Das Elektroauto leer fahren? Ist eigentlich unmöglich…

Das Elektroauto leer fahren? Ist eigentlich unmöglich…
Copyright:

Shutterstock / 2380656867

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Was passiert, wenn man den Akku eines Elektroautos komplett leer fährt? Diesen Versuch hat der ADAC im Testzentrum Penzing mit insgesamt sechs verschiedenen Fahrzeugmodellen (VW ID.3, Tesla Model Y, Kia EV6, Volvo EX40, BYD Seal und Nio EL6) durchgeführt. Ziel war herauszufinden, wie die Autos vor einem leeren Akku warnen und ob die Fahrzeuge bei null Prozent Ladezustand tatsächlich stehenbleiben.

Die Studie zeigt, dass die „Warndramaturgie“ der Autos recht ähnlich sind. Zunächst wird mit einem optischen Signal darauf hingewiesen, dass die Akkuladung zur Neige geht. Fast alle Fahrzeuge zeigen einen eingeblendeten Text, bei manchen färbt sich zudem das Batteriesymbol orange. Der Zeitpunkt der ersten Warnung war dabei jeweils etwas unterschiedlich: Während der Kia schon bei 21 Prozent und ca. 70 Restkilometern die erste Warnung anzeigte, war dies beim Volvo erst bei 7 Prozent der Fall.

Je näher sich der Akkuladestand der null Prozent nähert, desto energischer werden die Warnungen der E-Autos: Zu den optischen Anzeichen kommen bei allen Autos dann akustische Signale hinzu. Mit der Zeit – meist ab einem Ladezustand im unteren einstelligen Bereich – wird auch die Leistung des Autos spürbar schwächer. Das heißt: Die Beschleunigung nimmt ab, wodurch sich das Auto träger fährt. Spätestens jetzt sollte man nach einer Lademöglichkeit suchen.

Ein Ergebnis der ADAC Untersuchung ist zudem: Bei null Prozent Akkustand bleibt keiner der Testkandidaten einfach stehen. Die Fahrzeuge verfügen über eine Notlaufreserve, die das Auto noch rund 15 bis 20 Kilometer weit befördern kann – allerdings mit noch weniger Leistung. Der Mobilitätsclub empfiehlt dringend, sich auf diese Reserve nicht zu verlassen und sie nur im absoluten Notfall zu benutzen. Denn die Tests auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing fanden bei Idealbedingungen statt: Gutes Wetter, ebene Straße, junge Fahrzeuge mit wenigen Kilometern auf dem Tacho. Insbesondere im Winter oder bei gealterten Akkus kann die Notreserve auch spürbar geringer bis kaum noch vorhanden sein.

ADAC

Wer trotz aller Signale und Warnungen mit dem Elektroauto liegenbleibt, dem hilft nur noch eine mobile Lademöglichkeit oder der Abschleppservice. Auf keinen Fall sollten liegengebliebene Elektroautos gerollt werden, denn der Motor erzeugt dabei Spannung, die die Elektronik im Fahrzeug beschädigen könnte.

Reichweitenangst ist meist unbegründet

Der Versuch des ADAC hat außerdem gezeigt: Die oft als Kritikpunkt angeführte Reichweitenangst, mit einem Elektroauto plötzlich liegenzubleiben, ist eigentlich unbegründet. Dafür müssen mehrere (und teils sehr energische) Warnungen konsequent ignoriert werden. Auch weisen Elektroautos immer höhere Reichweiten auf, was ein ungewolltes Liegenbleiben noch unwahrscheinlicher macht. 2024 testete der ADAC 29 Elektroautos. Die durchschnittliche Reichweite der Fahrzeuge lag dabei mit 425 km erstmals bei mehr als 400 Kilometern. Die mögliche Reichweite hat sich gegenüber dem Stand von 2014 damit fast verdreifacht.

ADAC

Generell empfiehlt der ADAC, immer etwas Puffer für unvorhergesehene Situationen einzuplanen. Wenn das Fahrzeug das erste Mal warnt, dass der Akku bald leer ist, sollte man rechtzeitig eine Ladestation ansteuern. Wer in den unwahrscheinlichen Fall gerät, dass man bei null Prozent Ladezustand angekommen ist, sollte sich auf ein baldiges Stehenbleiben gefasst machen und eine sichere Abstellmöglichkeit ansteuern.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 15.09.2025

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Lademarkt-Report: DC-Ladepunkte werden fünfmal häufiger genutzt als AC

Lademarkt-Report: DC-Ladepunkte werden fünfmal häufiger genutzt als AC

Tobias Stahl  —  

DC-Ladepunkte machen nur ein Drittel der öffentlichen Ladeinfrastruktur aus, sind aber für über 70 Prozent der Ladevorgänge verantwortlich.

E-Auto-Förderung: Diese Marken und Modelle liegen vorne

E-Auto-Förderung: Diese Marken und Modelle liegen vorne

Daniel Krenzer  —  

Mehr als 100.000 E-Auto-Förderungen wurden bereits bewilligt. Die BAFA-Statistik zeigt, welche Hersteller und Modelle besonders häufig profitieren.

Ladenetztest: Aral Pulse und EnBW in Deutschland vorne

Ladenetztest: Aral Pulse und EnBW in Deutschland vorne

Daniel Krenzer  —  

Der Ladenetztest 2026 von Connect zeigt deutliche Unterschiede bei CPOs und eMSP. In Deutschland liegen Aral Pulse und EnBW Mobility+ an der Spitze.

E-Auto-Neuzulassungen verdoppeln sich fast

E-Auto-Neuzulassungen verdoppeln sich fast

Daniel Krenzer  —  

88.599 neue E-Autos wurden im September zugelassen. Der Elektroauto-Marktanteil steigt auf 34,5 Prozent. Auch bei der Produktion verschiebt sich viel.

Günstige Elektroautos: T&E erwartet Versiebenfachung der Verkäufe

Günstige Elektroautos: T&E erwartet Versiebenfachung der Verkäufe

Tobias Stahl  —  

Die Verkäufe erschwinglicher Elektroautos dürften sich gegenüber 2024 versiebenfachen, prognostiziert die Verkehrsorganisation T&E.

Fast jedes dritte Neufahrzeug in Europa ein E-Auto

Fast jedes dritte Neufahrzeug in Europa ein E-Auto

Daniel Krenzer  —  

Elektroautos kommen im August in Europa auf 29,3 Prozent Marktanteil. Jato meldet mehr als 242.000 E-Auto-Neuzulassungen und ein Plus von 52 Prozent.

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Michael Neißendorfer  —  

Das DIW legt eine detaillierte Auswertung der E-Auto-Förderung vor. Und richtet eine klare Botschaft an die Politik.