Dream Factory: Bentley baut E-Auto-Werk im englischen Crewe

Dream Factory: Bentley baut E-Auto-Werk im englischen Crewe
Copyright:

Bentley Motors

Felix Katz
Felix Katz
  —  Lesedauer 4 min

Bentley Motors hat mit dem ersten Spatenstich für sein neues Launch Quality Centre und Engineering Technical Centre den nächsten Schritt auf dem Weg zum nachhaltigen Luxusautomobilhersteller gemacht. Die neue Anlage am Bentley-Hauptsitz in Crewe, England, soll ein wesentlicher Bestandteil der Marke für die zukünftige Produktion von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV) sein und neue Maßstäbe für die digitale, flexible und hochwertige Fertigung der nächsten Generation setzen.

Im ersten Schritt sollen die neuen Gebäude eine E-Auto-Montagelinie als Vorbereitung für die Einführung des ersten rein elektrisch betriebenen Modells von Bentley im Jahr 2026 enthalten. Darüber hinaus werden ein Software-Integrationszentrum, eine Prototypenwerkstatt, Messtechnik und ein spezieller Bereich für die künftige Materialentwicklung eingerichtet, um den Standort als Drehscheibe für die künftige Modellentwicklung zu stärken.

"Dream Factory": Baubeginn von Bentleys millionenschwerem BEV-Werk im englischen Crewe
Bild: Bentley Motors

40 Millionen Euro für Bentleys „Traumfabrik“

Aus diesem Anlass unterzeichneten Peter Bosch, Geschäftsführer für die Fertigung, und Dr. Matthias Rabe, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung, eine der 101 Schlüsselsäulen des Gebäudes. Der Bau des Zentrums, dessen Kosten sich laut Unternehmen auf umgerechnet knapp 40 Millionen Euro belaufen, ist Teil eines auf zehn Jahre angelegten Investitionsprogramms in Höhe von 2,5 Milliarden Pfund (ca. 2,8 Milliarden Euro) in künftige Produkte und in das Werk Pyms Lane in Crewe, in dem alle Bentley-Modelle in Handarbeit gefertigt werden.

Die Umwandlung von Crewe in eine „Traumfabrik“ sei der Schlüssel zu Bentleys „Beyond100“-Strategie für eine neue Produktpalette und eine vollends elektrifizierte Zukunft. Denn auch die Luxusmarke des VW-Konzerns möchte bis 2030 CO2-neutral produzieren. Diese digitale, umweltneutrale, flexible und hochwertige Produktionsstätte werde einen „Go-to-Zero“-Ansatz für die Umweltauswirkungen der Produktion einführen und die Luxusautoindustrie bei digitalen Anwendungen der nächsten Generation anführen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Das neue Launch Quality Centre werde sich über zwei Etagen mit jeweils 4000 Quadratmetern erstrecken. Im Erdgeschoss soll das hauseigene Messtechnik-Team angesiedelt sein, das dafür verantwortlich ist, jedes Teil eines Bentleys genauestens zu vermessen. Die Aufgabe des Teams sei von grundlegender Bedeutung für die Qualität, Leistung und Langlebigkeit jedes Luxuswagens, der die Produktionslinie verlässt. Die zweite Etage beherberge praktisch ein komplettes Produktionsprüffeld, das ein Labor für künftige Materialtests und eine Mini-Montagelinie zur Erprobung der künftigen BEV-Montage umfasst.

"Dream Factory": Baubeginn von Bentleys millionenschwerem BEV-Werk im englischen Crewe
Bild: Bentley Motors

Fertigstellung bereits Ende 2023

Das Engineering Technical Centre werde sich ebenfalls über zwei Etagen erstrecken und insgesamt 13.000 Quadratmeter umfassen. Das Zentrum wird eine Prototypenwerkstatt für Zukunftsmodelle, die Materialentwicklung und ein Software-Integrationszentrum beherbergen. Der Schlüssel zur harmonischen Integration der Einrichtung liege in der strukturierten und umfassenden Anwendung von Kompetenzen in den Bereichen Schulung, Tests und Startvorbereitung für alle Software- sowie elektrischen und digitalen Hochspannungssysteme.

