3.400 E-Autofahrer/innen urteilen: Wer baut das beste Elektroauto?

3.400 E-Autofahrer/innen urteilen: Wer baut das beste Elektroauto?
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Patrick Solberg
Patrick Solberg
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Spätestens im Jahre 2035 ist in Europa Schluss mit neuen Verbrennermodellen. Viele Marken dürften jedoch deutlich vorher auf reine Elektromodelle umsteigen. Doch welches Elektroauto ist bei den Nutzern aktuell die Nummer eins – eine Umfrage bringt überraschende Ergebnisse.

Das auf Elektromobilität spezialisierte Marktforschungsunternehmen Uscale hat in diesem Jahr rund 3.400 Besitzer von Elektroautos zu ihren Erfahrungen aus dem Alltag befragt. Welches Auto ist gut, welches schlecht und was sind die größten Probleme bei den Autos mit Stecker? Der Weg in die elektrische Normalität ist dabei noch weiter als viele denken. „Wir haben die E-Auto-Fahrer nach allen Details ihrer Autos gefragt. Aber am Ende zählt, ob die Befragten ihr Auto einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen würden. Hier zeigen sich sehr große Unterschiede zwischen den Marken“, erläutert Dr. Axel Sprenger, Geschäftsführer von Uscale.

E-Auto: Alte Modelle sind nicht unbedingt unbeliebt!

Doch es geht nicht allein um die Marken an sich, denn gerade auf Modellebene sind die Unterschiede mitunter beträchtlich. So schneiden beispielsweise die elektrischen BMW-Modelle neuester Bauart wie iX, iX3 und iX4 deutlich besser ab als der in die Jahre gekommene BMW i3. Bei Volkswagen dagegen liegen der ID.3 und der technisch veraltete E-Golf fast gleichauf bei der Weiterempfehlungsquote.

Die Befragung zeigt jedoch auch, dass es bei einem Elektroauto um mehr als nur die Reichweite geht. Diese ist bei den Autofahrern jedoch unverändert ein wichtiges Thema. Allerdings sehen nur 42 Prozent der Befragten beim Thema Reichweite großen Handlungsbedarf für die Hersteller. Mit 39 Prozent ist beinahe genauso vielen die Ladeleistung ähnlich wichtig. Letztlich hängen Reichweite und Ladeleistung direkt zusammen, denn wer schnell laden kann, für den ist eine geringe Reichweite weniger problematisch.

Beim Ranking der Elektromarken gibt es einen Sieger, der viele kaum überraschen dürfte: Tesla. Kunden eines Tesla sind mit ihrem Elektroauto besonders zufrieden. 81 Prozent würden ihn jederzeit weiterempfehlen. Knapp dahinter auf Platz zwei folgt der chinesisch-schwedische Hersteller Polestar mit 80 Prozent bevor auf Platz drei mit gewaltigem Rückstand Kia und Skoda (jeweils 58 Prozent) folgen. Die drei Marken Ford, Mercedes und BMW liegen dahinter auf den Plätzen vier, fünf und sechs – jeweils mit Empfehlungsquoten von über 50 Prozent. Am schlechtesten schneidet in dieser repräsentativen Befragung der E-Auto-Marken der japanische Hersteller Nissan ab. Etwas überraschend im Negativbereich die beiden Stellantis-Marken Opel und Peugeot sowie Aiways aus China.

Eigenständige Elektroauto-Plattformen können den Unterschied machen

Die gezeigten Werte sind Mittelwerte über alle Modelle der jeweiligen Marke. Bei BMW schneiden die neuen Modelle wie i4 / iX deutlich besser ab als der technologisch betagte und mittlerweile ausgelaufene i3. Bei Mercedes sind hauptsächlich Modelle wie EQA und EQC in der Studie enthalten. EQE und EQS sind technologisch auf einem neueren Stand, aber noch nicht in der Studie enthalten. Durchaus überraschend: der Ford Mustang Mach-E schnitt deutlich besser ab als die ebenfalls etablierten ID-Modelle von Volkswagen. Der Mach-E basiert auf einer eigenen Ford-Plattform aus den USA. Im kommenden Jahr wird Ford als indirekten Nachfolger des kleinen Fiesta einen Elektro-Crossover vorstellen, der auf der MEB-Plattform von VW basiert.

Die Modelle von VW und Skoda teilen sich bereits heute eine Plattform, unterscheiden sich an verschiedenen Stellen aber offenbar so stark, dass dies beim Nutzer zu deutlich unterschiedlicher Wahrnehmung führt. Umgekehrt verhalten sich die Stellantis-Schwestermarken Opel und Peugeot. Opel und Peugeot teilen ganz offenbar einen großen Teil ihrer Gene, während Fiat eigene Wege geht und deutlich besser abschneidet als die beiden Schwestermarken. Ebenfalls überraschend ist das schlechte Abschneiden von Aiways.

Bei Nissan wurde das letzte Modelljahr des Leaf bewertet und der neue Ariya fand noch keinen Niederschlag. Tesla, Sieger der Befragung, schneidet gerade bei Verarbeitungsqualität und Geräuschentwicklung nicht gut ab. Die beiden deutschen Premiummarken Audi und Porsche leiden insbesondere Softwareproblemen und einem hohen Realverbrauch. Der sorgt ebenfalls bei Polestar für Gesprächsstoff sowie eine zu spät eingeführte Connect-App.

Fokus auf Unterstützung – über Ladekarten und Apps hinaus

Doch was ist den Fahrern eines Elektroautos weiterhin wichtig? Um mit dem eigenen Elektroauto sicher durch den Alltag zu kommen, braucht es mehr als Ladekarten und Apps. Fahrer von Elektroautos benötigen eine Reihe von zusätzlichen Anzeigen zur Reichweite oder dem Energieverbrauch. Dazu kommen wichtige Funktionen im Zusammenhang mit der Routen- und Ladeplanung sowie dem Management des Ladevorgangs selbst. Allein zur Routenplanung ist die Hälfte der Befragten der Meinung, dass es beim Hersteller ihres Elektromodells dringenden Handlungsbedarf gibt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kundeninteresses ist die Software und die App-Steuerung zur Bedienung und Überwachung des Fahrzeugs. Bei Elektroautos ist die App deutlich wichtiger als bei vergleichbaren Verbrennermodellen. Aus Sicht der Befragten gelingt es vielen Herstellern nicht, hier überzeugende Konzepte anzubieten.

Als weiteren wichtigen Punkt nennen die Befragten Probleme mit der Qualität und insbesondere mit der Akustik. Besonders Tesla-Fahrer monieren hier Verarbeitungsmängel. Dr. Axel Sprenger: „Wichtig ist, dass die Entwickler in den Autofirmen direktes Feedback bekommen und die richtigen Schwerpunkte setzen. Elektroautos müssen schnell besser werden. Autokäufer und -Käuferinnen sollen in zwölf Jahren nicht nur „notgedrungen“ ein E-Auto kaufen, sondern lange vorher überzeugt umsteigen.“

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