Autopapst Professor Dr. Dudenhöffer gegen Elektroauto-Prämie

Autopapst Professor Dr. Dudenhöffer gegen Elektroauto-Prämie
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 386722726

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 3 min

Für die versammelten Autobauer muss es ein Schock gewesen sein. In der Krise aller Krisen rufen Daimler und Co. nach staatlicher Hilfe – und die Politik zögert. Mindestens. Selbst eine Gipfelrunde – sonst grundsätzlich ein Forum für peitschenloses Zuckerbrot – vertagt sich ergebnislos. Erstmals fließt Geld nicht automatisch.

Dabei galt über Jahrzehnte: Stotterte der Motor der Republik nur ein ganz klein wenig, kümmerten sich Regierungen jedweder Färbung eilfertig um Reparatur. Mit politischem Einfluss, mit Garantien – vor allem aber mit Geld. Sehr viel Geld. Fünf Milliarden Euro Staatsknete verschlang allein die Abwrackprämie von 2009. Und im tiefen Absatztal von Corona sollte noch nicht einmal helfen, dass die neue Autoverbandschefin Hildegard Müller früher Staatsministerin im Kanzlerinamt von Angela Merkel war? Ungeheuerliches muss geschehen sein.

Womöglich ist einfach nur Herbert Diess geschehen. Ende April forderte der oberste VW-Boss vor Millionen von Zuschauern in den „Tagesthemen“ Milliarden von Unterstützung, wollte aber gleichzeitig bis zuallerletzt an Dividenden und Manager-Boni festhalten. Man muss nicht übertreiben, um das ein Kommunikationsdesaster zu nennen. Denn genau an diesem Punkt kippte die Stimmung. Bei den Leuten im Land sowieso – aber eben auch bei den Mächtigen in Berlin. Milliarden an Steuergeld für eine Branche, die weder ihre gewaltigen Rücklagen angehen noch auf Gewinne oder gar Top-Gehälter verzichten will? Da schaudert es selbst den Wirtschaftsflügel der CDU.

Dabei wäre das nur ein rein ethischer Aspekt. Es gibt aber nicht wenige, die eine Abwrackprämie 2.0 auch aus ökonomischen Gründen für völlig verfehlt halten. Auch wenn sie zur Innovationsprämie aufgehübscht werden soll. Ferdinand Dudenhöffer zum Beispiel, in Deutschland emeritierter, in der Schweiz weiter forschender Wirtschaftsprofessor und so etwas wie der Papst in Sachen Automobil, ist für Konjunkturanreize durchaus zu haben. Nur auf das Auto zu starren, greife aber zu kurz. Das sehe man schon an Wirtschaftsminister Peter Altmaier, dem er attestiert, „stündlich eine neue Idee“ zu gebären. Erst sollten Schutzmasken produziert werden, dann Wasserstoff und kurz darauf Batterien. Das Ganze, findet Dudenhöffer, sei in höchstem Maße „chaotisch“.

Noch nicht einmal eine ökologisch gestaffelte Corona-Prämie will Dudenhöffer als hilfreich akzeptieren. Es würden erst einmal riesige Debatten losgetreten, warnt er – ob auch Mild-Hybride begünstigt werden müssten, vielleicht sogar Clean Diesel neuester Norm oder doch nur Plug-In-Modelle. An den Prüf- und Verwaltungsaufwand mag er gar nicht denken. Selbst eine Begrenzung auf reine E-Autos sei wegen der geringen Stückzahlen nicht wirklich sinnvoll.

