BMW hält Wette auf Wasserstoff offenbar aufrecht

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die ganze Automobilindustrie hat dem Wasserstoffantrieb für Pkw den Rücken zugekehrt. Die ganze Automobilindustrie? Nein! Ein von unbeugsamen Bayern geführter Hersteller hört nicht auf, an die Zukunft der Brennstoffzelle auch im Auto zu glauben.

Allmählich dürfte man sich bei BMW wirklich wie das kleine gallische Dorf aus den Asterix-Comics fühlen. Denn während selbst Toyota bei Wasserstoff-Autos zunehmend kleinere Brötchen backt, hofft man in München weiter auf große H2-Brotlaibe.

Wie Electrive.net berichtet, plant BMW offenbar, mit Toyota Gespräche über eine Verlängerung der Kooperation in Sachen Brennstoffzellenfahrzeuge zu führen. BMW-Chef Oliver Zipse sagte demnach, dass sein jüngster Besuch in Asien ihn darin bestärkt habe, an der Wasserstoffstrategie als Baustein festzuhalten. „Unsere Welt ist vielfältig. Deswegen brauchen wir unterschiedliche technologische Lösungen“, sagte er – und begründete: „Zum einen, um den verschiedenen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Zum anderen um die hoch differenzierten regulatorischen Anforderungen in den Ländern weltweit erfüllen zu können.“

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet BMW mit Toyota in diesem Bereich zusammen. Nun sollte eigentlich bald das Ende der vereinbarten Kooperation eingeläutet werden. Doch offenbar ist man seitens des Münchner Herstellers gewillt, diese Zusammenarbeit weiter fortzusetzen. Die Japaner von Toyota gelten als Experten bei der Brennstoffzellentechnik und bieten selbst schon länger den Mirai als Brennstoffzellen-Pkw auch in Europa an – allerdings mit sehr mäßigen Absatzzahlen und unter erheblichen Eigeninvestitionen pro abgesetztem Fahrzeug.

BMW hatte zuletzt den X5 in kleiner Stückzahl als Brennstoffzellenfahrzeug mit dem Namenszusatz Hydrogen hergestellt. Auch X6 und X7 könnten perspektivisch mit H2-elektrischem Antrieb ausgeliefert werden, sofern das die Kunden wünschen sollten. Auch für die angekündigte „Neue Klasse“ hält sich BMW die Option Wasserstoff dem Vernehmen nach offen – und das, obwohl diese noch im März von BMW als exklusiv batterieelektrische Klasse angekündigt worden war.

Hoffen auf den einen Markt

Interessanterweise hat selbst Toyota zuletzt bei Wasserstoff-Pkw auf die Bremse getreten und eingeräumt, dass der Mirai kein Erfolg sei – für stets gesichtswahrende Japaner ein fast schon ungewöhnlicher Schritt. Ein Nachfolgemodell der zugegebenermaßen schicken Limousine steht in den Sternen. Zwar planen die Japaner weiterhin den Absatz von Brennstoffzellenfahrzeugen, jedoch in weitaus geringerer Stückzahl als batterieelektrische Fahrzeuge, mit denen Toyota als König der Hybrid-Antriebe ja gerade erst so wirklich anfängt. Zumindest den in Deutschland nicht erhältlichen Crown soll es auch als Brennstoffzellenversion geben.

Hinter der Taktik von BMW dürfte mehr Wette als Glaube an die Technologie stecken. Sollte sich irgendwo auf der Welt Wasserstoff als die große Möglichkeit für Pkw-Antriebe durchsetzen, dann könnten die Münchner diesen Markt mehr oder weniger ganz alleine besetzen. Die Investitionen in die Brennstoffzelle seien jedoch „mitnichten eine Abkehr“ vom Elektroauto mit Batterie, zitiert das Handelsblatt den BMW-Chef.

Und so kämpft Zipse als Asterix weiter für die Brennstoffzelle, während Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger den Troubadix mimt und sein kaum gehörtes Lied der großartigen Wasserstoff-Zukunft im deutschen Automobilverkehr singt. Wirdwohlnix lässt grüßen!

Quelle: Electrive.net – „BMW setzt weiter auf Toyota-Brennstoffzellen“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Martin:

Vielen Dank für die Mühe und den umfangreichen Kommentar! Das war sehr aufschlussreich.

Mr.Hu:

Dir ist schon klar, dass Wiesbaden die H2-Busse ausgemustert hat, weil die ewig ladenden BEV-Busse ihnen den Platz weggenommen haben?

Georg Laackman:

Haben Sie’s immer noch nicht mitgekriegt, daß Prestige nichts mit pubertierendem Beschleunigungsgehabe zu tun hat?
Im Gegenteil: Sie werden niemals eines der prestigträchtigsten Autos wie einen RollsRoyce bei einem Ampel- oder Aiutobahnrennen sehen. Niemals!!

Smartino:

Wieviele davon hat die Schweiz? 3 oder gar 4?

