausstoß des Grenzstrommix, also zusätzlich nötigen Stroms. Dabei gebe es laut Wietschel für beide Positionen entsprechende Argumente. Laut ihm sei es aber wissenschaftlicher Standard die Verwendung der Durchschnittsemissionen anzusetzen. Denn Grenzstromemissionen ließen sich nicht klar zuordnen. Des Weiteren gilt es zu bedenken, dass E-Autos künftig als flexible Speicher für überschüssige Wind- und Sonnenenergie dienen könnten.

Patrick Jochem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt führt weiter aus: „Der Brief greift einen validen Punkt auf“, greife aber an einer Stelle zu kurz. Denn E-Autos könnten die Energiewende in der Stromerzeugung beschleunigen und zu negativen marginalen Emissionen führen, „insbesondere, wenn man die E-Pkw als mobile Speicher“ in das Energiesystem integriere.

Quelle: Zeit.de – Forscher streiten über Klimabilanz von E-Autos

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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