Dass bald etwas passieren muss, sieht auch Dudenhöffer. Schließlich seien in der Branche um die 100 000 Arbeitsplätze gefährdet – und mit jedem Tag des Wartens werde das wirtschaftliche Loch größer. Kurzarbeitergeld und Kredite seien auf Dauer aber keine Lösung, weil damit nur Firmenleben per Scheck künstlich verlängert würden. Klar sei doch: „Jobs retten nur Kunden, die Produkte kaufen.“

Damit Konsumlust verstärkt in Gang kommt, fordert Dudenhöffer einen befristeten Mehrwertsteuer-Verzicht des Staates für Güter ab 10 000 Euro – egal ob Einbauküche, IT-Ausstattung, Carbonrad oder eben Auto. Drastischer formuliert: „Wir brauchen jede Taube, da muss man mit Schrot auf alles schießen.“ Das Gefühl, ein Schnäppchen zu machen, könne einen gewaltigen Schub privater Nachfrage auslösen. Und das ohne große gesetzgeberische Umstände. Eine einfache Verordnung des Finanzministers würde genügen, und die Gefahr des Betrugs sei – anders als bei einer Prämie – ausgeschlossen.

Und wenn die Politik doch lenkend eingreifen wollte Richtung Batterie-Gefährt? Auch dafür hat der streitbare Professor eine Idee. „Die künftige CO2-Steuer auf morgen früh vorziehen!“ Bei geschätzt 20 Cent Aufschlag auf den Liter Sprit würden sehr viele im Land ein Elektroauto kaufen, prophezeit er. Großer Vorteil des Modells: Eine mögliche zusätzliche Subvention als Kaufanreiz wäre bereits gegenfinanziert. Was dann wiederum VW nützen könnte. Den Konzern sieht Dudenhöffer in Sachen Elektrifizierung zwar weit hinter Tesla – wegen der eigens entwickelten Plattform aber zugleich vor allen deutschen Herstellern und also noch am besten aufgestellt.

Vielleicht geht die Sache für Herbert Diess ja doch noch einigermaßen glimpflich aus.

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Großbritannien will E-Auto-Technik mit 130 Millionen Pfund fördern

Großbritannien will E-Auto-Technik mit 130 Millionen Pfund fördern

Arun Niemann  —  

Großbritannien fördert E-Auto-Technik, automatisiertes Fahren und neue Lieferketten mit 130 Millionen Pfund. So sollen mehr als 1800 Jobs geschaffen werden.

Dudenhöffer fordert Ende der E-Auto-Prämie

Dudenhöffer fordert Ende der E-Auto-Prämie

Arun Niemann  —  

Ferdinand Dudenhöffer hält die E-Auto-Prämie angesichts starker Zulassungszahlen für überflüssig. Doch aus Politik und Umweltverbänden kommt klarer Widerspruch.

Förderlücke ermöglicht Zuschüsse für E-Luxusautos

Förderlücke ermöglicht Zuschüsse für E-Luxusautos

Arun Niemann  —  

Die neue E-Auto-Prämie sollte eigentlich sozial ausgewogen wirken. Wegen fehlender Preisobergrenze werden nun aber auch einige besonders teure Autos gefördert.

E-Auto-Prämie: Niedrigere Einkommen profitieren am meisten

E-Auto-Prämie: Niedrigere Einkommen profitieren am meisten

Arun Niemann  —  

Mehr als 100.000 Anträge sind für die neue E-Auto-Prämie bereits eingegangen. Besonders häufig nutzen Haushalte mit niedrigem Einkommen die Förderung.

Teslas FSD-System in Europa: Zulassung ja, Nachweise nein

Teslas FSD-System in Europa: Zulassung ja, Nachweise nein

Tobias Stahl  —  

„Full Self-Driving“ ist sicher genug für öffentliche Straßen, urteilen die Niederlande. Die Belege dafür bleiben geheim – offenbar auch auf Teslas Drängen hin.

Neue Stromnetz-Regeln: Was sich für E-Auto-Fahrer ändern soll

Neue Stromnetz-Regeln: Was sich für E-Auto-Fahrer ändern soll

Daniel Krenzer  —  

AgNes und MiSpeL verändern Netzentgelte, Ladeparks und bidirektionales Laden. Was die neuen Regeln für E-Auto-Fahrer und die Branche bedeuten.

Diese Automarken profitieren stark von der E-Auto-Förderung

Diese Automarken profitieren stark von der E-Auto-Förderung

Daniel Krenzer  —  

Tesla führt bei den bewilligten Anträgen für die E-Auto-Förderung vor Škoda und Renault. Auf Konzernebene ergibt sich jedoch ein anderes Bild.