Elektromobilität und die Zukunft des Motorsports

Elektromobilität und die Zukunft des Motorsports
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CUPRA

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 5 min

Die Nachfrage nach elektrischen Autos wird in großen Teilen der Welt immer größer und viele Marken steigen sukzessive aus der Verbrennertechnik komplett aus. Das hat nicht zuletzt große Auswirkungen auf den Motorsport, denn der kämpft in den kommenden zehn Jahren ums nackte Überleben.

Der Acura ARX-06 mit der Startnummer 60 donnert nach 24 spannenden Stunden durchs Ziel des Rennkurses von Daytona. Schlussfahrer Tom Blomquist hat beim Anblick der schwarz-weißen Zielflagge Tränen in den Augen als er zu Fans und in die Kameras winkt. Teamkameraden und Boxencrew können ihr Glück ebenfalls kaum fassen. Auch weil auf Platz zwei das Schwestermodell mit der Nummer 10 den Doppelsieg der Asiaten perfekt macht.

Dahinter bei den traditionsreichen 24 Stunden von Daytona: drei Cadillac V-LMDh. BMW und Porsche – in Florida ebenfalls mit ihren neuen Hybridrennern der Prototypenklasse am Start – ohne Chance auf den Gesamtsieg. Was sich anhört, wie der ganz normale Rennausgang der 24 Stunden von Daytona am letzten Januar-Wochenende, ist so viel mehr als das. Selten war die Aufmerksamkeit auf das Saisonauftaktrennen in den USA größer, denn alle wollen wissen, wie sich die neue LMDh-Klasse schlägt, die hier an der Nordostküste Floridas die handlichere Bezeichnung GTP trägt.

Zwickmühle: E-Mobilität oder sportliches Image?

Die Autohersteller sitzen in der Zwickmühle – nahezu alle. Seit Jahren lassen sie das Hohelied der Elektromobilität jubilierend erklingen, um die Autofahrer zum Umstieg auf Autos mit Stecker zu bewegen. Doch wie sieht es mit dem so wichtigen sportlichen Image und der perfekten Markenpositionierung aus? Weltweites Interesse in der breiten Öffentlichkeit hat an sich nur die Topliga der Formel 1 – und die Elektrifizierung der Formel-Boliden ist kaum mehr als ein Feigenblatt.

Dann ist da noch die Formel E in ihrer mittlerweile neunten Saison. Den Durchbruch hat sie bisher nicht geschafft, und gerade in Europa interessiert sich für die neuen Elektrorenner der dritten Generation – mittlerweile auf 350 kW / 476 PS erstarkt – kaum jemand, trotz des abwechslungsreichen Rennkalenders in aller Welt und absoluter Topfahrer.

Noch düsterer sieht in der anderen elektrischen Rennserie Extreme E aus, die trotz einiger imageträchtiger Namen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Im Vergleich dazu ist die Formel E ein größeres Thema; auch wenn sich große Marken wie BMW, Mercedes oder Audi mittlerweile verabschiedet haben. Andere haben mehr Sitzfleisch und setzen selbstbewusst weiter auf den lahmenden Elektrozossen, der den Sprung zu einem Renntraber irgendwann schaffen soll. Aktuell sind in der Formel E Autohersteller wie Porsche, Cupra (Seat), Nio, DS (Stellantis), Maserati, Jaguar, Mahindra oder Nissan aktiv.

Rennsport: Weit mehr, als im Kreis Runden zu fahren…

Dabei geht es beim Motorsport längst nicht allein darum, schneller als andere im Kreis herumzufahren oder Sieger und Platzierte zu feiern. Das Ganze ist eine fein abgestimmte Mischung aus gigantischem Marketingzirkus, Technologielabor und Großevent, bei dem sich die Autohersteller nur allzu gerne in ein sportliches Licht setzen, um Marke und eigene Modelle publikumswirksam in Szene zu setzen. Doch die zunehmende Elektromobilität macht es dem Motorsport schwerer denn je.

