Emissionsfreie Nutzfahrzeuge: Wie steht es um den E-Lkw?

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Hannes Dollinger
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Der Verkehrssektor spielt eine zentrale Rolle wenn es darum geht, die CO2-Emissionen in Europa drastisch zu senken. Eine aktuelle Studie von McKinsey zeigt die Notwendigkeit, emissionsfreie Lkw auf die Straße zu bringen, um die gesteckten Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Laut der Studie wird erwartet, dass bis 2035 rund 900.000 private Ladepunkte für Nutzfahrzeuge benötigt werden. Diese Ladeinfrastruktur ist von entscheidender Bedeutung, um den Übergang zu elektrifizierten Nutzfahrzeugen zu ermöglichen und die Effizienz der Transporte zu gewährleisten. Bisher sind die Ladeoptionen insbesondere für Lkw auf Langstrecken unzureichend, was eine der größten Herausforderungen darstellt. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird daher von  den Autoren als zentrale Voraussetzung gesehen, um den wachsenden Bedarf an Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich zu decken.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Anschaffungskosten deutlich sinken müssen, damit sich die breite Umstellung auf elektrische Nutzfahrzeuge wirtschaftlich überhaupt lohnt. Momentan liegen die Anschaffungskosten für Elektro-Lkw noch erheblich über denen konventioneller Diesel-Lkw. Die Anschaffungskosten können derzeit um 50 bis zu 250 Prozent höher liegen als die für vergleichbare Diesel-Lkw. Preisrückgänge könnten durch technologische Fortschritte, Effizienzsteigerungen in der Produktion sowie staatliche Förderprogramme erreicht werden, so die Studie.

Ein weiterer Aspekt, den die Studie hervorhebt, ist das Konzept des Truck-as-a-Service (TaaS). Dieses Modell könnte einen erheblichen Beitrag zur Verbreitung emissionsfreier Nutzfahrzeuge leisten. Im Rahmen von TaaS werden Fahrzeuge nicht mehr als Besitz, sondern als Dienstleistung betrachtet. Ein Lkw-Abo sozusagen, mit möglichen Zusatzservices wie digitalen Lösungen zur Routenoptimierung. Laut McKinsey könnte bis zu 74 Prozent des Branchengewinns aus solchen Services stammen. Dies ist von großer Bedeutung, da es zeigt, wie stark der Fokus der Branche sich von einmaligen Fahrzeugverkäufen hin zu kontinuierlichen Dienstleistungen verlagert. Dies könnte die Rentabilität stabilisieren und langfristige Einnahmequellen sichern, während Unternehmen flexibler auf Marktveränderungen reagieren können. Dadurch würden auch die Einstiegshürden für Unternehmen gesenkt, da die hohen Anschaffungskosten für E-Lkw entfallen würden.

Digitalisierung ermöglicht weitere Kostensenkungen

Die Bedeutung der Digitalisierung und smarter Lösungen zur Erhöhung der Effizienz wird ebenfalls betont. So spielen digitale Plattformen zur Planung von Ladezeiten und Routen eine entscheidende Rolle dabei, die Reichweiten von Elektro-Lkw optimal zu nutzen und gleichzeitig Betriebskosten zu senken. Für Logistikunternehmen bedeutet dies eine Chance, ihren CO2-Fußabdruck erheblich zu verringern und sich gleichzeitig durch optimierte Prozesse wettbewerbsfähig zu halten.

Abschließend zeigt die Studie, dass die Transformation hin zu emissionsfreien Nutzfahrzeugen für die Logistikbranche und den Verkehrssektor in Europa essenziell ist, um die Klimaziele zu erreichen. Der Erfolg dieser Transformation hängt von mehreren Schlüsselfaktoren ab: einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur, sinkenden Anschaffungskosten für elektrische Nutzfahrzeuge, technologischen Fortschritten sowie der Verfügbarkeit attraktiver Service-Modelle wie Truck-as-a-Service. Diese Faktoren sind entscheidend, um den Übergang wirtschaftlich und praktisch umsetzbar zu machen.

Quelle: McKinsey & Company – Pressemitteilung vom 11.09.2024

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Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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