Alle diese Abteilungen werden von ihrem derzeitigen Standort im Gebäude A1, dem ältesten Gebäude am Standort Pyms Lane, in die BEV-Montage umziehen, bevor die Produktion im Jahr 2026 anläuft. Insgesamt werden das Launch Quality Centre und das Engineering Technical Centre rund 300 Bentley-Mitarbeiter beherbergen. Die Fertigstellung sei für Ende 2023 geplant. Die Schaffung einer „Traumfabrik“ ist Teil der zukunftsorientierten „Beyond100“-Strategie von Bentley, einem ganz schön strammen „Fahrplan“ in die Elektromobilität. Denn der Schlüssel zu diesem ehrgeizigen Programm ist der Five-in-Five-Plan, mit dem sich die britische Marke verpflichtet, bis 2030 jedes Jahr ein neues Elektromodell auf den Markt zu bringen.

Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer digitalen Revolution, in der Autos zu echten digitalen Geräten werden. Dies stellt eine große Chance für Bentley dar, da wir eine Benchmark-Position in der hochwertigen Fertigung der nächsten Generation anstreben, die unsere sich entwickelnde Dream Factory unterstützt und unser Engagement sowohl für unsere Beyond100-Strategie als auch für unsere langfristige Zukunft am Standort erneut unterstreicht. Der Spatenstich für das neue Launch Quality Centre und das Engineering Technical Centre ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf unserem Weg in eine elektrifizierte, kohlenstoffneutrale Zukunft“, erklärt Peter Bosch, Mitglied der Geschäftsführung für den Bereich Fertigung.

Quellen: Bentley Pressemitteilung 

worthy pixel img
Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

BMW und Mercedes haben das CO₂-Ziel der EU schon erreicht

BMW und Mercedes haben das CO₂-Ziel der EU schon erreicht

Michael Neißendorfer  —  

Autohersteller sind im Schnitt nur noch 4 Gramm CO₂ pro km von den EU-Vorgaben entfernt. Der VW-Pool hinkt zwar hinterher, hat aber seine Lücke halbiert.

Deutsche Umwelthilfe kritisiert neue E-Auto-Förderung als verfassungswidrig

Deutsche Umwelthilfe kritisiert neue E-Auto-Förderung als verfassungswidrig

Michael Neißendorfer  —  

Weil auch klimaschädliche Plug-in-Hybride und Luxuswagen gefördert werden können, kündigt die DUH eine Klage gegen die neue E-Auto-Förderung an.

Trumps Zolldrohungen verschärfen die Krise der Autoindustrie

Trumps Zolldrohungen verschärfen die Krise der Autoindustrie

Daniel Krenzer  —  

US-Präsident Donald Trump will Grönland und zieht die Zoll-Daumenschrauben für Europa an. Darunter könnte wieder einmal die Automobilindustrie besonders leiden.

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Maria Glaser  —  

Der VDA gab bekannt, dass inzwischen mehr als 30 Unternehmen aus der gesamten Automobilzulieferkette die kollaborative Vereinbarung unterschrieben haben.

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Sebastian Henßler  —  

Batterien einfach importieren? Das greift zu kurz. Experten offenbaren, warum Europas Industrie eigene Wertschöpfung, Partnerschaften und Skalierung braucht.

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Sebastian Henßler  —  

Asien dominiert den Batteriesektor, Europa hinkt hinterher. Warum Recycling und geschlossene Stoffkreisläufe ein wichtiger strategischer Hebel sind.

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Sebastian Henßler  —  

Rohstoffe sind da, Technologien auch. Warum Europas Batterielieferkette dennoch stockt und weshalb Umsetzung, Kapital und Skalierung entscheidend sind.