China kontert EU-Zölle mit eigenen Import-Untersuchungen

China kontert EU-Zölle mit eigenen Import-Untersuchungen
Copyright:

Shutterstock / 2444182451

Maria Glaser
Maria Glaser
  —  Lesedauer 3 min

China hat als Reaktion auf die Antisubventionsuntersuchungen der EU und die damit verbundenen Zollerhöhungen für chinesische Elektroautos Gegenmaßnahmen eingeleitet. Als Teil des Anti-Dumping-Programms sei nun eine Anhörung angekündigt worden, die die bereits seit Januar laufende Untersuchung gegen europäischen Brandy betrifft, so der Nachrichtendienst Reuters.

Nachdem die EU im Oktober 2023 mit Antisubventionsuntersuchungen begonnen hat und mögliche Zollerhöhungen für Importe von Elektroautos aus China untersucht worden, gab die Europäische Kommission im Juni die Höhen der Ausgleichszölle bekannt.

Als Reaktion auf die Zollerhöhungen leitete China Anti-Dumping-Untersuchung ein. Neben den Importen von Schweinefleisch und Branntwein, die seit Juni und Januar untersucht werden, seien außerdem Zölle auf Milchimporte und Benzinfahrzeuge mit großem Motor im Gespräch. Das Land, dass bereits von US-Sanktionen betroffen ist, habe jedoch kein Interesse an einem weiteren Handelskrieg und wolle vor allem die EU-Zölle verhindern, so Reuters.

Die Regierung in Peking sowie chinesische Unternehmen hatten gehofft, dass die EU die Zölle aufgeben würde, jedoch seien von chinesischer Seite aus keine ausreichenden Gegenmaßnahmen vorgelegt worden. Die Regierung sowie der staatliche Hersteller SAIC Motors hätten nicht ausreichend kooperiert. Inzwischen habe SAIC nach eigenen Angaben eine Anhörung mit der EU-Kommission beantragt. China wiederum warf der Kommission vor, die Untersuchungen zum Ausspionieren der Lieferketten zu nutzen, die für die effiziente, günstige Herstellung bei Elektroautos verantwortlich seien.

Gegenmaßnahmen erhöhen internationale Spannungen

Auch europäische Unternehmen haben sich gegen die erhöhten Zölle geäußert. In Einzelfällen ist es jedoch für Unternehmen möglich, nach einer EU-Inspektion eine Ausnahme mit individuellem Zollsatz zu bekommen. So wurde beispielsweise das Tesla-Werk in Shanghai vor kurzem inspiziert.

Mit der Ankündigung der EU-Zölle fielen die Aktien chinesischer Elektroautohersteller, wie Geely Automobile. Die vorläufigen Importzölle für die Unternehmen BYD, Geely und SAIC werden 17,4 Prozent, 19,9 Prozent und 37,6 Prozent ausmachen. Außerdem kündigte u. a. die chinesische Marke Nio an, dass sie als Reaktion auf die Zölle in diesem Jahr die Preise in Europa erhöhen könnte.

Anhörung zum Import von Brandy geplant

Vergangene Woche wurde vom chinesischen Handelsministerium bekanntgegeben, dass es am 18. Juli eine Anhörung abhalten werde. Dabei wird es darum gehen, ob europäische Branntweinhersteller zu Preisen unter dem Marktpreis nach China verkaufen. Die Ankündigung der Anhörung fiel auf denselben Tag, an dem die vorläufigen Zölle der Europäischen Kommission in Kraft traten. Diese vorläufigen Zölle sind dann für vier Monate gültig, in denen intensive internationale Verhandlungen erwartet werden.

Die Anhörung in Peking sei unter anderem von den Cognac-Unternehmen Martell, Societe Jas Hennessy & Co. und Remy Martin beantragt worden, um sich erstmals persönlich verteidigen zu können, so Reuters.

Mit dem Fokus auf Branntwein und Schweinefleisch treffe China vor allem Frankreich und Spanien, die bisher zu den entschiedensten Befürwortern von EU-Subventionen gehörten, so Reuters, und auch Italien unterstütze die EU-Zölle. Das Land schickte seinen Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Adolfo Urso, nach Peking, wo er sich mit seinem Amtskollegen Jin Zhuanglong traf. China habe dabei seine Bereitschaft geäußert, mit Italien in verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten, beispielsweise Autos oder Schiffen.

Quelle: Reuters – China steps up pressure with EU brandy probe hearing as EV tariffs begin

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

MG IM5 und IM6: Technisch ihren Geschwistern klar überlegen

MG IM5 und IM6: Technisch ihren Geschwistern klar überlegen

Daniel Krenzer  —  

MG bringt mit IM5 und IM6 zwei neue Elektroautos nach Deutschland. Reichweite, Technik und voraussichtliche Preise überzeugen auf den ersten Blick.

Nio-Chef William Li: Chinas goldene Ära ist vorbei

Nio-Chef William Li: Chinas goldene Ära ist vorbei

Maria Glaser  —  

Nio-Chef Li äußerte sich zur Lage des chinesischen Marktes für Elektromobilität und gab einen Ausblick auf die Unternehmensstrategie.

China Speed: Was Europa jetzt noch lernen kann und was nicht

China Speed: Was Europa jetzt noch lernen kann und was nicht

Sebastian Henßler  —  

China hatte einmal mehrere hundert Elektroauto-Hersteller – am Ende bleiben vielleicht 15. Was das für Europa bedeutet, erklärt Max Brandt im EAN-Podcast.

Chinas Disruption: Was Europas Autoindustrie lernen muss

Chinas Disruption: Was Europas Autoindustrie lernen muss

Sebastian Henßler  —  

Xpeng-Manager Kai Qian warnt: Was heute in China passiert, erreicht Europa in wenigen Jahren. Die Zeit zum Reagieren wird knapper.

Chinesische Elektroautos verlieren weiterhin stark an Wert

Chinesische Elektroautos verlieren weiterhin stark an Wert

Laura Horst  —  

Die Restwerte von Elektroautos auf dem deutschen Markt sind insgesamt gesunken, wobei chinesische Modelle besonders schwache Restwerte aufweisen.

China: NEVs erreichen erstmals über 60 Prozent Marktanteil

China: NEVs erreichen erstmals über 60 Prozent Marktanteil

Laura Horst  —  

In China wächst der NEV-Anteil immer weiter und machte im April erstmals mehr als 60 Prozent der Verkäufe aus, während der Verbrenneranteil rasant sinkt.

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Wolfgang Gomoll  —  

Allein der Gedanke, chinesische Autos in deutschen Werken zu produzieren, schlägt derzeit hohe Wellen. Allerdings überwiegen die Chancen den Risiken.