BBNM: Elektromobilität ist volkswirtschaftliche Chance – und nicht Risiko

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Elektrifizierung der Automobilindustrie wird in Europa und vor allem in Deutschland in der öffentlichen Debatte oft als wirtschaftliches Risiko dargestellt. Wenn man genauer hinschaut, ist aus Sicht unter anderem des Bundesverbands Beratung neue Mobilität e.V. (BBNM) aber genau das Gegenteil der Fall. Durch ein konsequentes Umsetzen der Elektrifizierung könne nicht nur betriebswirtschaftlich langfristig die Rendite erhöht, sondern auch volkswirtschaftlich enorme Summen an Geld gespart werden.

Diese Erkenntnis macht der BBNM an fünf Punkten fest:

1. Ein Elektroauto benötige im Vergleich zu einem Auto mit konventionellem Verbrennungsmotor nur knapp 15 Prozent der Energie. Das gelte wegen der hohen Energieverluste bei der Produktion auch, wenn im Verbrennungsmotor E-Fuels anstatt fossiler Treibstoffe verwendet werden.

2. Unabhängig vom Loslösen der deutschen Klimaziele von den einzelnen Sektoren hin zu einer Verrechnung, wie es die FDP für das Verkehrsministerium durchgesetzt hatte, gibt die EU für den Verkehrssektor eine CO2-Reduktion von 50 Prozent von 2005 bis 2030 vor. Weil Sofortmaßnahmen nicht umgesetzt wurden, werde dieses Ziel wohl deutlich verfehlt. Laut T&E-Studie wird dies den Steuerzahler bis zu 16,2 Milliarden Euro für den Kauf von Emissionszertifikaten kosten.

3. Gemeinhin wird von etwa 200 Euro an Folgekosten für die Gesellschaft pro ausgestoßener Tonne CO2 ausgegangen. Durch die stärker als ursprünglich geplante Nutzung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kommen den Berechnungen des BBNM zufolge somit allein bis 2030 auf Deutschland Mehrkosten von weiteren mindestens 900 Millionen Euro zu. Das Umweltbundesamt hatte im Herbst die Schätzung sogar von 200 auf 300 Euro pro Tonne angehoben.

4. Wirtschaftlicher Nutznießer der verzögerten Elektrifizierung sei zuallererst die Ölindustrie. Den Berechnungen zufolge verdiene sie bis 2030 somit gut 1,8 Milliarden Euro mehr – insofern „hat sich die Lobbyarbeit bezahlt gemacht“, kommentiert der Verband.

5. Langfristig lohne sich die konsequente Elektrifizierung auch für die europäischen Autohersteller finanziell. Zwar koste die Umstellung erst einmal Geld, doch Hersteller aus China, der USA und Südkorea geben den Takt und die Richtung vor. Wer nicht auf neue Technologien setz, werde schnell abgehängt und bald in die Bedeutungslosigkeit abdriften, so der BBNM. Das habe erst jüngst wieder ein Strategiepapier von Forschungsinstituten in Deutschland, England, Kanada und der Schweiz rund um Professorin Karoline Rogge belegt.

„Die Elektromobilität sichert den Wohlstand in unserem Land“

Mit Blick auf diese Argumente erwartet der BBNM von der kommenden Bundesregierung, das Thema Elektromobilität entschlossen anzugehen und zudem gesamtheitlich zu denken. Denn davon betroffen sei bei Weitem nicht nur das Verkehrsressort, sondern auch unter anderem die Felder Wirtschaft, Energie und Digitalisierung. Der Verband unterstreicht daher seine Empfehlung, neben dem Ausbau und Förderung der öffentlichen und gewerblichen Ladeinfrastruktur vor allem auch die Netzertüchtigung voranzutreiben.

„Wir sind fest überzeugt“, schreibt der BBNM in seinem Fazit: „Auch wenn die Elektromobilität für viele auf den ersten Blick wohlstandsgefährdend wirken mag, sichert ihre konsequente Umsetzung in Wahrheit den Wohlstand in unserem Land. Denn die finanziellen Chancen für Industrie und Gesellschaft sind bei Zukunftstechnologien ungleich größer als bei denen aus der Vergangenheit.“

Quelle: BBNM – Pressemitteilung vom 28.02.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Dr. Kralle:

Es geht halt leider nur ums liebe Geld und um nichts anderes. So traurig das auch ist.

Stefan:

Hoffentlich verstehen das konservative Entscheidungsträger nach 20 Jahren verzögern und bremsen langsam mal.

Apfel:

Viele Fans von Verbrennern ist das aber scheiß egal.
„Wozu solch ich solch eine Batterie-Kiste fahren?“

Privat hört man das nur zu gut.
Ich habe an sich kein Problem damit. Jeder Einwohner und jeder Konzern in der EU hat ja 10 Jahre Zeit sich darauf einzustellen, wer das aus welchen Gründen auch immer nicht möchte, der soll dann aber auch an der Tankstelle entsprechend bezahlen.
Der Liter Benzin darf dann für Privatpersonen ab 2035 Schrittweise auf mindestens 5€ steigen.
Ich gehe davon aus, dass wir 2035 den Großteil an E-Fahrzeugen haben werden und der Restbestand wird dann noch unter Benzinern und Hybriden laufen.

Für Nutzfahrzeuge darf es gerne Ausnahmen geben.

Voz:

Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Wie wir es drehen und wenden. Wir müssen vom verbrennen der Fossilen schnellsten Zweck kommen. Wenn wir dabei bleiben, wird das Risiko größer, dass der Planet für uns nicht mehr richtig gut bewohnbar ist. Dann ist es auch egal ob wir Schulden haben ohne Ende oder nicht. Wann sehen die Menschen und die Politiker das endlich ein.

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