Der Automobilindustrie droht ein dramatischer Stellenabbau

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Michael Neißendorfer
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Der Abwärtstrend der deutschen Automobilbranche geht weiter: Zunehmender Produktionsrückgang, geopolitische Herausforderungen wie Strafzölle und wachsende Konkurrenz aus China – nur ein Teil der Faktoren, die die ohnehin schon schlechte Lage der deutschen Automobilbranche verschärfen. „Jede sechste Großinsolvenz in diesem Jahr ist ein Automobilzulieferer“, sagt Dietmar Gerke, Head of SRM Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Die Folge: Die Automobilindustrie führt die Liste der insolvenzgefährdeten Branchen an.

In den vergangenen 25 Jahren ist die Automobilproduktion in Deutschland um 25 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig blieb die Zahl der Beschäftigten seit 2005 auf einem konstanten Wert von etwa 800.000 Arbeitnehmern. „Rein rechnerisch gibt es in Deutschland in Relation zur Produktion 200.000 Arbeitsplätze zu viel“, erläutert Gerke. Viele Produktionsschritte könnten auch durch Innovationen wie Robotertechniken geleistet werden.

Gleichzeitig ist die Automobilproduktion in China seit 2000 um etwa 1400 Prozent gestiegen. „Früher wurde in Deutschland entwickelt und Teile aus China zugekauft. Heute hat China die eigene Expertise und produziert günstiger als Deutschland“, so Gerke. Die Folge: China kann günstige Autos nach Deutschland und Europa exportieren und gleichzeitig den Verkauf der eigenen Hersteller im Land stärken.

Die Zahl der Insolvenzen bei Automobilzulieferern ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2024 um 66 Prozent gestiegen. Dabei entfällt jede sechste Großinsolvenz auf die Automobilindustrie. Damit führt sie noch vor der Metall- oder Textilbranche die Liste der größten Insolvenzbranchen an. Mit einer Entspannung ist in Zukunft nicht zu rechnen. „Die letzten Jahre sind die Insolvenzzahlen der Automobilbranche auf einem konstant hohen Niveau gewesen. Wir rechnen damit, dass sie auch im nächsten Jahr weiter im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich wachsen“, so Gerke. Die Branche müsse sich transformieren, um sich dem Markt anzupassen – häufig führe dieser Wandel auch zu Insolvenzen. Besonders betroffen seien kleinere Zulieferer, die den Wechsel zur E-Mobilität nicht schaffen oder schlicht verschlafen haben.

Aktuell werden viele Unternehmen trotz Insolvenz weitergeführt. Der Grund: Automobilhersteller unterstützen selektiert ihre Zulieferer, die für die Produktion unbedingt gebraucht werden. „Die Zukunftsaussichten sind jedoch eher schlecht. Es fehlt an Liquidität in der Wirtschaft, um solche Übernahmen finanzieren zu können“, erklärt Gerke. Investitionen in die Restrukturierung von insolventen Automobilzulieferern seien in der aktuellen Situation unattraktiv.

Deutschland verpasst den Anschluss

Bis 2040 bestimmen vier Trends die Entwicklung des Automobilmarktes: Kontinentalisierung statt Globalisierung, Automatisierung, Software-definierte Fahrzeuge oder auch Konnektivität und die E-Mobilität. Alle Trends lassen schon jetzt erste Anzeichen sehen. „Am stärksten sieht man aktuell den Trend zur Kontinentalisierung“, so Gerke. „Europa erlässt Zölle, die USA spricht von Abwehrzöllen gegen China, China subventioniert stark im eigenen Land. Alles Anzeichen dafür, dass die Globalisierung auf dem Automobilmarkt zurückgeht.“ Dabei ist Deutschland auf die Exporte nach China und die USA angewiesen, die 20 Prozent der gesamten Exporte ausmachen. Diese bestehen, im Gegensatz zu den Exporten in Europa (60 Prozent), zu 96 Prozent aus hochpreisigen Premiumfahrzeugen.

Und auch bei den anderen Trends liegt Deutschland in der Entwicklung weit abgeschlagen hinter Ländern wie China. Grund dafür ist auch die fehlende Förderung durch die Regierung. „Es ist allerdings fraglich, ob weitere Subventionen die deutschen Automobilhersteller retten würden, wenn diese ihre eigenen Kosten, zum Beispiel Personalkosten, nicht stabilisieren können“, sagt Gerke. Vielmehr bedarf es rechtlicher Regelungen in Bezug auf Datenschutz, der für die Konnektivität der Elektrifizierung von Fahrzeugen nötig ist.

Darüber hinaus müsse die gesamte Infrastruktur für E-Mobilität gestärkt, Kosten reduziert und Innovationen mehr gefördert werden. Gleichzeitig liegt die Verantwortung nicht nur bei der Regierung, sondern auch in der Strategieentwicklung der Automobilhersteller. „Wenn in Deutschland jetzt nicht gehandelt und angefangen wird, mittel- bis langfristig zu denken, werden die Folgen und Nachteile für die gesamte Branche noch deutlich größer ausfallen, als es aktuell zu erkennen ist“, mahnt Gerke abschließend.

Quelle: Atradius – Pressemitteilung vom 05.12.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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