NASA-Lieferant Canoo verzeichnet Rekordverlust, Überleben zweifelhaft

NASA-Lieferant Canoo verzeichnet Rekordverlust, Überleben zweifelhaft
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Canoo

Iris Martinz
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Und wieder steht ein E-Auto-Startup offenbar vor dem Aus: der amerikanische Hersteller Canoo hat im ersten Quartal 2022 einen Verlust von über 125 Millionen US-Dollar (etwa 113 Millionen Euro) gemeldet. Das Unternehmen selbst hat daher „große Zweifel„, dass man das nächste Quartal überleben wird. Die Aktie gab um 11 Prozent nach.

Canoo hatte die ersten Modelle 2019 vorgestellt. Der Fokus liegt auf einem Minivan, einem Pick-up und einem Transporter, die alle auf einer gemeinsamen Skateboard-Plattform aufgebaut werden. Kooperationen mit Hyundai und Kia sowie Apple sind allesamt gescheitert. Nun macht dem Unternehmen auch noch ein Gerichtsverfahren zu schaffen, mit dem Canoo versucht, 61 Millionen US-Dollar an „Short Swing“-Gewinnen wieder hereinzuholen, die angeblich von DD Global Holdings – dem zweitgrößten Anteilseigner von Canoo nach CEO Tony Aquila – erzielt wurden. In den letzten Jahren haben zahlreiche Schlüsselführungskräfte das Unternehmen verlassen und das Unternehmen steht wegen seiner Verbindungen zu China in den USA unter Beobachtung, was den kürzlich unterzeichneten Vertrag mit der NASA für die Lieferung von Crew-Transportern beeinflussen könnte.

Aquila erklärte im Investorengespräch zum Quartalsabschluss, dass Canoo „Zugang zu mehr als 600 Millionen US-Dollar“ (540 Millionen Euro) Kapital habe, um den Produktionsstart zu finanzieren. Wenn nötig, könnte diese Summe sogar noch erhöht werden. Die genannten Finanzierungsoptionen zeigen aber, dass Canoo bereits mit dem Rücken zur Wand stehe, wie electrek anmerkt. Hinsichtlich der Produktion hinkt Canoo jedenfalls deutlich hinter seinen Zielen hinterher. Wollte man ursprünglich 3.000 – 6.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen, waren es bisher gerade einmal 39. Für das zweite Quartal benötigt das Unternehmen nach eigenen Angaben mindestens 180 Millionen US-Dollar (162 Millionen Euro), dafür reichen die schnell verfügbaren Mittel in Höhe von 104,9 Millionen US-Dollar (95 Millionen Euro) wohl nicht aus. Daher musste das Unternehmen im Investorengespräch bekanntgeben, dass sich das Unternehmen nach den FASB-Regeln in Zahlungsschwierigkeiten befinde. Schafft es Aquila nicht, sehr kurzfristig noch viel Geld aufzutreiben, wird das Canoo wohl sinken.

Quelle: electrek.co – Canoo reports over $135M net loss for Q1, admitting „substantial doubt“ it can continue

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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