Geringe Nachfrage nach E-Autos bremst Ladestationen-Ausbau

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der Ausbau des Ladesäulen-Netzes in Deutschland verlangsamt sich deutlich. Während die Ladeleistung 2023 um etwa 45 Prozent gestiegen ist und Deutschland die europäischen Mindestziele für installierte Ladeleistung übertrifft, zeigt sich nun eine spürbare Abschwächung im aktuellen Jahr. Die deutschlandweit geringere Nachfrage nach Elektroautos hat spürbare Auswirkungen auf den Ausbau der Ladestationen.

Die Bundesnetzagentur berichtete, dass im Januar und Februar 2024 etwa 3150 neue Ladepunkte hinzugekommen sind. Dies bedeutet einen Rückgang um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem 4333 neue Ladepunkte installiert wurden. Die Ladeleistung an sich ist weiter deutlich gestiegen, da Ladepunkte, die aktuell installiert werden, meist über eine höhere Ladeleistung verfügen. 

Auswirkungen auf Unternehmen im Bereich der Ladeinfrastruktur

Zur Einordnung offenbart Kortmann Beton, ein führender Lieferant von Ladesäulenfundamenten, einen Blick auf seine Zahlen. Diese zeigen einen Rückgang um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mitgeschäftsführer Julian Krümpel erklärt, dass die sinkenden Verkaufszahlen auf reduzierte, verschobene oder stornierte Bauprojekte zurückzuführen seien. Trotz langfristigem Optimismus rechnet das Unternehmen mit weiteren Umsatzrückgängen in diesem Bereich.

Wulf Schlachter von der Beratungsgesellschaft DXBe, die Ladesäulen-Betreiber weltweit unterstützt, bestätigt den Abwärtstrend. Der ehemalige Mitgründer von Ionity erwartet einen massiven Einbruch der Entwicklung von Ladestationen in Deutschland. 2023 wurden noch 32.733 neue Schnellladestationen gebaut, für 2024 prognostiziert Schlachter nur noch rund 16.000. Dies könnte bereits der Best Case sein, basierend auf den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur.

Ein Hauptgrund für diese Verlangsamung ist laut Schlachter der schleppende Verkauf von Elektroautos. Die bestehenden Ladesäulen seien oft nur schwach ausgelastet und somit oft defizitär. Zur Einordnung: Das BDEW zeigt auf, dass Ladesäulen derzeit durchschnittlich nur zu 12,5 Prozent genutzt werden. Das bedeutet, dass jede Säule täglich nur fünf bis sechs Ladevorgänge verzeichnet. Um rentabel zu sein, müssten es jedoch 16 bis 18 Ladevorgänge pro Tag sein.

Auch die Hersteller der Ladesäulen spüren die Auswirkungen. Alpitronic, Europas führender Schnellladesäulenhersteller aus Bozen, plant, seine Produktion zurückzufahren. CEO Philipp Senoner rechnete ursprünglich für 2024 mit einem Umsatzwachstum von 80 Prozent, erwartet nun jedoch nur noch 10 bis 20 Prozent Wachstum. Das Unternehmen, das 2009 gegründet wurde und etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt, erzielte 2023 einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Nicht so gut sieht es indes beim australischen Hersteller Tritium und dem österreichischen Anbieter EnerCharge aus, beide mussten Insolvenz anmelden.

Neue Ansätze von Start-ups ebenfalls gebremst

Numbat, ein Start-up aus Kempten, kombiniert Batteriespeicher und Schnellladestationen, um Elektromobilität auch in Regionen mit schlechter Stromnetzqualität zu ermöglichen. Die Gründer Martin Schall und Maximilian Wegener planen nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde eine deutschlandweite Expansion ihres Ladesystems. Aber auch hier ist ein Abschwung zu verzeichnen. Numbat-Marketing-Chef Uli Benker erklärt, dass die Zurückhaltung der etablierten Betreiber beim Ausbau der Ladesäulen auf die Erschließung neuer, komplexerer Standorte zurückzuführen sei. Die einfach zugänglichen und wirtschaftlich attraktiven Standorte seien bereits erschlossen. Neue Standorte zu finden, werde zunehmend komplexer und teurer, was den Ausbau verlangsame. Bereits heute vergehen zwölf bis 18 Monate Planungszeit, bevor der Bau einer Ladesäulen-Anlage beginnen kann.

Benker bestätigt, dass die geplante Zunahme der E-Autos 2024 ausbleiben wird und dies Auswirkungen auf die Planung der Ladevorgänge hat. Er sieht diesen Rückschlag jedoch als vorübergehend an und verweist auf Länder wie Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, die aktuell Wachstumsraten von bis zu 34 Prozent verzeichnen. Die langfristigen Aussichten für die Elektromobilität bleiben also positiv.

