BMW Neue Klasse: Ja zu E-Autos – aber eben nicht nur

BMW Neue Klasse: Ja zu E-Autos – aber eben nicht nur
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Wolfgang Plank

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Das tägliche Business in Sachen Autobau mag hart sein, aktuell vielleicht sogar besonders hart. Also schwelgen deutsche Hersteller gerne mal in Erinnerungen und beschwören die meist glanzvolle Markenhistorie. Frühere Zeiten waren zwar alt, aber eben auch noch gut – und die Wagen mindestens wunderbar. Soll das alles wirklich und für immer vorbei sein?

So müssen wohl die PR-Strategen von BMW gedacht haben, als sie sich entschlossen haben, für die Fahrt durch die Transformation die „Neue Klasse“ als Baureihe auszurufen. Jene Modelle aus den beginnenden 1960er-Jahren, die den späteren weißblauen Ruhm begründeten, weil sie eine Mittelklasse schufen, die es im seinerzeitigen Portfolio zwischen Einzylinder-Isetta und V8-Barockengel schlicht nicht gab.

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Nun steht BMW heutzutage nicht vor dem Konkurs wie damals eben schon; aber irgendeine Art von Aufbruch muss ja sein, wo die halbe Welt verspricht, sehr bald sehr elektrisch unterwegs sein zu wollen, und sogar im Reich der Mitte Produzenten der spannungsreichen Fortbewegung wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schießen. Selbst die BMW-Submarke Mini bekennt sich zur E-Mobilität und bietet ihre neuesten Modelle ausschließlich mit Akku an.

Es hätte also gut passen können – das mit der Neuen Klasse und der Zukunft, der man damit laut Ankündigung aus München „zwei Schritte voraus“ sein möchte und so „die Mobilität für das nächste Jahrzehnt schon ab 2025 auf die Straße“ bringen will. Sogar von einer „ganz neuen Ära“ war die Rede. Wenn da nicht Oliver Zipse gewesen wäre.

Der oberste Boss höchstselbst beschwor nur einen Tag vor der Präsentation noch einmal wortgewaltig den Fortbestand des Verbrenners. Tenor: Wer einseitig auf den Akku-Antrieb setze, mache sich wegen der dafür unverzichtbaren Rohstoffe wirtschaftlich abhängig und politisch erpressbar. Dass dies spätestens seit der ersten Krise 1973 beim Öl kein bisschen anders ist, behielt Zipse für sich.

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So hat man nicht unbedingt den Eindruck, mit der „Neuen Klasse“ stünde da nun die künftige Philosophie von BMW auf dem Drehteller. Was im Grunde schade wäre. Nach all dem Protz und den Nierenschäden der jüngeren Vergangenheit zeigt sich da ein fast schon zeitlos elegantes Gefährt, dessen ansprechende und schick interpretierte Haifisch-Front das Design der 1960er prägnant und doch unaufdringlich übersetzt. Verknüpft mit der Grundgedanken, man solle auch künftig die Hände am Steuer haben und die Augen auf der Straße.

Immerhin: Die Front mit der nahezu nahtlos in die Lichtgrafik fließenden Niere dürfte es weitgehend in die Serie schaffen, bei Heckpartie und Innenraum scheint das Risiko einer Überarbeitung deutlich größer. Kollateralnutzen der klassisch schlichten Formgebung: Sie spart enorme Kosten bei der Produktion. Gesetzt sein dürfte eine 800-Volt-Architektur, ansonsten darf man über Details zu Akkus und Antrieben rätseln. Am Ende sollen allerdings 30 Prozent mehr Reichweite als heute üblich stehen – und 30 Prozent kürzere Ladezeiten.

Gesicherter ist da schon, dass sich BMW das Ganze einen wohl zweistelligen Milliardenbetrag kosten lässt. Das größte Investment in der Firmengeschichte, heißt es. Im Jahr 2025 soll das erste von sechs Modellen im Format des heutigen X3 im neuen ungarischen Werk Debrecen vom Band rollen, wenig später eine Limousine im Werk München.

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Viele Entwicklungen der Neuen Klasse sollen indes auch konventionellen Modellen zugute kommen. Das gilt vorrangig für die immer komplexer werdende Elektronik, aber eben auch für das System „Panoramic Vision“ – eine Art Head-up-Display, dessen Projektion sich über die komplette Windschutzscheibe ziehen soll.

Womöglich denkt Zipse in seiner demonstrativen Technologieoffenheit aber auch noch in eine ganz andere Richtung. Im Batteriefach der Neuen Klasse, so war zu hören, ließen sich problemlos auch Drucktanks für Wasserstoff unterbringen. Keine zwei so gewaltig wie bei der Kleinserie iX5 Hydrogen, dafür aber mehrere mit geringerem Querschnitt und nur unwesentlich höherem Gesamtgewicht. Da wäre es dann auch egal, wenn es 2035 wie vom BMW-Chef prognostiziert, keine flächendeckende Infrastruktur für E-Autos geben wird.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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