Elektromobilität in 2023 – Ein Ausblick

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Audi

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

2022 war für die internationale Autoindustrie erneut kein einfaches Jahr – im Gegenteil. Die Halbleiterkrise sorgt zusammen mit dem Ukraine-Krieg nach wie vor für Lieferprobleme und endlose Wartezeiten. Doch 2023 sollte sich die Situation zumindest leicht entspannen können.

Lieferkette 2023 weiterhin gestört

Wer aktuell ein neues Auto sucht, muss sich zumeist viele Monate oder gar bis zu zwei Jahre gedulden, ehe dies ausgeliefert wird. Viele Modelle lassen sich derzeit gar nicht ordern oder die ausgebuchten Händler nehmen die Bestellung gleich ohne einen vereinbarten Liefertermin an. Die Gründe: Lieferketten werden auch 2023 weiter gestört bleiben, Container bleiben ebenso Mangelware wie Überseeschiffe und ein schnelles Abarbeiten des stattlichen Auftragsbestandes ist seitens der Autohersteller zumindest in Europa aktuell nicht abzusehen.

Trotzdem sollte sich Liefersituation bei Autoherstellern und Zulieferern im neuen Jahr etwas entspannen können. Das dürfte letztlich jedoch kaum ausreichen, dass sich die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt nennenswert nach unten bewegen. Jedoch gibt es eine gute Chance, dass gerade die jungen Gebrauchtwagen bis drei Jahre nicht noch teurer werden. Deren Preise hatten in den vergangenen 18 Monaten Rekordwerte erklommen.

Das Autojahr begann einst im winterkalten Detroit mit der North American International Autoshow (NAIAS), die jeweils direkt Anfang Januar abgehalten wurde. Die einst so wichtige US-Messe, mittlerweile in den wärmeren Sommer gewandert, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und auch der Genfer Autosalon, ehemals Anfang März Auftakt zum europäischen Autojahr, wurde erneut abgesagt.

Mittlerweile blicken Tech-Nerds und Autofans Anfang Januar nach Las Vegas, denn die Autohersteller haben die dortige Consumer Electronic Show zu Ihrem internationalen Lieblingsschauplatz auserkoren, um sich als Tech-Konzerne zu positionieren. Spannend bei der 2023er-Auflage ist das indirekte Aufeinandertreffen von BMW und Stellantis, deren CEOs Oliver Zipse und Carlos Tavares für die jeweiligen Marken die Automobile der nahen Zukunft auf öffentlichkeitswirksamen Keynotes präsentieren. Weitere Höhepunkte im Jahre 2023: 100 Jahre das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der prächtige Concours d’Elegance am Comer See oder der bekannteste Oldtimerevent der Welt, die Mille Miglia.

Im Herbst 2023 findet zum zweiten Mal in München die Internationale Automobilausstellung statt, die bei der 2021er-Auflage bei prächtigem Wetter trotz Coronaauflagen zu einem wahren Cityfest in der Isarmetropole wurde. Die Messe selbst – der sogenannte IAA-Summit – in München-Riem war dagegen tot und es ist kaum anzunehmen, dass es bei der Neuauflage im kommenden Herbst besser werden dürfte. Die internationalen Automessen haben zumindest in der westlichen Welt keinerlei Bedeutung mehr. Anders sieht es Mitte April mit der Auto China in Shanghai aus. Nachdem die chinesische Corona-Quarantäne Anfang des Jahres komplett entfallen soll, könnte die Messe je nach aktueller Infektionslage nach drei Jahren erstmals wieder ein internationaler Großevent werden.

Chinas E-Autohersteller gewinnen weiterhin an Relevanz

Ob nun China-Messe mit europäischer Beteiligung oder nicht – die Bedeutung der chinesischen Autohersteller wird im neuen Jahr europaweit deutlich zunehmen. Marken wie MG, Great Wall, Ora, Wey, Aiways, Nio oder Polestar – sie alle wollen sich einen deutlich größeren Teil zum Autokuchen abschneiden. Je nach entsprechendem Land wird sich zudem der Verkaufsanteil von Elektrofahrzeugen in 2023 weiter erhöhen.

Einige Hersteller lassen Volumenmodelle mit Verbrennungsmotor auslaufen, streichen diese komplett oder ersetzen sie mit Elektrofahrzeugen. Keine großen Sprünge sind im nächsten Jahr in Sachen Fahrerassistenz zu erwarten. Kein Hersteller bietet aktuell ein echtes Level-drei-Fahren, das in nennenswerten Bereichen des Alltags funktioniert. Mercedes bietet dies aktuell allein in Deutschland für die S-Klasse und den EQS mit der Fahrerassistenzstufe drei an – BMW will Ende 2023 mit dem neuen 7er / i7 und wohl auch mit dem iX folgen. Doch aktuell funktionieren diese Systeme allenfalls bis Tempo 60 auf Autobahnen oder Strecken mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen. Das autonome Fahren ist weiter denn je von der Realität entfernt.

Schwierig dürfte es in den kommenden Jahren mit günstigen Kleinwagen werden. Der Umschwung zur Elektromobilität lässt die Autos immer teurer werden und so lohnen sich viele Kleinwagen für die Automarken nicht mehr. Dabei ist es fraglich, ob sich die Situation an den Ladesäulen im kommenden Jahr spürbar verbessert. Zwar haben die großen Ladesäulenbetreiber angekündigt, dass deutlich mehr Schnelllader und Hypercharger in Betrieb genommen werden. Jedoch kommt die Zahl der neuen Ladesäulen in Relation zu den neu zugelassenen Elektroautos nicht nach. Daher könnte es gerade an Autobahnen und Transferstrecken zunehmend zu Wartezeiten an den Schnellladern kommen.

Die automobilen Höhepunkte des Jahres 2023 muss letztlich jeder für sich herausfinden. Internationaler Fixstern wird auch im kommenden Jahr die Monterey Autoweek mit ihren zahlreichen Events rund um die Luxusenklave von Pebble Beach sein. Wer etwas auf sich hält, ist in der dritten Augustwoche an der kalifornischen Pazifikküste und feiert das automobile Hochamt zwischen Versteigerungen, Weltpremieren, Hummerparties, Burger und Fantreffs.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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