Europas E-Automarkt: Blick auf 2024 bis 2030

Europas E-Automarkt: Blick auf 2024 bis 2030
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Dass das aktuelle Jahr herausfordernd für die Elektromobilität werden wird, haben wir bereits gezeigt. Gemeinsam mit Automobil-Analyst Matthias Schmidt nehmen wir uns dem Zeitraum danach an, die Jahre 2024 bis 2030, und blicken darauf, wie sich der Elektroauto-Markt in Europa entwickeln dürfte.

Für den Zeitraum von Ende 2022 bis 2024 geht Schmidt von einem Anstieg der E-Auto-Durchdringung von weniger als einem Prozentpunkt aus, da die CO₂-Flottendurchschnittsziele der Automobilhersteller bis 2025 konstant bleiben (95 g/km NEFZ). Daran ausgerichtet wird man auch entsprechend die Lieferketten ausrichten, was trotz einer möglicherweise steigenden Stimmung für Elektroautos wenig Spielraum lässt.

In Hinblick auf die Halbleiterkrise erwartet die Branche, dass sich die Lage 2023 vor allem im Laufe des zweiten Halbjahres verbessern wird. Dann sollte die Industrie in der Lage sein, langwierige Auftragsrückstände abzubauen. In puncto Preisgefüge könnte es unterschiedliche Entwicklungen geben. Teilweise mit immensen Vorteilen für Käufer:innen von E-Autos. Schmidt gibt für das laufende Jahr den Ausblick auf einen ähnlich hohen E-Autoanteil wie 2022, von um die 15 Prozent am Gesamtmarkt.

Kaum Wachstum beim E-Auto-Absatz bis 2025 erwartet

Der Berliner Analyst geht nicht davon aus, dass der Anteil von E-Autos am Gesamtmarkt bis 2025 maßgeblich wächst, da erst dann die nächste gesetzliche Stufe zur CO₂-Reduzierung in Kraft treten wird. Bis 2025 gibt er daher die 20 Prozentmarke als Maßstab aus für den Anteil vollelektrischer Fahrzeuge am Gesamtmarkt. Der Anteil der Plug-in-Hybride sollte sich demnach unter der acht Prozentmarke bewegen. Getrieben dadurch, dass private Anreize wegfallen.

Wobei sich Firmenfahrer aufgrund eines vorteilhaften Steuersatzes und des Mangels an E-Auto-Beständen weiterhin für ein PHEV entscheiden könnten und Firmenflottenpools möglicherweise leichter an die Teilzeitstromer gelangen, um die eigenen CO₂-Flottenwerte zu senken. Das Potenzial der jetzt erwarteten schwächeren Euro-7-Einführung, die für 2025 erwartet wird, könnte dazu führen, dass Verbrenner-Verkäufe auf 2024 vorgezogen werden, bevor diese unter neuen gesetzlichen Vorgaben mit immens erhöhten Preisen ein Jahr später auf die Straße kommen.

Mit Blick auf das Jahr 2030 sind CO₂-Emissionsziele von minus 55 Prozent gegenüber dem Stand von 2021 aufgrund strengerer EU-Vorgaben sehr wahrscheinlich. Der sogenannte Anpassungsmechanismus für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge (ZLEV) kann jedoch zu schwächeren CO₂-Zielen führen, wenn in diesem Fünfjahresfenster bis 2030 ein ZLEV-Mix von mindestens 20 Prozent erreicht wird, was die Entwicklung der Marktdurchdringung möglicherweise etwas abschwächt.

2030 großer Umschwung auf E-Autos

Automobilhersteller wie Ford, Opel, Peugeot und Jaguar haben bereits angekündigt, dass sie bis 2030 zu 100 Prozent auf rein elektrische Fahrzeuge umsteigen wollen. Mercedes blieb zwar in seinen Aussagen unkonkret, kündigte aber an, in diesem Jahrzehnt ebenfalls vollständig elektrisch zu werden – fügte aber hinzu: „wo es die Marktbedingungen erlauben“, was einige süd- und osteuropäische Märkte ausschließen könnte.

Zum Ende seiner Analyse geht Schmidt davon aus, dass Deutschland zwar weiter an seinem Ziel von 15 Millionen E-Autos bis 2030 festhalten wird, dieses aber um rund drei Millionen Einheiten verfehlt. Auf Europa-Ebene betrachtet werden zudem vor allem die westlichen Länder einen höheren Grad der Elektrifizierung erleben, als es bei den östlichen Ländern der Fall sein wird.

Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Monthly Market Intelligence / Full Year 2022

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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