E-Fuels: Kritik an Volker Wissing aus Frankreich

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Daniel Krenzer
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Vor allem aufgrund der Androhung eines Vetos im Europarat zum im EU-Parlament bereits beschlossenen „Verbrenner-Verbot“ ab 2035 durch die FDP ist die finale Abstimmung darüber ausgesetzt. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) bemängelte im Namen der Bundesregierung, dass die EU-Kommission sich nicht wie vereinbart mit der möglichen Zukunft von sogenannten E-Fuels auseinandergesetzt habe. Während sich die FDP für „Technologieoffenheit“ feiert, kommt Gegenwind nun auch aus dem Wirtschaftsministeriums des Nachbarn Frankreich. „Wirtschaftlich ist das widersprüchlich, industriepolitisch ist das gefährlich, das ist nicht im Interesse unserer nationalen Hersteller und vor allem ist es nicht im Interesse des Planeten“, wird der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in einem Bericht der Deutschen Presseagentur zitiert, wie unter anderem Automobil Industrie berichtet.

Le Maire erklärte, dass man bei diesem Thema absolut zum Kräftemessen bereit sei. „Es ist ein Fehler für die Umwelt und ein wirtschaftlicher Fehler“, sagte er mit Blick auf die Blockadehaltung. Man hinke bei E-Autos China jetzt schon fünf bis zehn Jahre hinterher und könne sich eine weitere Verzögerung und Verunsicherung beim Hochlauf der Elektromobilität nicht leisten. „Man kann nicht sagen, dass es eine Klimakrise gibt, was der Fall ist, was wir alle feststellen, in unseren Städten und Metropolen, die immer noch zu stark verschmutzt sind, und das Ziel der Umstellung auf E-Autos aufschieben“, wird der Minister zitiert.

Ähnlich äußerte sich dem Bericht nach die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer, die eine Planungssicherheit für die Elektromobilität einfordert, damit Investitionen darauf fokussiert werden können. „Weiter alle möglichen Wege offen halten zu wollen, heißt im Klartext, weiter keine Lösung des Koordinationsproblems zu haben: ohne ausreichende Ladeinfrastruktur nicht genügend Nachfrage für Elektroautos und ohne E-Autos nicht genügend Investition in Ladeinfrastruktur. Da hilft eine klare Ansage der EU„, sagte Schnitzer demnach.

Eine Fürsprecherin findet Wissing allerdings in Hildegard Müller, der Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Sie lehne es ab, heute schon festzulegen, dass E-Fuels nicht wirtschaftlich produziert werden könnten. Dieses Argument habe man seinerzeit auch mit Blick auf Photovoltaik verwendet – was aber heute eine verbreitete und anerkannte Technik der Energieerzeugung in der Energiewende ist. „Die Politik muss schnell für Klarheit sorgen und einen entsprechenden Vorschlag machen“, fordert sie von der EU-Kommission, die ihrer Meinung nach die Hausaufgaben nicht gemacht habe.

Während E-Fuels zwar in breiteren Kreisen als mögliche Überganglösung für Bestandsfahrzeuge betrachtet wird, um diese klimaneutral zu machen, geht die FDP einen Schritt weiter. „Natürlich kann man sie auch dauerhaft für den Verbrennungsmotor nutzen, ohne das Klima zu gefährden“, sagte Wissing, der sich offenbar auch Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren über 2035 hinaus wünscht. Der einzige Autohersteller, der sich bislang offensiver für die synthetischen Kraftstoffe interessiert, ist derzeit Porsche. Umstritten sind E-Fuels, weil die Herstellung sehr energieaufwändig ist und sie zumindest auf absehbarer Zeit nur sehr kostspielig produziert werden können.

Quelle: Automobil Industrie – Verbrenner-Aus: Bundesverkehrsminister Wissing: Wir brauchen die synthetischen Kraftstoffe

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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