Dudenhöffer nennt Diskussion um Verbrenner-Aus „unseliges Gegackere“

Dudenhöffer nennt Diskussion um Verbrenner-Aus „unseliges Gegackere“
Copyright:

Shutterstock / 1190544808

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

In einem Interview mit der Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) hat sich Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zu den derzeitigen Herausforderungen der deutschen Automobilbranche geäußert, den jüngsten Autogipfel als „Nebelkerze“ sowie die Diskussion um das sogenannte „Verbrenner-Aus“ als „unseliges Gegackere“ kritisiert und zugleich konkrete Reformvorschläge geliefert. Die Branche stecke in einer Krise, die nicht allein durch externe Schocks, sondern durch strukturelle Defizite bedingt sei, stellte er dabei fest.

Zunächst betont er, Deutschland kaufe sich derzeit mit Subventionen wie der Innovationsprämie Zeit, ohne den grundlegenden Wandel energisch genug zu gestalten. Dudenhöffer warnt: „Wer weiter auf Altbewährtes setzt, verliert den Anschluss.“ Der Experte fordert eine deutlich mutigere Strategie – insbesondere beim Ausbau der Elektromobilität und bei der Mobilitätsinfrastruktur. Dazu gehöre ein schnellerer Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, flankiert von gezielter Förderung – nicht nur für Bürger:innen, sondern auch für Forschung und Industrie.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die Fragmentierung und mangelnde Koordination im deutschen System: Zu viele Akteure arbeiteten voreinander, nicht miteinander, sagt er. Dudenhöffer schlägt deshalb die Gründung einer „Agentur Automobil“ vor, die Bund, Länder und Hersteller verbindlich zusammenführt und als zentrale Steuerungsinstanz fungiert. So könne man Prioritäten setzen, Bürokratie abbauen und Ressourcen bündeln.

„Das Geschäftsmodell Auto in seiner bisherigen Form ist überholt“

Dudenhöffer räumt mit Blick auf Arbeitsplatzverluste indes ein, dass ein technischer Wandel mit Transformation verbunden sei: „Man kann nicht erwarten, dass 100 Prozent der Beschäftigten ohne Umschulung weiterarbeiten.“ Dennoch sieht er langfristig Potenzial: Deutschland müsse jetzt massiv in Aus- und Weiterbildung investieren, um Fachkräfte für Elektrotechnik, Software und Batterietechnik bereitzustellen.

Kritisch sieht der Experte die bisherige Produzentenpolitik: Die Autohersteller hätten jahrzehntelang auf „Schnellstraßen“ gesetzt – hohe Stückzahlen, große Fahrzeuge – und seien nun in einer Sackgasse angekommen. „Das Geschäftsmodell Auto in seiner bisherigen Form ist überholt“, sagt er und fordert mutige Produktinnovationen: weg von Luxus-SUV, hin zu kompakten, effizienten Elektroautos – auch mit Abomodellen, Carsharing oder Flottenlösungen.

Abschließend spricht Dudenhöffer über die Rolle der Politik: Es gelte, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investitionen erleichtern – etwa durch bessere Ladeinfrastruktur, günstigere Strompreise, steuerliche Anreize und europäische Harmonisierung. Deutschland könne nicht isoliert agieren: „Wir müssen Teil eines wettbewerbsfähigen Europa sein, nicht Insel der Begehrlichkeit.“ Nur so ließe sich die Krise überwinden – nicht mehr mit Flickwerk, sondern mit Strategie und Weitblick.

Quelle: NOZ – Fährt das E-Auto unsere Wirtschaft vor die Wand, Herr Dudenhöffer?

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Daniel Krenzer  —  

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern mehr Schutz für die Automobilindustrie, günstigeren Ladestrom und flexiblere CO₂-Vorgaben.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

Sebastian Henßler  —  

Der VDA erwartet bis 2035 den Verlust von 125.000 weiteren Autojobs in Deutschland und verweist auf hohe Energiekosten sowie fehlende Reformen.

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

Tobias Stahl  —  

Kurz vor einem geplanten Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sorgt US-Präsident Trump mit überraschender Offenheit für Kritik aus Reihen der US-Hersteller.

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Michael Neißendorfer  —  

Expertinnen und Experten von 50 Organisationen aus Afrika gestalten Strategien für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem.

Studie: Management-Arroganz treibt Niedergang der Autobranche

Studie: Management-Arroganz treibt Niedergang der Autobranche

Michael Neißendorfer  —  

In Bezug auf die Aussichten der deutschen Automobilindustrie geben sich mehr als 500 Manager alles in allem recht pessimistisch.

Wegen guter E-Auto-Absätze: Kfz-Gewerbe korrigiert Prognose

Wegen guter E-Auto-Absätze: Kfz-Gewerbe korrigiert Prognose

Tobias Stahl  —  

Der ZDK rechnet für 2026 mit einem spürbaren Wachstum bei Elektroautos. Die Gesamtlage im Kfz-Gewerbe bleibt aber dennoch angespannt.