Audi hat sich ebenso wie Ford ab 2026 für ein Engagement in der Formel 1 entschieden und fährt aktuell mit einem Elektro-Geländewagen bei der Dakar Rallye mit. Mercedes ist seit Jahren deutlich erfolgreicher als Renault / Alpine in der Formel 1 unterwegs. Toyota bespielt in der Hyperklasse den WEC-Kalender und die Rallye Dakar – beides mit großem Erfolg, während Alfa Romeo der Formel 1 ebenso treu bleibt wie Skoda oder Ford dem Rallyesport. BMW setzt ähnlich wie Porsche auf Tourenwagen, GT-Sport und eben auf die neuen LMDh-Renner.

Was sich nach einem wilden Buchstaben-Durcheinander anhört, soll den Motorsport auf einer Topebene fit für die kommenden Elektrojahre machen, denn die neuen Prototypen sehen nicht nur gut aus und sind mit ihren 680 PS starken Triebwerken weit über 300 km/h schnell, sondern sollen eben auch einen Spagat zwischen alltäglicher Elektromobilität und spektakulären Rennwagen schaffen. Und dabei nicht zuletzt mit der technischen Gleichheit bei Rennen in aller Welt starten können.

Elektromobilität hält Einzug in Motorsport. Wenn auch langsam…

Das schließt die renommierten Rennserien IMSA (Nordamerika) sowie WEC (weltweit) ein und soll die Entwicklungskosten trotzdem in einem erträglichen Maß halten. Das fein orchestrierte Arrangement ist dabei immerhin so spannend, dass nicht, wie beim ersten Rennen in Daytona nur BMW, Porsche, Cadillac und die Honda-Edeltochter Acura am Start sind, sondern bis zur nächsten Saison Marken wie Peugeot, Lamborghini und Alpine (Renault) dazustoßen. Dazu kommen in der Hyperklasse Marken wie Peugeot, Glickenhaus und Toyota. So langsam wird die Weltmeisterschaft der WEC damit wieder für Fans und Werbetreibende interessanter. Doch gerade den großen Marken geht es eben nicht allein um Sieg und gegebenenfalls Platz, sondern eben auch zu zeigen, dass die Boliden elektrifiziert sind. Jedoch eben nur elektrifiziert und das am Beispiel der imagestarken LMDh-Klasse recht überschaubar, denn der Elektromotor sorgt gerade einmal für eine Zusatzleistung von 50 kW / 68 PS in einem Paket von eben bis zu 500 kW / 680 PS.

Noch schwerer wird es für die Tourenwagen auf den Rennpisten in aller Welt, denn diese leben von Sportwagen, die die Plattform für eben diese Renner sind. Rein elektrisch auf der Rennstrecke ist auf einem Topniveau aktuell hier nicht absehbar. Die Elektrifizierung der Alltagssportler nimmt mit Modellen von McLaren, Maserati, Lamborghini, Porsche, Corvette oder Ferrari zwar zu – doch außer einer dynamischen Hybridisierung ist hier wenig konkret, was den Rennserien mittelfristig Luft verschafft. Das wird für die Marken kaum reichen, um sich als echte Elektromarke zu präsentieren – auch wenn das Argument des Technologietransfers kaum ein solches ist. Die Plug-in-Hybriden werden sich in den kommenden Jahren bei den Kunden auf den meisten Märkten eher schwertun, denn immer mehr Kunden wagen den Umstieg auf vollelektrische Modelle.

Nicht zu vergessen ist die Elektromobilität im Sportwagenbereich noch teurer als die ohnehin kostenintensiven Engagements, um an Strecken wie Nürburgring, Le Mans, Daytona oder Suzuka glänzen zu können. Für Privatteams schier ein Ding der Unmöglichkeit, denn selbst ein professionell geführtes Privatrennteam wie das des US-Milliardärs James Glickenhaus startet nur punktuell und nicht bei weltweiten Veranstaltungen.

So besteht die Gefahr, dass die Tourenwagenserien in aller Welt nicht nur deutlich kleiner und teilnehmerschwächer werden, sondern sich mittelfristig auch in den Gebrauchtwagen- / Youngtimersport verabschieden. Damit fallen sie weitgehend auch als Marketingplattform für die großen internationalen Hersteller aus. Alternativen könnten ein schneller Akkuwechsel in der Boxengasse sein oder Teams, die während des Rennens das Auto wechseln. Das war zu Anfang bei den Formel-E-Rennern jedoch eher zur Lachnummer geworden.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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