Europa: Chinas Hersteller setzen erstmals 10.000 E-Auto im Monat ab

Europa: Chinas Hersteller setzen erstmals 10.000 E-Auto im Monat ab
Copyright:

Robert Way / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Automobil-Analyst Matthias Schmidt zeigt mit Blick auf Ende des dritten Quartals 2022 auf, dass die chinesischen Automobilhersteller verstärkt nach Europa drängen. Alleine im September sei es den Hersteller möglich gewesen über 10.000 rein elektrische Fahrzeuge abzusetzen. Für rund 95 Prozent der abgesetzten E-Fahrzeuge zeichnet sich Polestar (Geely) und MG Motor (SAIC) verantwortlich.

Der kombinierte rollierende 12-Monats-Marktanteil der chinesischen Automobilhersteller stieg Ende September auf 4,9 Prozent. Was 67.950 Einheiten entspricht, womit die chinesischen Marken das Ziel erreichen, in 2022 bis zu 90.000 Elektroautos in Europa abzusetzen. Dies entspricht dem Volumen an E-Autos, welches Tesla im Jahr 2020 in Europa absetzen konnte. Rechnet man die Modelle der europäischen Marken (Dacia Spring, BMW iX3 und Tesla Model 3 sowie einige Model Y und eine Handvoll Mobilize-Modelle von Renault) hinzu, überschreiten die E-Autos aus chinesischer Produktion bereits mehr als 200.000 Einheiten in neun Monaten.

Matthias Schmidt geht davon aus, dass der Absatz von Chinas E-Autos im letzten Quartal noch stärker anzieht. Denn dann kommen Marken wie Ora von Great Wall Motors nach Europa. BYD soll zudem eine Expansion über den norwegischen Markt hinaus planen. Auch werde weitere NIO-Modelle im letzten Quartal in Europa erwartet. Des Weiteren steht der Marktstart des smart #1 bevor, welcher ebenfalls Anfangs 2023 nach Europa kommt.

MG Motor (SAIC) bringt mittlerweile vier Elektro-Modelle auf Europas Straße. Unter anderem der MG4 Electric, welcher erst im vergangenen Monat bei entsprechenden Testfahrten vorgestellt wurde, dabei auf voller Linie überzeugt. Für das vierte Quartal wird weiteres entsprechendes Absatzwachstum des MG4 Electric in Europa erwartet. Ebenfalls auf der chinesischen Erfolgswelle surft Polestar. Diese bieten aktuell nur den Polestar 2 als reines E-Auto an. Als Konkurrent des Tesla Model 3 und BMW i4 blickt dieser mittlerweile auf 100.000 produzierte Einheiten.

Für weiteres Wachstum wird der Polestar 3 sorgen. Dieser wird sowohl in China als auch den USA hergestellt. Mit den ersten Auslieferungen wird im 4. Quartal 2023 gerechnet. Darüber hinaus wurde bestätigt, dass eine zweite Produktionsschicht des Polestar 2 in China beginnen wird. Derzeit ist die Marke in 27 Märkten weltweit präsent und zuversichtlich, dass es das Ziel von 50.000 Verkäufen in diesem Jahr erreicht.

Nach der offiziellen Vorstellung aller drei für Europa bestimmten BYD-Modelle auf dem Pariser Autosalon wird noch in 2022 mit dem Verkauf der ersten E-Fahrzeuge gerechnet. 2.500 Modelle sollen in Norwegen ausgeliefert werden. Weitere europäische Länder sollen bald folgen. Und allein für Deutschland hat BYD aggressive Pläne: Konkret will BYD bis 2026 einen Absatz von 120.000 Einheiten pro Jahr und einen E-Auto-Marktanteil von 10 Prozent erreichen. Damit würde BYD in Bereiche von Tesla (14 Prozent) oder VW (12 Prozent) vorstoßen. Deutsche Hersteller wie Mercedes (5 Prozent) oder BMW (6 Prozent) würden die Chinesen deutlich abhängen.

Den deutschen Kunden bietet BYD zum Start drei Modelle an: die Premiumlimousine Han EV, das große SUV Tang EV und das kompakte SUV Atto3. Später soll eine Seal genannte Mittelklasselimousine ins Portfolio wandern und auch der Kleinwagen Dolphin könnte bald hierzulande zu haben sein. NIO muss im Vergleich zu anderen Hersteller aus China noch nachlegen, um Fuß zu fassen. Aktuell bringt man es auf etwas weniger als 1.000 Neuzulassungen.

Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Study September/Q3 2022 edition

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

Chinesische Autohersteller bekommen Vorschriften für Expansionen

Chinesische Autohersteller bekommen Vorschriften für Expansionen

Maria Glaser  —  

Die chinesischen Aufsichtsbehörden legen in den Richtlinien fest, wie sich die Autohersteller bei Export und Expansionen zu verhalten haben.

VW, BMW und Mercedes verpassen Boom in Wachstumsmärkten

VW, BMW und Mercedes verpassen Boom in Wachstumsmärkten

Arun Niemann  —  

Indien, Südostasien und Südamerika wachsen stark. Doch deutsche Autobauer profitieren davon bislang deutlich weniger als internationale Konkurrenten.

Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen

Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen

Sebastian Henßler  —  

Tesla ist mit knapp 2,98 Millionen Autos der Modelle Model 3, Model Y, Model S und Model X der mit Abstand größte Teil der Rückrufaktion in China.

Warum Changan beim Deutschland-Start bewusst bremst

Warum Changan beim Deutschland-Start bewusst bremst

Sebastian Henßler  —  

Changan ist in China der fünftgrößte Automobilhersteller, in Deutschland aber kaum bekannt. Designchef Zyciora spricht über die Folgen für den Markteintritt.

Unlautere Geschäfte: Dreame stellt Automobilsparte ein

Unlautere Geschäfte: Dreame stellt Automobilsparte ein

Maria Glaser  —  

Der chinesische Hersteller, der für Staubsauger und Reinigungsroboter bekannt ist, beendet nach nur einem Jahr sein Automobilprojekt „Starry Sky“.

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Arun Niemann  —  

Eine Deloitte-Studie sieht bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro Wertschöpfung in Gefahr. Vor allem Batteriezellen und Vorprodukte bleiben Europas Schwachstelle.

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Laura Horst  —  

Die Produktionsvorhaben chinesischer Hersteller in Europa schreiten voran und Analysten rechnen bis 2035 mit 1,5 Millionen Autos „Made in Europe“.