Elvah vernetzt E-Autos für größten Energiespeicher Deutschlands

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Iris Martinz
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Für die Energiewende sind dezentrale Speicherlösungen ein wesentlicher Hebel, um die Schwankungen in der Stromproduktion aus erneuerbaren, volatilen Energiequellen ausgleichen zu können. Die zunehmende Zahl an Elektroautos bietet hier ein enormes Potential, schließlich stellt jedes E-Auto nichts anderes als einen mobilen Speicher dar, der zigfach größer ist als etwa ein Heimspeicher für die Speicherung von Strom aus Photovoltaikanlagen. Das Ladeapp-Startup Elvah will nun die Speicherbesitzer – also die Fahrer der Elektroautos – mit den Energieversorgern verbinden und so den größten dezentralen Energiespeicher Deutschlands aufbauen.

Bekannt wurde Elvah durch seine Ladeapp, die das Team um Gründer Gowrynath Sivaganeshamoorthy in der Corona-Pandemie entwickelt hat. Mit der Elvah-App zahlt der Kunde immer einen fixen monatlichen Preis für 10, 90 oder 180 Kilowattstunden und ist damit unabhängig von den verschiedenen Ladetarifen, die die Betreiber der Ladesäulen anbieten. Ist das monatliche Kilowattstunden-Konto aufgebraucht, fallen marktübliche Ladekosten nach Verbrauch an. Mehr als 200.000 Ladepunkte in 40 europäischen Ländern können bereits über die Elvah-App genutzt werden. Seit kurzem gibt es auch eigene Tarife für Firmenkunden und eine Managementsoftware zur Verwaltung von Elektrodienstwagen. Eine KI schlägt dem Kunden je nach Performance den für ihn am besten geeigneten Ladepunkt vor. „Wir sind wie Yelp für Restaurants, nur machen wir objektive Echtzeitbewertungen„, erklärt Elvah CEO Sivaganeshamoorthy.

Das gesammelte IT-Know How will Elvah nun nutzen, um das Speicherpotential der Elektroautos gesamtnetztechnisch nutzen zu können. Dazu wird eine Daten- und Softwareplattform aufgebaut, über die das Laden, aber auch das Entladen geregelt werden soll. Eine KI sagt voraus, wann wie viel Energie benötigt wird. Fahrer von Elektroautos können dann ihr Speicherpotential dem Energiemarkt anbieten, vor allem in den 23 Stunden, die ein Elektroauto durchschnittlich pro Tag nicht bewegt wird. Dafür sollen sie einen Preisvorteil erhalten. „Jeder Lade- und Entladevorgang wird zu einem Handel von Energie werden„, prognostiziert Sivageneshamoorthy. Um das Wissen über die Energiemärkte zu integrieren, kooperiert Elvah mit Maingau Energie. Der bundesweit tätige Energieversorger hat sich auch an der jüngsten Finanzierungsrunde beteiligt, bei der Elvah Millionen eingesammelt hat. Richard Schmitz, Geschäftsführer der Maingau Energie, begründet das Engagement damit, dass es intelligente Lösungen brauche und Elvah die nötige IT-Kompetenz mitbringe.

Ende des Jahres starten erste Pilotprojekte. Ungeklärt bleibt allerdings die Frage, ob Energieversorger nur überschüssigen Strom in die E-Autos speichern können, um das Netz zu entlasten, oder im umgekehrten Fall auch Strom aus den privaten E-Auto-Speichern entnehmen dürfen. Im zweiten Fall – dem sogenannten „bidirektionalen Laden“ oder auch Vehicle-to-Grid (Fahrzeug zu Netz) – wären noch zahlreiche Haftungsfragen mit den Autoherstellern zu klären, von denen die meisten bisher nur ein reibungsloses Beladen der Batterie garantieren, nicht aber das Entladen über das Stromnetz. Im Pilotversuch wird es dann wohl vorerst bei der reinen Einspeicherung bleiben.

Quelle: Handelsblatt – Mobilitäts-Start-up Elvah will Deutschlands dezentralen Energiespeicher entwickeln

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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