Energieeffizienz neu gedacht: Autarkie im Fokus

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Manfred Josef Hampel | City.Box

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 5 min

Im Gespräch mit Manfred Josef Hampel habe ich mich im Elektroauto-News.net Podcast intensiv über autarkes Wohnen und Mobilität ausgetauscht – Themen, die eng mit der Elektromobilität und der Nutzung erneuerbarer Energien verknüpft sind. Manfred ist ein Mann der Praxis, der sein Leben lang im Bauwesen tätig war und dabei immer einen besonderen Fokus auf Ästhetik und Funktionalität gelegt hat. Seine Reise begann im Denkmalschutz und klassischen Fensterbau, wo er durch seine Leidenschaft für gutes Design und Proportionen bekannt wurde. Doch irgendwann erkannte er, dass es nicht nur um schöne Fenster geht – es muss auch um nachhaltiges und energieeffizientes Bauen gehen.

Zuvor hatte Manfred einen Fensterbaubetrieb gegründet und sich damit einen Namen gemacht, indem er etwa den Kreml in Moskau oder zahlreiche Gebäude in ganz Europa mit seinen speziell entwickelten, patentierten Manufakturfenstern ausgestattet hat. Doch das reichte ihm nicht. Sein Interesse an erneuerbaren Energien und energieeffizientem Bauen führte ihn schließlich zu einem noch ambitionierteren Projekt: Häuser zu bauen, die vollständig autark sind – unabhängig von externen Energiequellen und vollständig selbstversorgend.

Im Gespräch betont Manfred, dass der Begriff „autark“ oft missbraucht werde. „Autark ist autark. Punkt. Ein bisschen schwanger geht ja auch nicht“, erklärt er mit Nachdruck. Für ihn bedeutet das, ein Gebäude zu erschaffen, das zu 100 Prozent eigenständig funktioniert – unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Winter besonders hart ist. Diese Klarheit in der Definition ist ihm wichtig, weil viele Anbieter und Hersteller Begriffe wie „bilanziell autark“ verwenden, um zu suggerieren, dass ihre Lösungen autark sind, obwohl sie dies in Wirklichkeit nur einen Teil des Jahres sind. Ein wahrhaft autarkes System muss seiner Meinung nach jederzeit und unter allen Bedingungen funktionieren.

Fehlendes Energieverständnis der Menschen steht diesen im Weg

Eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Konzepte sieht Manfred in der Technologie und im Verständnis der Menschen für die Nutzung von Energie. „Es gibt schon interessante Leute, aber meist kommen die Produkte von den großen Konzernen, die auf alter Technik aufbauen“, kritisiert er. Stattdessen setzt Manfred auf Innovation und Kreativität. So hat er etwa eine Methode entwickelt, die Solarzellen auf den Dächern nicht nur zur Stromerzeugung zu nutzen, sondern auch deren Abwärme effizient einzusetzen. „Wenn ich die Solarzellen kühle, kann ich die Abwärme zum Heizen oder für warmes Wasser nutzen“, erläutert er. So wird die eingesetzte Energie maximal genutzt, und es entstehen keine Verluste durch Überhitzung der Module.

Ein weiteres Beispiel seiner kreativen Herangehensweise ist die Kombination verschiedener Energiequellen und -speicher. Manfred spricht davon, wie die überschüssige Energie, die an einem sonnigen Tag erzeugt wird, in einem Pufferspeicher gesammelt und später genutzt werden kann. „Wärme zu speichern ist viel günstiger als Strom zu speichern“, so Manfred. Er erklärt, dass durch diese Art der Energiespeicherung und -nutzung nicht nur die Betriebskosten eines Hauses drastisch gesenkt werden können, sondern auch die CO₂-Emissionen deutlich verringert werden.

Die Verbindung von Solartechnologie und Elektromobilität ist für Manfred ebenfalls zentral. Er beschreibt, wie ein autarkes Haus nicht nur sich selbst, sondern auch die Mobilität seiner Bewohner versorgen kann. „Stell dir vor, dein Haus produziert genug Energie, um dein Auto zu laden, ohne dass du auf das öffentliche Netz angewiesen bist“. Die Vision ist klar: Ein Haus als kleines Kraftwerk, das seinen Bewohnern maximale Unabhängigkeit bietet.

Manfreds Vision geht jedoch noch viel weiter: Er stellt sich vor, dass autarke Gebäude nicht nur für den Eigengebrauch, sondern auch für die öffentliche Hand interessant sein könnten. Er gibt das Beispiel von Schwimmbädern, die heute oft geschlossen bleiben, weil sie zu viel Energie kosten. Ein autarkes Gebäude könnte hier Abhilfe schaffen, indem es sich selbst mit Energie versorgt und so die Betriebskosten deutlich verringert. „Warum nicht die kostenlose Energie der Sonne nutzen und diese Gebäude energieeffizient betreiben?“

Banken werden verstehen, dass autarke Häuser die Zukunft sind und diese entsprechend fördern

Strategisch setzt Manfred darauf, Banken und Investoren von der Sicherheit und Rentabilität solcher Projekte zu überzeugen. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Banken verstehen, dass ein autarkes Haus die beste Investition ist, die sie machen können“. Seiner Ansicht nach geht es darum, die Menschen von der langfristigen Rentabilität und den Vorteilen dieser Art zu bauen zu überzeugen. Ein autarkes Haus amortisiert sich nicht nur durch die eingesparten Energiekosten, sondern kann sogar Erträge erwirtschaften, indem es überschüssige Energie ins Netz einspeist oder für andere Zwecke nutzt.