Quelle: Wirtschaftswoche – E-Auto-Krise zieht Ladesäulen-Ausbau heftig in Mitleidenschaft

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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egon_meier:

„Das ist ein wenig komplizierter. Eine Tankstelle hat in der Regel 4 bis 8 Zapfsäulen, die müsstest du als direkten Vergleich nehmen, denn Lädestationen stehen meist auch nicht einzeln sondern in der Regel auch im Bulk. “

Es ist noch komplizierer .. ich musste (bei 45.000 km im Jahr) früher jede Woche tanken. Im Urlaub öfter. Das war dann 60-65x im Jahr. Bei der Billig-Tanke war dann immer 10min Wartezeit angesagt. Schlange bis auf die Straße.

Jetzt muss ich eventuell 10x extern laden. Höchtens.

Also .. öffentliche Ladepunkte sind in keiner Weise vergleichbar mit Tankstellen.

Spiritogre:

Das ist ein wenig komplizierter. Eine Tankstelle hat in der Regel 4 bis 8 Zapfsäulen, die müsstest du als direkten Vergleich nehmen, denn Lädestationen stehen meist auch nicht einzeln sondern in der Regel auch im Bulk.

Und die gemeldeten Ladepunkte sind mitnichten alle öffentlich! Viele Firmen haben da Fördergelder abgegriffen, die Ladesäule ist aber trotzdem dann unzugänglich auf dem Firmengelände, wo man nicht so einfach rauffahren kann. Wir haben angeblich vier Ladesäulen im Ort, nur die beim Supermarkt ist öffentlich zugänglich…

egon_meier:

so lange ich BEV fahre lief das halbwegs bedarfsgerecht parallel.

KiM:

Typisch deutsch…erst sollen die E-Autos verkauft werden, dann bauen sie die E-Ladesäulen – verkehrte Welt, wie so oft in good old Germany,…

E. Wolf:

Wir haben keinen Ladestellenmangel !

Laut https://www.virta.global/de/blog/wie-viele-ladesaulen-gibt-es-in-deutschland-das-bundesland-ranking Stand 1/4/23:
– Normalladepunkte: 72.441
– Schnellladepunkte: 15.875
Bei den aktuell gemeldeten Anzahl von Ladepunkten handelt es sich ausschließlich um öffentlich zugängliche Ladepunkte, da nur diese der Anzeigepflicht der Bundesnetzagentur unterliegen.

Verbrenner Tankstellen: ca. 14.000 Tendenz sinkend

Mit Ausnahme von Landwirten hat auch kam jemand eine private (Diesel-)Tankstelle zu Hause.

Anders bei PV-Dachbesitzern und eMobilisten, da kommen nochmal locker 500.000 bis 1 Mio Ladepunke dazu.

egon_meier:

Machen sie die Abzocke doch einfach mit: HPC aufstellen – Preis etwas günstiger als die Obergauner und verdienen sie sich dumm und krumm!

Gastschreiber:

Für mich passen einige Aussagen nicht recht zusammen. Der Vorlauf beim Ausbau ist derart lange, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem konkreten Ausbau und den Zulassungszahlen m.E. nicht gegeben ist.
Dem widerspricht m.E. auch der intensivierte Ausbau von Ketten wie der Schwarzgruppe, Aldi, Netto, etc.
Bauprojekte, die storniert werden sprechen eher dafür, dass man bessere Standorte gefunden hat oder der Wettbewerb schneller war.
Wer heute noch, wie Tesla zu Beginn der Ladeinfrastruktur weit neben den Hauptstraßen bauen will, der baut am Nutzer vorbei.

Gastschreiber:

Diese Aussagen sind für mich wieder ein Beispiel, dass nicht alles was logisch klingt auch logisch sein muss.
Der Anteil der Elektrofahrer, die ein Firmenfahrzeug nutzen liegt bei 40-50%. Hier ist der Anteil der „Ladekarten“ Roaming oder Abrechnung über Firma sehr hoch. Ladetarife spielen hier eine sekundäre Rolle.
Der Anteil der Elektros, die an öffentlichen Ladesäulen laden liegt auch bei ca. 50% und hier haben die meisten Nutzer einen entsprechenden Vertrag mit Kosten, deutlich unter den im Beitrag genannten Kosten.
Es stimmt, der Tarifdschungel ist ein Graus, aber die Schlussfolgerung stimmt m.E. nicht.

Martin Huber:

Das alte Lied, die Verkäufe in DE gehen zurück weil niemand bereit ist die Wegelagerer von Ladesäulenbetreiber durchzufüttern, diese bauen nicht weiter aus da keiner BEVs kauft um bei ihnen zu laden.

Beim Floatanbieter sind Stunden mit 0-6 ct/kWh relativ häufig, niemand der diese Preise bekommt fährt zur Ladesäule und lässt sich 50-90ct für AC oder DC aus der Tasche ziehen!

Um auch für Wohnungsbesitzer ohne Zugang zum eigenen Strom abzuholen muss wohl von „oben“ eingegriffen werden, die Gier mancher Betreiber gehört gestoppt!
Ähnliches Beispiel ist Telefonie und Datenroaming im EU Ausland, wäre da nicht die Kommission rein gefahren würden wir immer noch 1€ für 100 KByte / 15 Sekunden bezahlen!

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