Peter:

Für Herrn Aiwanger ist H2 eine tolle Geschichte
sein Dienstwagen Zahl ja der Steuerzahler

Raymond_NL:

Vielleicht treibt BMW das H2 Geschäft weiter voran um zurück zu kehren zum Flugzeugmotor. Da wird H2 eine seriösere Lösung sein.

MWF:

Exoten so wie den eActros 600 oder MAN eTGX? Aufwachen!!

MWF:

Na, in der prestigekräftigen Oberklasse ist man dann mit einem H2 Auto zukünftig auch der langsamste im Verkehr. Aber dafür hat man weniger Effizienz und zahlt mehr dafür. Spätestens wenn der prestigeträchtige X5 H2 Fahrer an der Ampel mehrmals von einem i3 oder iX stehengelassen wird und die Reichweite unterhalb eines i7 ist (geschweige denn Tesla`s), dann wird der prestigeträchtige Fahrer ins Grübels kommen. Klasse Prestige!

Daniel W.:

Zu diesem Thema habe ich mal einige Zahlen gesammelt – eine Zusammenfassung der Mehrkosten am Ende des Kommentars.

Baden-Württemberg

Einigung auf schnelleren Netzausbau – Studie sieht Milliardenkosten

… In der Praxis dürfte die benötigte Summe unter anderem wegen der Methodik der Studie deutlich höher liegen. Realistisch seien Kosten von voraussichtlich 50 Milliarden Euro. Berücksichtige man dann noch die Inflation, lande man für die Nieder- und Mittelspannungsnetze bei etwa 70 Milliarden.

(Quelle: stuttgarter-nachrichten.de – 15.09.2023)

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In Baden-Württemberg leben rund 11,28 Millionen Menschen (Stand: 31. Dezember 2022).

(Quelle: baden-wuerttemberg.de)

Wenn man bis 2040 inkl. Inflation mit 70 Mrd. Euro bei Nieder- und Mittelspannungsnetzen rechnet, dann sind es rund 6.206 Euro pro Einwohner oder auf 17 Jahre verteilt rund 350 Euro pro Jahr und Einwohner in Baden-Württemberg und damit überschaubare Kosten.

Während 1.800 Kilometer Hochspannungsleitungen bereits in Betrieb genommen wurden und 700 im Bau sind, befindet sich der größte Teil nach wie vor in der Planungsphase.

Allein für den Ausbau des Hochspannungsnetzes rechnet die Bundesnetzagentur (BNetzA) bis 2030 mit Mehrkosten von rund 55 Milliarden Euro.

(Quelle: euractiv.de)

Wenn bis 2030 mit 55 Mrd. Euro für Hochspannungsnetze in Deutschand mit rund 83 Mio. Einwohnern rechent, dann sind es rund 663 Euro pro Einwohner oder auf 7 Jahre verteilt rund 95 Euro pro Jahr und Einwohner und damit noch überschaubarer.

… durchschnittlicher Pro-Kopf-Stromverbrauch: 1.322 Kilowattstunden pro Jahr

(Quelle: co2online.de)

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Heizkosten 2022

Ein durchschnittlicher Haushalt im Mehrfamilienhaus (70-m²-Wohnung) muss fürs Heizen mit Gas 1.475 Euro bezahlen.

(Quelle: mieterbund.de – bezieht sich auf co2online.de)

Zusammenfassung der Mehrkosten pro Jahr und Einwohner:

Baden-Württemberg – Nieder- und Mittelspannungsnetze . . . . . 350 Euro
Deutschland – Ausbau des Hochspannungsnetze . . . . . . . . . . . . . 95 Euro
Alles zusammen für Nieder-, Mittel und Hochspannung . . . . . . . 445 Euro

Bisherige durchschnittliche Energiekosten:

1.332 kWh Strom zu knapp 30 Cent/kWh wären pro Person rund 400 Euro
1.475 Euro für Gas (3 Personen auf 70m²) wären pro Person rund 492 Euro

Mein Fazit:

Die Kosten pro Person würden sich durch den Ausbau der Netze um rund 50% verteuern, aber eher theoretisch.

Falls sich längerfristig durch günstigere Heizenkosten mit Wärmepumpe und günstigeren Haushaltstrom durch reichliche Ökostrom die Kosten um rund 33% veringern würden, dann wäre der Netzaubau ein Kosten-Nullsummenspiel für die Bürger.

Mein Kommentar ist etwas länger geworden und auch etwas vom Beitragsthema abgekommen, aber er zeigt die Vorteile einer weitgehend strom- und (damit zusammenhängend) batteriebasierten Energie- und Verkehrswende für den Großteil der Bürger.

Gastschreiber:

Ich war diese Woche laden an der Autobahnraststätte Führholzen bei München, diese hat auch Wasserstoff. Es wurde auch getankt, aber nur BMWs mit der typischen Werkslackierung. Kein normales Auto kam da rangefahren.
Als Versuchsträger sicher interessant, hierzulande kein Thema, aber wer weiß ob es Länder gibt, denen es einfacher fällt eine Wasserstofftankstelle als eine Ladesäule zu bauen.Die WLTP des X5 liegt bei 504 km. Das schafft der iX auch. der iX3 noch nicht.

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