Manfred sieht in seinem Konzept die Möglichkeit, eine echte Revolution in der Bauwirtschaft und der Energieversorgung einzuleiten. Er glaubt, dass diese Art von Denken notwendig ist, um den Herausforderungen unserer Zeit – Klimawandel, Ressourcenknappheit und steigende Energiekosten – zu begegnen. „Wir brauchen mehr kreative Lösungen und weniger Bedenkenträger“, sagt er. „Und wir müssen mutig genug sein, neue Wege zu gehen.“

Mit diesen spannenden Einblicken in die Welt des autarken Bauens und Wohnens hat Manfred Josef Hampel sicherlich viele Denkanstöße gegeben. Seine Ideen und Konzepte sind radikal, aber durchdacht und zeigen, dass es möglich ist, Wohnen und Leben neu zu denken. Nun aber genug der Vorworte, lasst uns in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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bitman:

Hallo S. Eckardt,

da gebe ich Dir Recht. Passende Kabelquerschnitte und -isolationen sind notwendig. Und zumindest für die Lade-/Entladeleitung benötigt man auch passende Sicherungselemente, die auch unter Last sicher abschalten (dafür sind sie da!), also über eine Lichtbogenlöschung verfügen.

Da in einer stationären Batterieanlage möglichst nur mit maximal 0,2 C geladen und entladen wird, machen hohe Zelltemperaturen eher sellten ein Problem. Wichtiger ist es, dem Gehäuse eine kleine Heizung hinzuzufügen, damit die Temperatur vor dem Entladen möglichst nicht unter 15°C fällt. Niedrigere Temperaturen würden die Kapazität erheblich vermindern.

Da aber hier in Zukunft Natrium-Ionen-Zellen zur Anwendung kommen, wird das auch kein Problem mehr sein.

Gute Erfahrungswerte mit dem DIY-Batteriebau kann man z. B. bei
Andi von Offgrid-Garage finden.

Das Wichtigste ist wohl, die „German Angst“ gegen gute Vorbereitung zu tauschen und gewissenhaft zu bleiben.

Tom bei Solarharz.de

S. Eckardt:

Akku-Eigenbau ist finanziell im Vergleich zur Fertiglösung zweifellos günstiger (Arbeitszeit nicht gerechnet). Aber man muss genau wissen was man tut; also vom Fach sein! Man hat nur einen Versuch. Der darf keine Schwachstelle haben!
Drahtquerschnitte sind ein Aspekt. Die Akku-Erwärmung im Betrieb – bei allen möglichen Außentemperaturen; infolge von Alterung – insbesondere bei den konstruktiv „innen“ im Pack verbauten Akkus lässt sich nur schwer im Vorfeld kalkulieren.
Da ist Erfahrung und Prototyping nötig.
Sonst hat man an der falschen Stelle gespart …

Wurzelsepp:

Die Akkus brennen seltener als z.B. fossile Heiztanks. Hören Sie auf hier Fake News zu verbreiten.

MiMaTu:

Und was sagt die Versicherung zu einem selbstgebauten Speicher? Wenn das Haus abfackelt, dann gute Nacht.

Akkus sind erhebliche Brandlasten, ohne entsprechende Maßnahmen im Fall der Fälle lebensgefährlich.

Somit nicht zum Nachbau zu empfehlen

Jakob Sperling:

Wenn es wirklich um Ökologie und nicht um Ideologie und/oder postpubertäre Autarkie-Fantasien geht, dann ist absolute Autarkie eben gerade nicht energieeffizient, nicht sinnvoll und nicht erstrebenswert.
Für die Ökologie ist die Prioritätenfolge für Investitionen eine ganz andere, nämlich etwa wie folgt (kann in einer konkreten Situation leicht anders sein):

Prio 1: Wärmepumpen-Heizung (oder Anschluss an Fernwärme-Verbund).

Prio 2: Tüchtige Portion eigene PV, wenn das geht und solange es sinnvoll ist.

Prio 3: Wer noch mehr für die Umwelt tun will, kauft sich Anteile an PV-Anlagen* im globalen Süden.

Prio 4: Elektromobil mit eher kleiner Batterie (und womöglich V2G).

Prio 5: Evt. mittelgrosse Batterie (5-20 kWh) zur besseren Verteilung der PV-Energie und für temporäre Autarkie (Stromausfälle).
Ob das überhaupt rentiert, kommt auf die Preise des Energieversorgers an (bei mir z.B. nicht),
und so oder so geht es bei diesem Punkt mehr um das eigene Portemonnaie als um die Umwelt.

Dann doch noch 1 Punkt für Autarkie-Freaks:
Prio 6: Einbau eines modernen kleinen Holzofens und Kauf von 1-2 Ster Holz (oder Pellet-Heizung).
Gibt mehrere Wochen Wärme-Autarkie für den unwahrscheinlichen aber möglichen Fall eines längeren Ausfalls des Stromnetzes im Winter.
(Meine Holzbeige steht schon über 30 Jahre vor der Türe und ist inzwischen ein Biotop für Schlupfwespen.)

Absolute Autarkie taucht auf dieser Prioritätenliste nie auf. Sie ist (mit Ausnahme Berghütte, Insel, …) weder energieeffizient noch ökologisch.

* Ich habe z.B. via den deutschen Crowd-Finanzierer Ecoligo zwei PV-Anlagen in Vietnam und Nigeria mitfinanziert. Ist mit ca. 4% Zins gleichzeitig noch eine sinnvolle Anlage – die würden dort, wenn sie den Kredit für eine PV-Anlage überhaupt erhalten, eher etwa 20% Zins zahlen. Scheint mir alles sehr seriös und hat sich bisher bewährt.

Jakob Sperling:

Wie ich oben erkläre, geht es bei den Batterien so oder so nur um die Steigerung der Autarkie von etwa 1/3 auf etwa 2/3, als primär dem Tag-/Nacht-Ausgleich und ein paar kurzfristigen Pufferungen.

In den Heiz-Monaten (ca. Mitte November bis Mitte März) brauche ich (mit Wärmepumpe und Erdsonde) ca. 6’000 kWh und produziere mit PV ca. 1’500 kWh. Damit müsste ich für absolute Autarkie irgendwie 4’500 kWh vom Sommer in den Winter verschieben.
Wenn ich die PV weit über die bilanzielle Autarkie noch verdopple, möglichst senkrecht und dann noch tüchtig Batterien dazubaue, kann ich vielleicht etwa die Hälfte davon noch abdecken. Dann bleiben aber immer noch über 2’000 kWh.

Nach meinem Wissen kann man diese Menge Energie finanziell einigermassen tragbar nur mit einem riesigen, isolierten Wassertrank oder mit einer Wasserstoff-Anlage vom Sommer in den Winter retten.

Einmal mehr: In Mitteleuropa und vergleichbaren Orten lässt sich absolute Autarkie nicht finanziell und ökologisch sinnvoll erreichen, mit einzig Batterien als Energiespeicher schon gar nicht.

p.s.: Funktionieren tut die vollständige (Heiz- und Koch-)Autarkie übrigens seit Hunderten von Jahren mit einer Holzheizung und ein paar Ster Holz. Brennholz hat eben die höhere Energiedichte als eine moderne Batterie (ja, ist so, googelt das mal). Darum habe ich für alle Fälle auch noch einen Holzofen im Haus und etwa 1 Ster Holz vor der Türe. Damit halte ich im Winter mindestens 1 Monat auch ohne Strom aus. Wobei ich nicht mehr weiss, wann wir den letzten Stromausfall von mehr als Sekunden hatten; muss ein paar Jahrzehnte her sein.

Jakob Sperling:

Die allermeisten Firmen gehen nicht Pleite. Ich habe nach meinem Wissen in einem schon recht langen Leben noch nie etwas bei einer Firma gekauft, die seither Pleite ging. Unser Maler ist inzwischen pensioniert.

bitman:

Dann kaufst Du vielleicht bei BayWa r. E.?
Wer haftet bei denen, wenn sie pleite sind?

E.Wolf:

Zitat: „… Natürlich braucht man den Platz … preislich ist selbst so eine Monsteranlage keine große Hürde mehr … “

Genau das ist Thema. Natürlich ist alles machbar, aber für die letzten 10% wird es immer teuerer, wie sie ja schreiben. Und in der anderen Zeit ist es überdimensioniert, da brauchen sie Abnehmer.

Aus genau diesem Grund gibt es das europäische Stromverbundsystem. Die einen haben heute Sonne und Wind, die anderen morgen. Bei den einen geht früher die Sonne auf und bei anderen bläst der Wind stärker. Nur aus einem Verbund kommt die Stärke, damit ist nichts gegen eine individuelle Vorsorge gesagt, aber halt nicht 100%.

Es ist wie überall „die Dosis macht das Gift“.

Jakob Sperling:

Ein Haus hat einen bestimmten Preis, eine PV-Anlage hat einen bestimmten Preis und ein Batterie-Speicher hat einen bestimmten Preis.
Ein Batteriespeicher-System mit 20 kWh kostet hier in der Schweiz – beim Discounter – etwa 10’000 Franken (etwa 11’000 €).

Selbstverständlich kann ich all das viel, viel billiger haben, wenn ich es selbst baue und – wie unten beschriebe – sogar noch mit anderen zusammen die Komponenten in China zu Grosshandelspreisen bestellen.

Ich würde, Stand heute, nie und nimmer 20 kWh direkt aus China bezogene Batterien in meinem Keller betreiben.
Wer haftet, wenn dieses System brennt und mir das ganze Haus abfackelt?

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